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Neues Frühwarnsystem

Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen

Foto: Hans-Dieter Seufert 5 Bilder

Das Mobilfunknetz hat die Feuerprobe als Transportweg für Warnmeldungen bestanden, wie das Forschungsprojekt Cooperative Cars (Co-Car) nach zweieinhalbjähriger Grundlagenarbeit unter Beweis stellt. Große Zukunft für den Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen.

19.07.2009 Brigitte Haschek

Heikle Situationen sind Alltag auf deutschen Autobahnen - etwa wenn ein Unfall oder das Stauende in einer Kurve den anrollenden Verkehr zur Vollbremsung zwingt. Oder Rettungsfahrzeuge, die sich bei stockendem Verkehr den Weg zum Einsatzort bahnen müssen. Glatteis oder Nebelwände - all dies verlangt präzise und angemessene Reaktionen der Fahrer. Manchmal geht es gut, allzu oft aber nicht. Man stelle sich vor, es droht Gefahr und jeder bekommt es sofort mit.

Informationsaustausch durch Mobilfunktechnik

Wie das gehen kann, hat das Forschungsprojekt Cooperative Cars (Co-Car) nach zweieinhalbjähriger Grundlagenarbeit unter Beweis gestellt: Bereits die aktuelle Mobilfunktechnik kann für den blitzschnellen Informationsaustausch zwischen allen Fahrzeugen auf einem bestimmten Streckenabschnitt genutzt werden. Das aktuelle Universal Mobile Telecommunication System, kurz UMTS genannt, ist in der Lage, vom Fahrzeug erfasste Zustands- und Positionsdaten schnell und zuverlässig in eine Management-Zentrale zu senden. Es dauert weniger als eine halbe Sekunde, um daraus generierte Gefahrenmeldungen an Fahrzeuge im Risikogebiet oder an Verkehrsleitsysteme im Umkreis abzusetzen.

"Vorhandene Infrastruktur und weltweite Standards zu nutzen beziehungsweise darauf aufzubauen hatte in Hinblick auf die wirtschaftliche Machbarkeit bei dem Vorhaben höchste Priorität", sagt Co-Car-Projektbetreuer Christian Birle aus der Forschung und Entwicklung von Vodafone. Der Netzbetreiber war mit Telekommunikations-Zulieferer Ericsson sowie den Fahrzeugherstellern Daimler, MAN und VW Partner in dem vier Millionen Euro schweren Projekt Co-Car, das mit rund zwei Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium gefördert wurde. Mit dabei waren zudem die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen sowie die Universitäten Bremen und Erlangen- Nürnberg.

Als Übertragungstechnologie dienen FTAP, UMTS und WLAN

Der Sicherheitsgewinn ist enorm, wenn Fahrzeuge als Sender und Empfänger kritischer Verkehrssituationen fungieren können. "Das wichtigste Kriterium sind dabei extrem kurze Übermittlungszeiten", sagt Christian Birle. Sollen nachfolgende Fahrzeuge etwa auf die Vollbremsung eines Vordermanns hingewiesen werden, darf dies nicht länger als einen Wimpernschlag dauern. Dafür wurde unter anderem die neueste Übertragungstechnologie FTAP (Fast Traffic Alert Protocol) weiter optimiert: Sie ist die Daten-Blaulichtfahrt, die absoluten Vorrang in Richtung Management-Zentrale hat und von dort sofort als Warnung in den Gefahrenbereich katapultiert wird.

Weitere Modifizierungen an FTAP und anderen Übertragungstechnologien, die im Einsatz sind, machten diese medienunabhängig. Das heißt, sie laufen ebenso gut über UMTS wie über WLAN (Wireless Local Area Network). WLAN ist eine erprobte Technik, die relativ einfach und kostengünstig ins Auto zu bringen ist, und wurde vor Co-Car als Königsweg für den Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen angesehen. Sie setzt auf den Domino-Effekt, weil ihre Reichweite höchstens 300 bis 500 Meter beträgt. Diese Nahbereichskommunikation, da sind sich die Co-Car-Macher einig, ist die ideale Ergänzung zum Datenfischen mit Hilfe des Mobilfunknetzes und sollte mit diesem kombiniert werden.

Der technische Aufwand im Fahrzeug ist überschaubar

Der technische Aufwand im Fahrzeug ist überschaubar, so Co-Car-Projektbetreuer Gerhard Nöcker von der Daimler-Forschung. Zunächst ist ein UMTS-Modul erforderlich. "Darüber hinaus muss eine zusätzliche Recheneinheit installiert werden, die die bereits im Fahrzeug vorhandenen Informationen verknüpft und aufbereitet, bevor sie abgeschickt werden." Positionsdaten liefern Navigationsgerät oder Mobiltelefon, im Datennetzwerk CANBus sind alle Zustandsdaten vorhanden. Es sei durchaus möglich, diese Funktion in ein anderes Steuergerät zu integrieren. "Das ist natürlich kostengünstiger als ein zusätzliches Steuergerät", so Nöcker.

Bei Eingang der Meldung in andere Fahrzeuge führt der Rechner eine Relevanzprüfung durch - etwa ob eigene Position, Abstand und Fahrtrichtung so zu den empfangenen Daten passen, dass eine Warnung erfolgen muss. "Sie darf nicht zu früh, muss aber so rechtzeitig erfolgen, dass noch eine angemessene Reaktion möglich ist!", sagt der Daimler-Forscher. Auch diese Überprüfung übernimmt der bordeigene Co-Car-Rechner. In spätestens eineinhalb Jahren soll im Rhein-Main-Gebiet ein Feldversuch mit bis zu 400 Fahrzeugen starten, der den Informationsaustausch im praktischen Betrieb weiterentwickelt und erprobt.

Co-Car-Dienst startet möglicherweise 2014

"Im Idealfall verbauen die Hersteller die Co-Car-Funktion von 2012 an serienmäßig in ihren Fahrzeugen", sagt Vodafone-Mann Christian Birle. Dann könne der Dienst definitiv 2014 starten. "Wir brauchen etwa zehn Prozent Marktdurchdringung für die volle Funktionsfähigkeit." Dann ist der Dienst auch über Nachrüstlösungen wie portable Navigationsgeräte oder Mobiltelefone zu empfangen. Bis dahin muss aber auch eine etwa zehn Millionen Euro teure Co-Car-Zentrale auf die Beine gestellt sein. Als Investor ist ein Konsortium von Telematik-Dienstleistungsanbietern denkbar.

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