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Norm- contra Realverbrauch

Unterschied liegt im Mittel bei 25%

BMW 320d Efficient Dynamics Edition, Tankstelle, Heckansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 41 Bilder

Laut einer Studie des ICCT verbrauchen Neuwagen in Europa im richtigen Leben durchschnittlich 25 % mehr Sprit als von den Herstellern im Normverbrauch angegeben.

29.05.2013 auto motor und sport

In Zeiten hoher Spritpreise sind die Abweichungen zwischen werksseitigen Verbrauchsangaben und den tatsächlichen Verbräuchen unter Autofahrern ein Thema mit großem Wut-Potential. Neuwagen sind in den allermeisten Fällen um ein vielfaches durstiger als von der Industrie beworben. Laut einer Studie des ICCT (International Council of Clean Transportation) beträgt die Diskrepanz im Durchschnitt satte 25 %. Tendenz steigend, denn noch vor zehn Jahren lagen die realen Verbräuche im Schnitt "nur" 10 % über den Werksangaben.

Mehr als 500.000 Fahrzeug-Daten wurden analysiert

Das Ergebnis der in Berlin vorgestellten Studie stützt sich auf die Analyse von mehr als 500.000 Fahrzeug-Daten, die einerseits auf Messungen von Automobilclubs, Leasingfirmen und Verbraucherorgansationen aus verschiedenen europäischen Ländern beruhen, andererseits von Autofahrern selbst stammen, die ihren Spritverbrauch auf den Webseiten spritmonitor.de und honestjohn.co.uk angegeben hatten.

Das Hauptproblem an der wachsenden Differenz zwischen Norm- und Realverbrauch sind nach Angaben der Studie die NEFZ-Tests (Neuer Europäischer Fahrzyklus), die die Europäische Union (EU) bei Neuwagen vorschreibt. Die realitätsfernen Verbräuche kommen zustande, weil die Politik lediglich Prüfläufe unter Laborbedingungen vorschreibt. So ermittelt die Branche auf Rollenprüfständen nach exakt festgelegten Bedingungen und Fahrzyklen den Spritkonsum der Modelle. Allerdings steigt das Tempo niemals über 120 km/h. Zudem bliebe den Autobauern bei der Testprozedur ein zu großer Spielraum für Tricksereien wie zum Beispiel die Verwendung von speziellen Leichtlaufreifen oder das Abkleben der Spalten an Scheinwerfern und Motorhaube.

Vertrauen in Spritspar-Technik sinkt

Auch spritsparende Technologien wie zum Beispiel das Start-Stopp-System werden in den Tests übertrieben gewichtet. Standzeiten, bei denen der Motor abgeschaltet wird, nehmen rund ein Viertel des Testlaufs in Anspruch. Genausowenig wird Rücksicht auf wesentliche Stromverbraucher wie beispielsweise Klimaanlage oder Radioanlage genommen. Sie müssen beim Testlauf ausgeschaltet werden.

Besorgniserregend ist vor allem, dass mit der wachsenden Diskrepanz der Verbrauchswerte auch das Vertrauen der Kunden und somit die Bereitschaft zum Kauf von spritsparenden Techniken abnimmt. Für zusätzliche Brisanz im Zusammenhang mit der "Verbrauchslüge" sorgen zudem die aktuellen Diskusionen in Brüssel um zukünftige Grenzwerte für den CO2-Ausstoß. Bis zum Jahr 2020 soll die Werte im Durchschnitt auf 95 Gramm je Kilometer für die Flotten der Hersteller sinken. Derzeit gilt ein Zielwert von 130 Gramm.

Spritverbrauch - neues Testverfahren ist in Planung

Dass diese Werte nur nach der NEFZ-Norm ermittelt werden, könnte sich allerdings schon 2017 ändern, denn das EU-Parlament plant bis dahin ein neues, weltweit geltendes Testverfahren (WLTP = Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedures) einzuführen.

In unserer Fotoshow haben wir die Normverbräuche zahlreicher Fahrzeuge mit den auto motor und sport-Testwerten verglichen.

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