Noch geheim - Kleinstwagen-Zukunft: Die Kleinstwagenpläne der Hersteller

Smart FourFour

Daimler und Renault kooperieren ab sofort bei Kleinstwagen. Auch andere Autohersteller suchen ihr Heil im Schulterschluss. Wir zeigen Ihnen welche neuen Minis so in Zukunft entstehen und enthüllen die Pläne der Hersteller.

Steigende Kosten, wachsende Ballungszentren, Umweltprobleme keine guten Zeiten für Autofahrer. Die Lösung sind kleine, bezahlbare und umweltfreundliche Fahrzeuge. Für Hersteller gibt es da aber ein Problem: Geld verdienen mit preiswerten Kleinwagen ist sehr schwierig. Und der Illusion, dass die Rabatte in den kommenden Jahren zurückgehen, die Kunden wieder mehr Geld für Autos ausgeben können, gibt sich niemand hin. Deshalb schließen sich immer mehr Produzenten zusammen, um Entwicklungs- und Herstellungskosten zu teilen.

Renault will mit Daimler Kleinwagen bauen

Jüngste Kooperation: Daimler und Renault. Die Stuttgarter brauchen einen Partner, um bei Smart die Kosten zu reduzieren. Renault wiederum hat mit dem Twingo aktuell nur einen mäßig erfolgreichen Mini im Programm. Eigentlich will man zurück zum pfiffigen One-Box-Design des Vorgängers, doch das geht aufgrund der Vorgaben für Fußgängerschutz und Crashsicherheit nach Ansicht der Franzosen nur noch mit einem Heckmotor, wie ihn der aktuelle und zukünftige Smart verwendet. 

Und so sieht der Modellfahrplan der beiden Marken aus: Smart legt auf einer gemeinsamen Heckmotor-Plattform zunächst einen Nachfolger des erfolglosen Viersitzers Forfour auf, der ab 2013 in den Handel rollen soll. Die Abmessungen im von Daimler erstellten Lastenheft: 3,45 Meter lang und 1,55 Meter hoch. Damit wird er deutlich kompakter als der alte Forfour, der 3,75 Meter lang war. Besonderheit des neuen Modells: Anders als beim Renault-Pendant sind für den Forfour als eigenständiges Merkmal Schiebetüren im Gespräch. Beide Modelle werden im slowenischen Renault-Werk Novo Mesto produziert werden. Insgesamt ist eine Stückzahl von rund 140.000 Einheiten pro Jahr geplant. 

Wie Renault seine Autos nennen wird, steht noch nicht fest

Ein Jahr später folgt dann der neue Smart Fortwo, dessen Plattform auch Renault für einen Zweisitzer nutzen will. Für diese Fahrzeuge ist das französische Smart-Werk Hambach als Produktionsstandort angedacht. Wie Renault seine Autos nennen wird, steht noch nicht fest. Klar ist dagegen: Beide Marken werden auf der Architektur mit dem Marktstart 2013 auch eine Elektro-Version bringen. Die Mehrzahl wird aber wohl mit dem neu entwickelten Renault-Nissan-Dreizylinder verkauft, den es in unterschiedlichen Hubraum- und Leistungsstufen geben soll voraussichtlich zwischen 80 und 120 PS. Die stärkeren Varianten des kleinen Direkteinspritzers verfügen über eine Turboaufladung.

Der Motor kann hinten oder vorne eingebaut werden

Ein großer Vorteil: "Der Motor kann hinten oder vorne eingebaut werden", heißt es aus Frankreich. Während in Smart und Twingo der kleine 0,9-Liter zum Einsatz kommen wird, startet die neue Motorengeneration ab 2011 im Nissan Micra mit dem größeren 1,2-Liter. Später erhalten auch Renault Clio und die künftige A- und B-Klasse-Familie das Triebwerk. Anders als die Smart-Modelle steht die nächste Kompaktwagen-Generation von Mercedes allerdings auf einer eigenen, neu entwickelten Frontantriebs-Plattform. Einen Dieselmotor wird es für die Mini-Baureihe von Renault und Daimler in Zukunft wohl nicht mehr geben. 

Die Abgasnachbehandlung sei einfach zu teuer, heißt es aus Stuttgart. Was Daimler und Renault nun beginnen, gehört bei anderen Herstellern längst zum Alltag. Schon seit 2005 rollen die nahezu baugleichen Kleinwagen Toyota Aygo, Citroën C1 und Peugeot 107 gemeinsam vom Band. Wie Unternehmenskreisen bekannt wurde, soll das Projekt mit der nächsten Modellgeneration ab 2013 fortgesetzt werden. 

VW arbeitet mit internen Partnern

Der VW-Konzern braucht aufgrund seiner Größe keine externen Partner. Seine "New Small Family" startet 2011 mit dem VW Up, Ableger der Marken Skoda und Seat folgen ein Jahr darauf. Da der VW-Konzern nun auch beim Autobauer Suzuki eingestiegen ist, dürfte es für den Opel Agila, der zusammen mit dem Suzuki Splash bei den Japanern gebaut wird, keine gemeinsame Zukunft mehr geben. Der nächste Agila wird wie ein weiteres, noch kleineres Modell dann entweder auf einer verkürzten Plattform des Opel Corsa oder auf der des Chevrolet Spark basieren. Die Entscheidung darüber soll und muss noch im ersten Halbjahr 2010 fallen. Denn Opel will seinen neuen Mini bereits 2012 auf den Markt bringen, um der Smart- und der VW Up-Familie Paroli bieten zu können. 

Doch egal, für welche Plattform sich Opel entscheidet: Klar ist, der neue, noch namenlose Mini soll sich optisch deutlich vom GM-Bruder Chevrolet Spark unterscheiden und der mit dem Insignia eingeführten Designsprache folgen mit dem markanten Grill und den Scheinwerfern mit oben angesetztem LED-Tagfahrlicht sowie dem in die Flanke gestanzten Sichelmotiv. 

Ford baut den Ka bereits seit 2008 nicht mehr auf Basis des Fiesta

Im Gegensatz zum aktuellen Agila wird der Neue sportlicher und lifestyliger daherkommen, verrät Opel-Chef Nick Reilly. Während bei Opel die Plattform-Frage noch offen ist, baut Ford seinen Kleinsten, den Ka, bereits seit 2008 nicht mehr auf Basis des Fiesta. Da dieser ab dem Sommer selbst in den USA verkauft wird, erreicht Ford auch ohne Ka genügend Einheiten, um Teile günstig einzukaufen. Stattdessen basiert der aktuelle Ka auf dem Fiat 500. Diese Plattform soll in Zukunft auch vom Fiat-Partner Chrysler genutzt werden, der darauf Kleinwagen für den US-Markt entwickeln will. 

Allein die Umweltdebatte sorgt für Bewegung an der Mini-Front

Warum reagieren die Hersteller auf den Kleinstwagentrend mit Kooperationen? Dahinter steckt eine gewisse Vorsicht, denn das Prognose-Institut CSM Worldwide rechnet trotz vieler neuer Modelle in Westeuropa nur mit einem Plus des Mini-Segments von rund acht Prozent. Und in den Wachstumsmärkten wie Indien gibt es mit Billigautos auch nicht viel zu verdienen. Trotzdem: Allein die Umweltdebatte sorgt für Bewegung an der Mini-Front.

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Jens Katemann

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