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Neuwagen-Rabatte im Ausland

Ruinöse Preisschlacht in Europa?

Ländervergleich, Flaggen Foto: Archiv 21 Bilder

Die Eurokrise wirft ihre Schatten auf den Automarkt. In vielen Ländern bröckelt der Absatz, was zu einer Preisschlacht führt. Die Hersteller drehen immer weiter an der Rabattschraube.

12.09.2012 Henning Busse

Geht es um markige Sprüche, dann gilt Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne als nicht zimperlich. Bislang aber sorgten seine Aussagen für wenig Krach in der Branche. Doch die Äußerung des italienisch-kanadischen Automanagers Ende Juli, Rivale Volkswagen richte mit seinen Rabatten ein "Blutbad" auf dem europäischen Automarkt an, löste einen handfesten Streit aus. Sichtlich pikiert wies VW die Vorwürfe zurück.

Die Auseinandersetzung zwischen VW und Fiat kommt mitten in der Absatzkrise. Ein Zufall? Keineswegs. Der Konflikt zeigt, wie angespannt die Lage derzeit ist. Denn um Marktanteile auf dem von der Eurokrise geschüttelten Kontinent zu sichern, kämpfen die Marken schon seit längerem mit immer härteren Bandagen. Doch die steigenden Neuwagen-Nachlässe werden für die Manager zum Problem. Erst kürzlich sprach Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes offen aus, was seine Kollegen von anderen Marken nur in kleinen Runden bereden: Er warnte vor einer ruinösen Preisschlacht in Europa.

In Italien 20 Prozent weniger Neuwagen abgesetzt

Ob sie noch zu stoppen ist, erscheint angesichts der anhaltenden Euro-Krise fraglich. Schon der Blick auf die fünf größten EU-Märkte lässt diesen Schluss zu: So verzeichnen drei von fünf Staaten bei den Zulassungen ein Minus. Während Großbritannien und Deutschland das erste Halbjahr 2012 noch im Plus abschlossen, konnten die Hersteller gegenüber dem Vorjahr in Spanien rund neun, in Frankreich mehr als 14 und in Italien sogar 20 Prozent weniger Neuwagen absetzen.

Vor allem Volumenhersteller versuchen mit immer neuen Rabattprogrammen den Rückgang zu stoppen. Günstige und flexible Kredite wie die Null-Prozent- oder Drei-Wege-Finanzierung, verlängerte Garantien, kostenlose Wartungspolicen oder auch Sondermodelle mit bis zu 5.000 Euro Preisvorteil gibt es in allen Ländern. Darüber hinaus lockt die Branche mit weiteren Aktionen: So gewährt zum Beispiel Fiat in Italien bei LPG- und CNG-Modellen einen Ecobonus von bis zu 5.000 Euro, Nissan immerhin bis zu 4.000 Euro.

VW und Nissan schenken Kunden die Mehrwertsteuer

Weil in Spanien die Mehrwertsteuer von 18 auf 21 Prozent stieg, wird sie den VW- und Nissan-Kunden geschenkt. Ford gleicht die Differenz aus und packt beim Fiesta und Focus noch 25 Prozent Rabatt drauf. In Frankreich will der Staat Elektro- und sparsame Autos fördern. Daher gibt es bei Renault 7.000 Euro Elektro-Bonus und bis zu 550 Euro bei CO2-günstigen Modellen. Auch mit Tageszulassungen arbeitet die Branche in Europa, was wenig wundert. Schließlich lassen sich so die schätzungsweise mehr als zwei Millionen zu viel produzierten Autos mit hohen Rabatten in den Markt drücken. Allein bei uns soll zurzeit jeder dritte Neuwagen auf diese Weise an den Mann gehen.

Und was ist mit den Premiumherstellern? Sie blieben bislang zwar weitgehend von der Absatzkrise und der damit verbundenen Preisschlacht verschont, schauen aber mit Sorgen in die Zukunft. "Die Risiken nehmen eher zu als ab", zeichnet BMW-Chef Norbert Reithofer ein düsteres Bild.

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