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Neuer Rennsitz von Recaro

Perfekt sitzen dank Schienen

Recaro, P 1300 GT Foto: Hersteller 7 Bilder

Der Recaro P 1300 GT erfüllt nicht nur strenge Sicherheitsauflagen, sondern lässt sich als erster Rennsitz überhaupt in der Länge verstellen.

22.05.2013 Dirk Gulde Powered by

Es gibt immer wieder Erfindungen, bei denen man sich fragt, warum vorher noch niemand drauf gekommen ist. Ein verstellbarer Renn-Schalensitz ist eine von diesen. Vor allem bei Langstreckenrennen, wenn sich mehrere Fahrer ein Auto teilen, stört die starre Position der Schale erheblich. Durch deren fixe Verschraubung mit der Karosserie würde es in einem Rennen viel zu lange dauern, den Sitz anzupassen, weswegen sich die Piloten im Vorfeld auf einen Kompromiss einigen müssen.

Probleme beim Fahrerwechsel

Versuche, das Problem beim Fahrerwechsel über mitgebrachte Schaumstoffpolster zu lindern, wirken im High-Tech-Umfeld vieler Rennserien nicht nur reichlich hemdsärmelig, sie sind auch gefährlich. Denn wer nicht in, sondern nur auf der Schale sitzt, verschenkt einen Großteil der Sicherheitsreserven. Bei schweren Unfällen fungiert der Sitz schließlich als letzte Instanz, dessen Seitenwangen Kopf, Schulter und Becken des Fahrers fixieren.

Für die neue Rennschale P 1300 GT bietet Recaro neben einem starren Adapter zur festen Verschraubung daher eine variable Schiene an, mit der sich der Sitz binnen Sekunden um 130 Millimeter in der Länge und drei Grad in der Neigung einstellen lässt. Zudem erfüllt er als erster Rennsitz überhaupt die neue Fia-Norm 8862-2009, nach der Sitze fast vier mal so hohe Kräfte wie bisher aushalten müssen.

Verstellbar und dennoch stabiler

Der P 1300 GT geriet dabei so stabil, dass man an den Enden seiner obersten Seitenwangen zwei Audi A6 hängen könnte, ohne dass er zerbricht. Damit soll ein Überleben des Fahrers selbst bei Kollisionen aus hohem Tempo auf harte Barrieren gesichert werden.

Dass auch die justierbare Schiene den hohen Kräften standhält, verwundert nicht, wenn man ihre Herkunft kennt. In verwandter Form wird sie nämlich für verschiebbare Rückbänke in braven Vans oder SUV wie dem BMW-X5 eingesetzt, wo sie bei Unfällen das Gewicht von bis zu drei Mitfahrern verkraften muss. Die Recaro-Ingenieure im Entwicklungszentrum Kaiserslautern (siehe Fotoshow) mussten sie daher lediglich an den Renneinsatz anpassen.

Schiene passt in alle Fahrzeuge

Weil die Schiene seitlich am Rennsitz angebracht wird, lässt sich die Schale ebenso tief montieren wie bei einem starren Adapter. Schließlich würde es im Rennsport niemand akzeptieren, wenn sich der Schwerpunkt des Fahrzeuges auf Grund einer hohen Unterbringung des Fahrers nach oben verschiebt. Durch ihre schmale Bauart lässt sich die Schiene zudem in alle Fahrzeuge montieren, in die der Rennsitz passt.
 
Mit Preisen von 5.645 Euro für den Sitz und 575 Euro für die Schiene haben Sicherheit und Komfort jedoch ihren Preis. Immerhin ist er durch die neue FIA-Norm auf zehn statt wie bisher auf fünf Jahre homologiert.

Die Entwicklung eines Sitzes

Im Recaro-Entwicklungszentrum in Kaiserslautern arbeiten 280 von weltweit insgesamt 350 Ingenieuren an der Optimierung von Renn- und Seriensitzen. Seit 2010 gehört Recaro zum amerikanischen Zulieferer Johnson Control, der rund 30 Prozent aller weltweit benötigten Autositze (80 Millionen Stück) herstellt. Mit 150.000 Exemplaren wirkt der Recaro-Anteil dagegen vernachlässigbar gering, allerdings gehören die Sportsitze zur Luxusklasse und sind entsprechend aufwendiger gefertigt. Während Basis-Sitze für Kleinwagen im Einkauf gerade einmal 150 Euro kosten, liegen die Edel-Sessel von Recaro bei 800 bis 1.000 Euro pro Stück.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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