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Der Trabi wird 50

Nicht von Pappe - Der Trabant wird 50 Jahre

Foto: dpa 32 Bilder

Am 7. November 1957 lief der erste Trabant in Zwickau vom Band. Der mittlerweile legendäre Kleinwagen aus der ehemaligen DDR wird heute allerdings ganz unterschiedlich eingeschätzt.

05.06.2007 Powered by

Bei Westdeutschen dürfte es nicht selten einer der unzähligen «Trabi»-Witze sein, der plötzlich wieder auf der Zunge liegt. Ostdeutsche werden womöglich an das Ende der einst jahrelangen Wartezeit auf das kleine Auto denken, an Urlaubsfahrten an die Ostsee oder die aufwendige Ersatzteilbeschaffung.

Ganz nebenbei ist der Trabant mittlerweile ein echter Oldtimer geworden, der in diesem Jahr seinen 50. zu feiern hat.

Im Westen der Käfer - im Osten der Trabant

Das waren die echten Volkswagen der Nachkriegszeit. Doch während das rundliche Westprodukt sich in aller Welt einen Namen machte, kann der Trabant auch als Sinnbild für den anfänglichen Willen und das schlussendliche Scheitern der Deutschen Demokratischen Republik angesehen werden.

Angefangen hatte die Geschichte des kleinen Autos in den fünfziger Jahren, als die DDR noch den Willen hatte, dem Westen zu zeigen, wozu ein solches System auch wirtschaftlich fähig ist.

Da passte es so gar nicht, dass die Automobilindustrie im Westen bereits wieder in Schwung kam, während die Bevölkerung Ost in dieser Hinsicht darben musste. Also wurde 1954 auf politischer Ebene ein Entschluss gefasst: Ein neuer Kleinwagen sollte konstruiert werden, einer der bezahlbar war und gleichzeitig so robust, dass er eine Weile halten würde.

Das Projekt hatte jedoch einen Haken: Bleche für die Herstellung einer Karosserie nach üblichen Standards waren in Deutschlands Osten ein seltenes Gut und entsprechend teuer.

Baumwolle und Phenolharz statt Blech

Trotz allem wurde schnell ein erster Prototyp auf die Räder gestellt, der zeigte, wie sich dieses Problem umgehen ließ: mit Duroplast, einer Kombination aus Baumwollfasern und Kunststoff. Auf eine Faserlage kamen Phenolharzteilchen, darauf wieder eine Lage Fasern und so weiter. Insgesamt sollen es fünf Lagen Baumwollfasern gewesen sein.

Am Ende wurde das ganz mit Hitze in Form gepresst - und fertig war das Karosserieteil, das dann am Ende auf dem Metallgerippe des Wagens befestigt wurde. Das Prinzip brachte dem Wagen später auch Bezeichnungen wie "Rennpappe" oder "Duroplastbomber" ein.

Die Technik war seinerzeit so neu, dass die Autobauer damit zunächst ein wenig herumexperimentieren mussten. Doch im Jahr 1957 war das Autmobilwerk Zwickau (AWZ) so weit, dass eine erste Testserie des künftigen Kleinwagens produziert werden konnte. Insgesamt wurden 50 Exemplare des so genannten P50 hergestellt. Weil die Zeichen damals aber noch auf Aufbruch standen, war eine derart schlichte Bezeichnung wie P50 für ein so modernes Produkt sozialistischer Ingenieurskunst kaum haltbar.

Dank Sputnik zum Namen Trabant

Da passte es gut, dass just im Oktober 1957 die Sowjetunion den ersten Sputnik-Satelliten in die Umlaufbahn gebracht hatte. Was wiederum zu der Bezeichnung "Trabant" führte, die ebenso wie der Begriff "Sputnik" "Begleiter" bedeutete - wobei sich dies ursprünglich allerdings auf Himmelskörper bezog.

Während der Trabant in späteren Jahren bekanntlich noch oft belächelt werden sollte, erntete er zunächst einmal Anerkennung. Schließlich waren selbst in Westdeutschland in den fünfziger Jahren wesentlich skurrilere Konstruktionen unterwegs - man denke nur an die Isettas und Kabinenroller. Der Trabant dagegen war ein echtes Auto.

