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NSU Prinz Restaurierung

Der kleine Prinz

NSU Prinz, Frontansicht Foto: Fact 18 Bilder

Markus Kranzfelder aus der Nähe von Augsburg hat einen kleinen NSU Prinz II E aus seinem langen Dornröschenschlaf wachgeküsst - jenes Auto, das sein Großvater einst als günstigen Gebrauchtwagen gekauft hatte.

25.10.2013 Bernd Woytal Powered by

Genau genommen gehört der putzige NSU Prinz II, der am 25. Oktober 1960 erstmals zum Straßenverkehr zugelassen wurde, schon lange zur Familie. Irgendwie war er immer da, fand aber nie so richtig Beachtung. Markus Kranzfelder kann sich erinnern, wie er als Zwölfjähriger um den verstaubten Kleinwagen herumgeschlichen ist, der in einem Schuppen zusammen mit allerlei Gerümpel einem ungewissen Schicksal entgegen sah.

Vor langer Zeit stillgelegt

Erst später erfuhr er, dass sein Opa den NSU Prinz II Mitte der 70er Jahre spontan von einer Arbeitskollegin übernommen hatte, die sich nach ihrer Pensionierung davon trennen wollte. Sie selbst hatte das kleine Auto vom Erstbesitzer gekauft, der es nur sechs Monate fuhr. Die Dame besaß es zwar deutlich länger, sammelte aber letztlich nur wenige Kilometer, und im Winter blieb der Prinz in der Garage.

"Mein Opa kaufte den Wagen damals als fahrbaren Untersatz für eines seiner Kinder", weiß Kranzfelder. Doch denen war der NSU Prinz II zu betagt, schließlich gab es zu dieser Zeit schon deutlich schnellere und modernere Autos, weshalb der kleine Prinz am 14. April 1976 abgemeldet und eingemottet wurde.

"Ein Spritzer Caramba genügt"

Vermutlich würde der NSU Prinz II noch heute in dem Schuppen vor sich hindösen, wenn er nicht das Herz des zwölfjährigen Markus gewonnen hätte, der dann kurz vor seinem 18. Geburtstag beschloss, den Prinz wieder als Alltagsfahrzeug flott zu machen. Das war im Jahr 1992.

"Ich fand das damals schon ein cooles Auto", gesteht der Augsburger, und da nach der Meinung seines Opas ein paar Spritzer Caramba genügen würden, um den Motor des NSU Prinz II wieder zum Leben zu erwecken, war er Feuer und Flamme und sah sich schon auf Tour mit dem Prinz.

Aber zwischen Traum und Wirklichkeit lagen Welten. Zusammen mit dem Großvater schaffte er das Autochen auf einem Hänger zur Garage auf dem elterlichen Grundstück. Doch der NSU Prinz II ließ sich mit einigen Spritzern Rostlöser in seinen Brennräumen nicht beeindrucken. Nach dem Anschließen einer geliehenen Autobatterie gab er nur einen Muckser von sich, dann war Funkstille.

14 Jahre Pause, dann ging's richtig los

Dieser Misserfolg und die Erkenntnis, dass wohl doch noch etliche finanzielle Investitionen anstanden, um den NSU Prinz II wieder fahrbereit zu machen, führten zum Abbruch des Projekts Prinz. Doch 14 Jahre später nahm Kranzfelder seinen damaligen Plan wieder auf. Diesmal wollte er die Sache durchziehen. Und um nichts dem Zufall zu überlassen, machte er sich zuvor in der NSU-Szene schlau und trat außerdem dem NSU-Prinz Club Schwaben bei.

Dass er ein Schrauber-Laie war, hielt ihn von seinem NSU Prinz II-Vorhaben nicht ab - schließlich konnte er auch auf die tatkräftige Unterstützung seines in diesen Dingen erfahrenen Vaters bauen. "Schritt für Schritt habe ich alles auseinandergebaut und dabei jede Schraube nummeriert und auf Karteikärtchen festgehalten, in welcher Reihenfolge ich alles demontiert habe", beschreibt er seine Vorgehensweise.

In der ersten Phase der NSU Prinz II-Restaurierung gab es zwei besonders erfreuliche Überraschungen. So kam nach dem Entfernen der über die Sitze gespannten Schonbezüge der fast noch neuwertige originale Stoffbezug zum Vorschein. Aus diesem Grund musste später der beauftragte Sattler lediglich die Sitze etwas aufpolstern.

