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Offorad-Challenge 2013

Feinmotoriker im Groben

Offroad-Challenge 2013 Foto: Dino Eisele 13 Bilder

Die meisten wollen ja lieber aus dem Gröbsten raus sein. Nicht so die 20 gut gelaunten auto-motor-und-sport-Leser, die bei der Offroad-Challenge ihre Gelände-Qualitäten und die von 15 Mercedes testen.

12.06.2013 Powered by

Der Mercedes ML rollt über die Rampe und taucht seine Schnauze in den lehmbraunen Tümpel. Es hat viel geregnet in den letzten Wochen. Wagen drei bewegt sich vorsichtig, aber ohne Zögern durch den Teich und klettert auf der anderen Seite eine steile Felsrampe hoch. Der Fahrer überquert die Kante und mit gehobenem Hinterbein lässt er das Auto in eine Senke gleiten, während sich aus dem Unterboden ein Sturzbach ergießt.

Das, was Instruktor Andreas Fischer vom Fahrsicherheitszentrum am Sachsenring einen Schnupper-Parcours nennt, hat auf 500 Metern nicht nur zwei tiefe Wasserlöcher, sondern auch Steigungen von 30 Prozent und Gefällstrecken von 80. Die Haftung sinkt durch die Lehmbrühe zum Teil auf 0,1 mü. Wagen drei hält an. Der Fahrer zündet eine Zigarette an und meint grinsend: "Ich brauche erst Mal eine Pause. Man ist ja so voll Adrenalin." Nach fünf Minuten steigt er wieder ein. "Ich würde gern noch mal."

Offroad-Challenge findet zum vierten Mal statt

Es ist die vierte Saison der auto-motor-und-sport Offroad-Challenge, in der je 20 Teilnehmer an drei Wochenenden des Sommers ihre Fähigkeiten im Gelände erproben und versuchen, Grenzen zu überwinden und sich für das Finale im österreichischen Spielberg im Herbst zu klassifizieren. Der Spielplatz des ersten Offroad-Samstags in dieser Saison ist der Steinbruch im bayerischen Langenaltheim. Hier werden Kalksteinplatten abgebaut, die sich prima in Fluren und Badezimmern machen, auf Wunsch auch mit eingebetteten Fossilien. In der Altmühlalb finden sich immer wieder Fossilfunde von Weltrang.

Monica Roos schaut zu, wie die anderen Teilnehmer unter lautem Knirschen und Knacken die Hänge heruntergleiten und den Kalkstein zermahlen. "Von draußen sieht es schlimmer aus, als es ist", findet sie. Sie liebt SUV, aber bisher ist sie damit allenfalls vor dem Kindergarten vorgefahren. Das ändert sich heute. Sie staunt über sich selbst und über die Fähigkeiten ihres ML. "Es ist schon unglaublich, was die Technik heute kann."

Die Bewerber kommen aus verschiedensten Motiven und sind auf unterschiedlichstem Niveau. Während Roos sich als komplette Anfängerin bezeichnet, turnt der angehende Fahrzeugtechniker Mathias Mertens mit größter Selbstverständlichkeit in einem G-Modell einen 100 Meter langen Steilhang herauf und wieder runter. Angst? "Ach was, das macht doch Spaß." Der Mediziner Michael Kornus ist da, weil er unlängst zwölf Hektar Obstwiesen ersteigert hat. "Mit dem Caddy kam ich da nicht hoch", sagt er.

Mercedes stellt Gelände-Modelle bereit

Der Messtechniker Stefan Guse hat sich gerade erst einen Geländewagen gekauft und träumt von ausgedehnten Offroad-Reisen, vielleicht sogar mal in einem umgebauten Allrad-Truck. Frank Ziegler hat als Extremsportler schon zwei Mal die deutsche Ausscheidung zur Land Rover-Challenge gewonnen. Zwar hat er sich vor zwei Tagen beim Verladen eines Schranks die Außenbänder am rechten Fuß abgerissen, aber mit stabilisierender Manschette ist er dennoch angetreten. "Nur das Feingefühl am Gas fehlt dann vielleicht doch ein bisschen", sagt der groß gewachsene Architekt, der am Ende auf Rang fünf einläuft.

Nicht nur wegen des Kaiserwetters war die Stimmung bestens. Gerade die rustikalen Geräte, die Challenge-Partner Mercedes aufgefahren hat, fanden großen Gefallen. Einige machten sich einen Spaß mit donnernden Gasstößen aus dem Auspuff eines G 500 V8 das Wasser in einer Pfütze zum Tanzen zu bringen, andere verliebten sich in die deutlich spartanischere, aber ursprünglichere Professional-Version. "Da spürst du den Berg noch viel mehr", sagt Frank Glöckl aus dem Erzgebirge, der mal sehen wollte, was so ein G-Modell kann.

Robin Wagner kennt sich mit Geländewagen und -Motorrädern schon ein bisschen aus. Der erst 19-Jährige Schwabe hatte schon mit einer guten Platzierung gerechnet, aber als sein Name unter den am Ende auf den Plätzen zwei bis fünf nicht aufgerufen wurde, zweifelte er dann doch an sich. Wagner ist Winzer und vor steilem Gelände nicht bange. "Ich kenne so was aus dem Weinberg", sagt er locker. Die Zweifel waren übrigens unbegründet. Wagner holte sich sowohl Bestnoten in der Theorie-Prüfung als auch im Rangier-Test mit Hilfe der 360 Grad-Kamera im Mercedes GLK.

Offroad-Challenge auch für blutige Anfänger

Im entscheidenden Slalom-Parcours war Wagner Dritter. Der stand am Nachmittag nach Kaffee und Kuchen auf dem Programm. Der eine brauchte länger, der andere kürzer. Ganz fehlerfrei beim Balancieren über Buckel und Klettern über Kuppen und blieb zwischen den 19 Toren niemand, aber alle kamen durch, und viele sogar mit Bravour. Und sie können zu Hause nicht nur ihre Urkunden präsentieren, sondern bei der nächsten Party auch die Gesprächspartner mit Achsverschränkung, Böschungswinkeln und dem Nutzen eines Hinterachs-Differenzials beeindrucken.

Friedemann Bader war schon auf dem Heimweg, als er die gute Nachricht vom zweiten Rang telefonisch erhielt. Dieter Pflimpfl-Haas zeigte sich blass erstaunt, dass er Dritter geworden war und im Oktober nach Graz reisen darf. Ehefrau Barbara gewann zwar keinen Preis, war aber dennoch happy: "Graz ist meine Heimat", sagt sie.

Unter den wohlwollenden Augen von Rennfahrerin Ellen Lohr nimmt Monica Roos mit Tempo und Geschick die ersten Tore. Zwar fallen dann doch ein paar von den auf den Stangen thronenden Holzbällen, aber die Offroad-Anfängerin meistert die 400 Meter lange Piste in der drittschnellsten Zeit und ist rundum mit sich zufrieden. "Das war wohl der mutigste Tag in meinem Leben." Der ebenfalls angetretene und groß gewachsene Gatte muss sich demnächst die Pumps anziehen, um seine Frau zu küssen. Die sagt nämlich: "Ich bin heute einen Meter gewachsen."

Der größte Held des Tages war allerdings der, der gar nicht erschien. Jörg Kastner versuchte bis zum Schluss, die Reise nach Bayern anzutreten, musste aber dennoch am Tag zuvor absagen, denn er hatte Wichtigeres zu tun. Als Helfer des Roten Kreuzes kämpfte er an der Elbe gegen das Hochwasser.

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