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Nürburgring ist verkauft

Capricorn setzt sich gegen HIG durch

Nürburgring Logo Foto: xpb 61 Bilder

Capricorn ist der neue Eigentümer des Nürburgrings. Der Automobil-Zulieferer erhielt den Zuschlag für 77 Millionen Euro. Den Auschlag gegen Hauptkonkurrent HIG gab am Ende das bessere Zukunftskonzept von Capricorn.

11.03.2014 Tobias Grüner Powered by

Eigentlich wollte der Insolvenzverwalter das Kanninchen am Dienstag (11.3.2014) schon um 14 Uhr aus dem Hut zaubern. Bei einer Pressekonferenz in Koblenz sollte erstmals verraten werden, wer in Zukunft am Nürburgring das Sagen hat. Doch die Sonne versank schon im Rhein, als Robertino Wild den mit frühlingshaft-heiterer Blümchentapete geschmückten Saal betrat und sich als neuer Ringchef vorstellte.

Nürburgring-Verkauf stand auf der Kippe

Insolvenzverwalter Jens Lieser bat die fast vierstündige Verspätung zu entschuldigen: Es sei bis zuletzt hart gerungen worden im Gläubigerausschuss. "Man hat sich gegen Angebot von HIG ausgesprochen", verriet Lieser. Viele der ums Wohl der Region besorgten Journalisten atmeten hörbar auf, denn HIG gilt als knochenharter Finanzinvestor angelsächsischer Prägung, quasi als Kapitalist aus dem Bilderbuch, dem alles zuzutrauen wäre.

Zum Zuge kommt stattdessen ein deutscher Mittelständler, das Düsseldorfer Unternehmen Capricorn, ein 350 Mann-Betrieb, der sich als Zulieferer von allen deutschen Automobilherstellern einen Namen gemacht hat. "Capricorn bot das etwas bessere Konzept", führte Lieser weiter aus. "Capricorn ist ein inhabergeführtes Unternehmen und möchte ein Technologie-Cluster am Nürburgring etablieren. Das ist neu. Das hat noch keiner versucht, und es wird zusätzliche Arbeitsplätze am Nürburgring sichern. Das Transaktionsvolumen liegt bei mehr als 100 Euro. 77 Millionen als Kaufpreis."

Capricorn-Chef ist sich der Verantwortung bewusst

Robertino Wild ist Gründer und Chef von Capricorn. Sportlich asketische Figur, randlose Brille, akkurater Cäsaren-Haarschnitt, offenes graukariertes Hemd, präzise Diktion. "Mein ganzes Leben habe ich mir den Nürburgring gewünscht", sagt er quasi zur Einstimmung. Er fühlt sich der Eifel-Region  verbunden. In Adenau habe er in einem Hinterhof einst eine kleine Firma gehabt, mit zwei Angestellten. "Da habe ich mir nicht träumen lassen, dass Capricorn eines Tages als anerkannter Dienstleister für alle deutschen Automobilhersteller arbeiten würde."

Capricorn investiert am Ring

Wild nimmt oft das Wort "vernünftig" in den Mund, als er seine Pläne für den Ring detaillierter vorstellt. Und er stellt sofort heraus, dass er sich für die Region und die Menschen in der Verantwortung sieht. "Ich weiß, dass vom Nürburgring viel mehr Menschen leben als dort beschäftigt sind", sagt Wild. "3.000 Leute leben vom Ring. Das muss man wissen und dementsprechend muss man seine Entscheidungen treffen."

Der neue starke Mann am Ring will sich auf das Kerngeschäft konzentrieren, also den Testbetrieb der Auto-Industrie, die Touristenfahrten, den Motorsport und auch das Musik-Festival "Rock am Ring". Und er will sich von Überflüssigem trennen. "Die Grüne Hölle wird, höflich gesagt, zurückgebaut", sagte Wild. "Und auch der Ringracer wird verschwinden." Allerdings nicht in die Schrottpresse. "Er stand wohl bloß am falschen Ort. Er wird woanders in Rheinland-Pfalz wieder aufgebaut werden."

Nürburgring-Verkauf von Protest begleitet

Vor dem Eingang des Koblenzer Hotels hatte ein verdienter Veteran des deutschen Automobilismusstundenlang Wache geschoben. Der ehemalige ADAC-Präsident Otto Flimm war mit seinem mächtigen Jaguar angereist, um zusammen mit einer Schar Getreuer gegen den Verkauf des Nürburgrings zu protestieren. "Legenden verkauft man nicht!" lautet der Slogan der Protestler. Ehrenvoll, aber naiv.

Denn anscheinend weigern sich Flimm und seine Gefolgsmänner zu akzeptieren, dass der insolvente Nürburgring nicht deswegen verkauft wurde, weil die Gläubigerbank der Geduldsfaden gerissen war. Vielmehr war die EU-Gesetzgebung daran schuld, dass ein Verkauf der Strecke unumgänglich war. Die Brüsseler Wettbewerbshüter werteten es als unzulässig, dass eine (bislang) staatliche Freizeiteinrichtung, der Nürburgring, von einer staatlichen ISB-Bank subventioniert wird.

Insolvenzverwalter Thomas Schmidt erinnerte in Koblenz nochmals daran, dass Brüssel ganz klar das Sagen hatte: "Wenn der Verkauf nicht durchgeführt worden wäre, wäre der Ring sehr wahrscheinlich zum Ende des Jahres 2014 stillgelegt worden."

Droht die nächste Insolvenz am Ring?

Das schien auch den ADAC-Recken Flimm, der mittlerweile im Saal Platz genommen hatte, milde zu stimmen. "Es gibt ein absolutes Bemühen, die Dinge vernünftig zu machen", sagte er konziliant. Ein anderer kritischer Ring-Beobachter hingegen schaltete sofort wieder auf Angriff. Der Journalist Wilhelm Hahne, der 2009 ein viel beachtetes Buch zu den Vorgängen am Ring in der letzten Dekade geschrieben hat, sieht jedenfalls schwarz, auch mit Capricorn: "Für mich haben wir heute den Start in eine neue Insolvenz erlebt.

In unserer Fotoshow zeigen wir noch einmal Bilder von legendären Grand Prix-Rennen in der Grünen Hölle.

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