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Neuer McLaren 570GT auf dem Genfer Autosalon 2016

Porsche-Turbo-Gegner hat eine große Klappe

McLaren 570GT, Neuvorstellung, Sitzprobe, Sports Series, Autosalon Genf, 02/2016 Foto: Guido ten Brink/SB-Medien 23 Bilder

McLaren hat mit dem 570GT das dritte Modell der Sport Series auf dem Genfer Autosalon vorgestellt. 570 PS stark, fokussiert sich der softere GT auf den Gebrauch im Alltag. Meistert er diese Herausforderung? Sieht ganz danach aus, wir saßen schon drin.

24.02.2016 Roman Domes Powered by

Rob Melville scheint es wirklich wichtig zu sein, dass uns sein neuestes Meisterwerk gefällt. Der McLaren-Chefdesigner nimmt sich viel Zeit, uns die Tricks und Kniffe zu erklären, die er beim neuen 570GT angewandt hat, um den neuesten Spross der Sports Series möglichst elegant, aber nicht zu außerirdisch wie etwa den P1 aussehen zu lassen.

Warum? "Weil der McLaren 570GT nicht nur für die Rennstrecke konstruiert wurde, sondern vor allem für den täglichen Gebrauch, für Fahrten durch die Stadt und für lange Strecken", sagt Melville. Damit wird der GT zum ersten ernsthaften Konkurrenten für Porsches 911 Turbo S, der seine Besitzer nicht mit übertriebener Härte und Unpraktikabilität stört.

McLaren will 2016 insgesamt 3.000 Autos verkaufen

Natürlich ist der 570GT kein vollständig neu konstruiertes Auto, die typische McLaren-DNA sieht man auf den ersten Blick. Er ergänzt die sogenannte Sports Series - bislang besetzt mit dem 570S und dem 540C - um ein weiteres Modell, nutzt also wie alle anderen Modelle das Carbon-Monocoque. Die Gleichteil-Strategie ist auch für die Briten bei McLaren nichts Neues mehr. Nur so konnte der vergleichsweise kleine Hersteller aus Woking 2015 insgesamt 1.654 Fahrzeuge verkaufen.

Für 2016 sind sogar 3.000 Einheiten geplant, also fast doppelt so viele. 1.000 Stück soll die Super Series mit 675LT und 650S ausmachen. Die Sports Series soll rund 2.000 Verkäufe erzielen.

McLaren 570GT, Neuvorstellung, Sitzprobe, Sports Series, Autosalon Genf, 02/2016Foto: McLaren Automotive
Stolz: Chef-Designer Rob Melville und eines der vielen Erkennungsmerkmale des 570GT, der Kofferraumdeckel.
McLaren 570GT, Neuvorstellung, Sitzprobe, Sports Series, Autosalon Genf, 02/2016
Der Schönling von der Insel 22 Sek.

Dafür muss sich McLaren differenzierter als bisher aufstellen. "Unsere Kunden hatten sich einen Sportwagen gewünscht, der komfortabler ist und praktischer als es der 650S oder der 570S sind", erklärt Melville.

Und zum Glück haben die auf sportliche Reinheit Wert legenden Briten die Idee eines SUV ganz schnell wieder verworfen. "McLaren ist ein Name, der mit Sportwagen assoziiert werden soll, ausschließlich", heißt es. Gut so.

Da macht es auch nichts, dass die Front des 570GT mit der des 570S identisch ist; genau wie auch der 3,8-Liter-Biturbo, genannt M838TE, der in jedem McLaren-Sportwagen zum Einsatz kommt, genau wie auch das verbaute 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Die Grundkonstruktion des Fahrwerks gleicht der des 570S. Das kommt mit konventionellen Stabilisatoren aus, und arbeitet nicht - wie beim P1 oder 675LT - mit einem komplexen elektro-hydraulischen System.

McLaren 570GT mit richtig großem Kofferraum

Die auffälligste Änderung findet das Auge im hinteren Fahrzeugbereich - dieser McLaren 570GT hat einen Kofferraum, und zwar hinter der Fahrerkabine, nicht nur das Staufach in der Fahrzeug-Schnauze. Ein von außen aufklappbares Glas-Compartement direkt hinter Fahrer und Beifahrer bietet Platz für zwei mittelgroße Taschen. McLaren nennt dieses System "Kerbside Loading" - Beladen von der Bordsteinkante. Um das Fach zu erreichen, muss man sich ein bisschen über die Alu-Karosse strecken. Auch dort hat sich im Vergleich zum 570S einiges geändert.