Fast rostfreie Karosserie

Die zweite Überraschung betraf die Karosserie. Weil der NSU Prinz II im Winter stets abgemeldet war, wies das Blech nur an wenigen Stellen Korrosionsspuren auf, wie auch der Blick in die Hohlräume mit einem Endoskop bestätigte. Zum Glück, denn neue Blechteile sind nur sehr schwer zu beschaffen. Deutliche Durchrostungen zeigten lediglich die Vorderkotflügel unterhalb der Scheinwerfer.

Diesen Schaden sollte ein professioneller Karosseriespengler richten. Als Kranzfelder ihm die Kotflügel des NSU Prinz IIbrachte, gab der Spengler zu bedenken, dass er nach dem Einschweißen neuer Blechstreifen die Teile an die Karosserie anpassen müsse. "So kamen wir ins Gespräch, und der Mann stellte sich als wirklicher Fachmann heraus. Weil er zudem eine gute Lackiererei kannte, entschloss ich mich, ihm die komplette, ausgebeinte Karosserie zur Aufarbeitung und zum Lackieren zu bringen", berichtet der Hobby-Restaurierer. Denn neben den wenigen Rostlöchern gab es noch die eine oder andere Delle zu beseitigen.

Hilfe von NSU-Spezialisten

Wie erwähnt hatte er alle Teile selbst demontiert, und dabei überlegte er auch, was mit dem Motor geschehen sollte. Seine Club-Freunde machten ihn auf die Firma NSU-Walter in Lemgo aufmerksam. Schließlich packte er den Motor, das Getriebe und die Achsen des NSU Prinz II in seinen modernen Wagen und lud die Sachen auf dem Weg zu einem Urlaub im Norden bei dem empfohlenen NSU-Spezialisten ab, um sie überholen zu lassen.

Im Prinzip lief alles wie am Schnürchen, der NSU Prinz II-Fan fand die Arbeit sogar entspannend: "Ich genoss sie als Ausgleich zu meinem Büro-Job." Zwischendurch musste er immer wieder kleinere Probleme lösen. So suchte er zum Beispiel intensiv nach neuen Stoßdämpfern. Es gab zwar Neuware, doch die stammte aus Altbeständen, war also nicht wirklich neuwertig. Entsprechend forschte Kranzfelder nach Anbietern im Internet und stieß auf eine Firma in Wetter im Ruhrgebiet, die alte Dämpfer wieder aufarbeiten oder neu nachbauen konnte. Er wählte die letztere Alternative.

Dann wollte er für seinen NSU Prinz II unbedingt Weißwandreifen haben, die es damals als Sonderausstattung gab. Solche Reifen in der passenden Dimension besorgte ein engagierter Reifenhändler in Augsburg aus den USA. Und um an einen Auspuff aus Edelstahl zu kommen, nahm er Kontakt mit einem Unternehmen in London auf. Denen schickte er die marode originale Anlage und erhielt nach einiger Zeit einen Nachbau aus Edelstahl, dessen Dämpfung allerdings noch der Nacharbeit bedarf.

Keine halben Sachen machen

Klar, dass solche Aktionen Geld kosten, aber das ist auch das Einzige, was Kranzfelder bei der ganzen Restaurierung des NSU Prinz II als Problem sah: "Ich habe die Kosten total unterschätzt." Andererseits ist ihm auch klar, weshalb das so war: "Ich hatte einen hohen Anspruch, wollte keine halben Sachen machen und wollte ein stimmiges Auto."

Die schönste Phase einer Restaurierung bricht immer dann an, wenn es ans Montieren geht. Mittlerweile stand die polarblau lackierte NSU Prinz II-Karosserie wieder zu Hause in der Garage, und zusammen mit dem Vater zog Kranzfelder den geprüften Kabelstrang der Elektrik ein, montierte den überholten Tachometer, den von einem Spezialisten sanierten Benzintank und die überholten Technikkomponenten wie den Antriebsstrang und die Radaufhängungen.

Die letzten Arbeiten

Ein Sattler hatte neben dem Aufpolstern der NSU Prinz II-Sitze das zusätzliche Anfertigen neuer Teppiche und eines Dachhimmels übernommen. Matt gewordene Glanzteile wie Scheinwerferringe, Türgriffe und Lüftungsgitter waren vor dem Montieren neu verchromt worden.