Die Karosserie wirkte zeitgemäß, Platz gab es, und selbst der Zweitakt-Motor mit seiner speziellen Duftnote im Abgaswölkchen war damals noch gar nicht so ungewöhnlich. Auch die ursprünglichen 18 PS waren von den Käfern und Enten des Westens nicht weit entfernt.

Mehr als 30 Jahre nahezu unverändert

Mit dem Beginn der Serienfertigung wurde das Urmodell fortwährend verbessert - und im Jahr 1964 gab es sogar wirklich Neues: Das Modell 601 erschien und zeichnete sich vor allem durch eine neue Karosserie aus. Das kleine Auto wirkte fortan nicht mehr ganz so rund, am Heck hatten die Designer sogar so viel Mut bewiesen, dass es kleine Andeutungen der damals vor allem in den USA beliebten Heckflossen gab.

Wer sich heute vorzustellen versucht, wie wohl ein Trabant 601 des Jahres 1964 ausgesehen hat, der braucht allerdings nicht lange nachzudenken: Es reicht, sich einfach irgendeinen Trabant vorzustellen - denn nach 1964 hat sich im Grunde nichts geändert.

Die "Asphaltblase" wurde in den kommenden Jahrzehnten nur noch in Details überarbeitet - genügend Zeit also, um zumindest in den Augen des Westens zum Witzmobil zu degenerieren. Mangelnder Innovationsreichtum der Entwickler war allerdings nicht der Grund für den automobilen Stillstand Ost.

Neuentwicklungen scheitern an der Finanzierung

Vielmehr zeigte sich langsam, dass das sozialistische Regime wohl doch nicht so erfolgreich war, wie es anfangs gehofft hatte. Tatsächlich gab es immer wieder Projekte zur Weiterentwicklung der Trabant-Idee. Überliefert sind unter anderem - gescheiterte - Versuche, dem Trabant einen Wankelmotor einzubauen.

Bei dem Projekt Trabant 603 wiederum handelte es sich um die Entwicklung eines Nachfolgers mit moderner Karosserie - die an den ersten Golf von Volkswagen erinnert haben soll. Der Wagen sollte eigentlich Ende der sechziger Jahre erscheinen - die Politiker stoppten jedoch die Entwicklung.

Das gleiche Schicksal ereilte in den siebziger Jahren das nächste Vorhaben. Vom P610 sollen mehrere Prototypen gebaut worden sein: Er war ein damals recht modern wirkendes Auto. Als Antrieb war ein aktueller Viertakter statt des mittlerweile überholten Zweitakt-Zweizylinders vorgesehen. Doch nachdem bereits zweistellige Millionenbeträge in die Entwicklung geflossen waren, wurde auch diese Projekt vom Politbüro gestoppt. Geldnöte, heißt es, waren der Grund - die Einrichtung der eigentlichen Produktion wäre nicht mehr finanzierbar gewesen.

Viertakter von VW

Also blieb den DDR-Bürgern nichts anders übrig, als weiterhin auf den Ur-Trabi zu bauen, dessen Lieferfrist zeitweise mehr als zehn Jahre betragen hat. Erst als ein Ende der DDR in Sicht kam, gab es doch noch einmal Neues in Sachen Trabant: Nach der Mitte der Achtziger konnte mit einer Volkswagen-Lizenz ein Vierzylinder-Viertaktmotor mit 1,1 Liter Hubraum und immerhin 40 PS gebaut werden. Der kam zum einen im größeren Wartburg und eben auch im Trabant zum Einsatz. Äußerlich unterschied sich das 1,1 genannte neue Trabant-Modell allerdings kaum vom Original - auffälligstes Merkmal war ein veränderter Kühlergrill. Doch als es so weit war, dass der Wagen gekauft werden konnte, war die Geschichte des Trabant als Neuwagen auch schon fast beendet.

Mit Wende und Wiedervereinigung wurde das Fortbewegungsmittel des sozialistischen Ostens zum gesamtdeutschen "Trabi": Während die einst stolzen Trabant-Besitzer auf neue und gebrauchte West-Fahrzeuge umstiegen, bildete sich gerade im Westen eine gar nicht so kleine Gemeinde, die den Trabant bis heute als Kultobjekt und sogar erhaltenswerten Oldtimer pflegt. Da kann man schon mal über das immer noch nicht gänzlich verklungene Gespött hinwegsehen.

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