McLaren 570GT, Neuvorstellung, Sitzprobe, Sports Series, Autosalon Genf, 02/2016Foto: McLaren Automotive
Elegant: Die Abrisskante sollte auf keinen Fall aufgesetzt wirken.

Rob Melville hat dem 570GT mehr Blech verpasst. Klingt erstmal wuchtig und schwer, sieht aber alles andere als das aus, nämlich elegant. Dabei beeindruckt auch die handwerkliche Formgebung des verbauten Aluminiums.

Am Heck sitzt eine Abrisskante, die den LED-Leuchten zu entwachsen scheint.

Softere Abstimmung im 570GT

Kühlöffnungen wie beim S-Modell sind beim GT Mangelware. Lediglich drei vergitterte Kühlschächte finden wir über dem Motor, wenig, verglichen mit dem 570S. Dafür saugt der McLaren mehr Frischluft durch die seitlichen Lufteinlässe vor den Hinterreifen ein. Ein weiterer Unterschied zum sportlicher ausgelegten S betrifft das adaptive Fahrwerk. Das ist beim GT etwas softer abgestimmt. Um 15 Prozent wurde die Federrate an der Hinterachse reduziert, 10 Prozent an der Vorderachse.

Ebenso wurde die Lenkübersetzung des elektrohydraulischen Systems um zwei Prozent reduziert. Auf diese Weise möchte man den McLaren 570GT etwas weniger aggressiv auf Lenkbefehle reagieren lassen - wie gesagt: mehr Komfort, mehr Cruiser als Racer. Dazu passt, dass McLaren im GT nicht die Carbon-Keramik-Bremsanlage verwendet, die im 570S standardmäßig verbaut ist, sondern eine Sportbremse mit Stahlscheiben. Ein Downgrade? Je, nachdem. Jeder, der schon mal eine Keramikbremse in kaltem und nassen Zustand bewegt hat, wird um deren Nachteile wissen, auch wenn sie auf der Rennstrecke wegen ihrer Dauer-Haltbarkeit klar im Vorteil ist.

McLaren 570GT, Neuvorstellung, Sitzprobe, Sports Series, Autosalon Genf, 02/2016Foto: McLaren Automotive
Postmodern: Der Innenraum im 570GT gleicht dem des S, neu ist das Glasdach mit 18-prozentiger Tönung.

Mit dem Dach des P1

Der McLaren 570GT hat auch kein konventionelles Dach aus Metall oder Carbon. Über der Fahrgastzelle thront das Glasdach des Hybrid-Hypersportwagens P1. Nimmt man im GT Platz, so fühlt sich das anders an als im 570S, obwohl's eigentlich fast dasselbe ist - bis auf das Dach eben. Das lässt Licht in die Kabine und sorgt so für ein besseres Raumgefühl. Die 18-prozentige Verdunklung blendet zu helles Sonnenlicht aus und absorbiert die Hitze.

Das Interieur des McLaren 570GT ist bereits ab Werk besser ausgestattet als beim S-Modell. Der GT trägt stets das erweiterte Lederpaket, eine Einparkhilfe, Softclose-Türen und Sportsitze mit elektrischer Verstellung und Memory-Funktion. Auch wichtig, vor allem bei langen Reisen: eine gute Audioanlage. Der 570GT trägt serienmäßig ein Hifi-System mit acht Lautsprechern anstatt der beim S üblichen vier. All das wiegt natürlich ein paar Kilos. Und so geriet der GT etwas schwerer, 1.350 Kilogramm soll er trocken wiegen, etwa 30 Kilo mehr als der 570S.

Aber der GT ist beileibe keine Komfort-Krücke geworden: In 3,4 Sekunden geht's auf 100 km/h, in 9,8 auf 200. Maximal fährt er 328 km/h schnell. Aber trockene Daten interessieren in solch teurem Segment nur wenig, auf das Gesamtpaket kommt es an. Und da könnte der ein oder andere potenzielle Porsche 911 Turbo S-Käufer durchaus vom McLaren 570GT überzeugt werden.

Dazu kommt dann noch ein Preisvorteil von knapp 7.000 Euro: Der 570GT kostet rund 195.000 Euro. Ausgeliefert werden soll der neue McLaren 570GT ab Frühsommer 2016.

KategorieWert
Leistung570 PS bei 7.500/min
Drehmoment600 Nm bei 5.000/min
Getriebe7-Gang-SSG
0 - 100 km/h3,4 Sek.
0 - 200 km/h9,8 Sek.
V-Max328 km/h
Trockengewicht1.350 kg
Verbrauch (NEFZ)10,7 Liter/100 km
Preis195.350 Euro
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