Nach mehreren Jahren neigte sich die Restaurierung des NSU Prinz II nun dem Ende entgegen, was der Großvater leider nicht mehr erlebte. Doch hatte er stets den Verlauf der Arbeiten interessiert verfolgt.

Vater und Sohn Kranzfelder montierten zwar den NSU Prinz II komplett, die Schlussarbeiten, das erste Starten des Motors und die Feinabstimmung überließen sie hingegen Karl-Heinz Schaz aus Neuhausen ob Eck. Das langjährige Mitglied im NSU-Prinz Club Schwaben war schon während der gesamten Restaurierung stets dank nützlicher Tipps und Informationen ein willkommener Helfer und packte auch zwischendurch bei Bedarf mit an, wie etwa beim Einsetzen der Front- und Heckscheibe.

Gutachter bescheinigt "hervorragende Restaurierung" des NSU Prinz II

Nun übernahm es Schaz, der früher eine NSU-Vertretung hatte, dem Prinz das Laufen beizubringen und ihn zum anerkannten Oldtimer zu machen. Aber wer sollte diesem akribisch restaurierten Wagen das H-Kennzeichen verweigern? Selbst der Gutachter, der den NSU Prinz II zwecks einer Expertise für die Versicherung inspizierte, betonte die "hervorragende Restaurierung".

Als von Schaz der Anruf mit der Info kam "er läuft", machte sich Kranzfelder natürlich sofort auf den Weg, um gleich nach seiner Ankunft begeistert die erste Probefahrt zu unternehmen. Die Zeiten, in denen der NSU Prinz II unbeachtet in einem Schuppen stand, waren damit endgültig vorbei.

Jetzt nutzt der stolze Prinz-Besitzer den NSU Prinz II nur für Ausfahrten bei schönem Wetter. Trennen will er sich von seinem Auto natürlich nicht mehr, allenfalls nur für kurze Zeit: Für besondere Anlässe im Raum Augsburg kann der Prinz gemietet werden. Infos unter info@classic-event-cars.de.

Restaurierung NSU Prinz, II E

  • Kaufort/Jahr: Augsburg, 1976
  • Kaufzustand: 16 Jahre alter Gebrauchtwagen aus zweiter Hand, wenig gefahren, guter Zustand
  • Vorgeschichte: Vom Erstbesitzer 1960 gekauft und nur sechs Monate gefahren, dann im Besitz einer Frau aus Augsburg bis 1976. In jenem Jahr von Kranzfelders Opa gekauft und kurz darauf stillgelegt, 1992 vergeblicher Wiederbelebungsversuch
  • Restaurierungsumfang: Das Fahrzeug wurde komplett zerlegt, die wenigen Roststellen und einige Dellen hat ein Spengler repariert. Lackierung in Originalfarbe, Hohlraumversiegelung. Überholung der Achsen, des Motors und des Getriebes. Ersatz aller Verschleißteile, Neuanfertigung der Stoßdämpfer, Check des Kabelbaums und der Elektrik. Tacho musste überholt werden, Tanksanierung, Sitze aufgepolstert, Teppiche und Dachhimmel erneuert. Glanzteile neu verchromt, neuer Auspuff in Edelstahl gefertigt, neue Bridgestone-Weißwandreifen
  • Restaurierungsdauer: 2008 bis 2011
  • Fachkundige Unterstützung: NSU Walter, 32657 Lemgo, www.nsuwalter.de (Technik, Teile); Raumausstattung Germscheid, 86519 Ustersbach, (Sattler) www.raumausstatter-profi.de; London Stainless Steel Exhaust Centre, Tel. 00 44/142/8 68 77 22 (Auspuff); Karosseriebau Günther Seemüller, 87679 Dösingen, Tel. 0 83 44/95 44 (Blecharbeiten); Lackiererei Menhofer (Lackierung), 87459 Pfronten, www.menhofer.de; Tank-Spezialist (Tanksanierung), 49733 Wesuwe, www.tank-spezialist. de; OldtimerKlassik Kahl, 58300 Wetter (Stoßdämpfer), www.oldtimerklassik.de
  • Kosten: Nicht ermittelt
  • Wert: 15.000 Euro laut Gutachten

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