Oldtimer als Wertanlage: Diese Oldtimer werden wertvoll

Citroen 2 CV 6, Seitenansicht

Wertverlust? Für Oldtimer meist kein Thema mehr. Im Gegenteil: Bei zahlreichen Modellen steigt der Wert rapide - auch bei Allerwelts-Exemplaren. Das rückt die Klassiker als Anlageobjekt in den Fokus. Taugen historische Fahrzeuge wirklich als sichere Geldanlage, und wo liegen die Risiken?

Leidenschaft und Vernunft gehen selten Hand in Hand. Derzeit scheint dies auf dem Oldtimer-Sektor jedoch der Fall zu sein: Klassische Automobile erleben einen ungeahnten Boom. Wertzuwächse von bis zu 300 Prozent in 15 Jahren lassen aufhorchen. Kein Wunder, dass Spekulanten den Markt für sich entdecken. Angesichts niedriger Zinserträge und Inflationssorgen steigt die Bereitschaft, das Geld in beständige Werte zu investieren. Mobilie statt Immobilie lautet da die Devise für Autofans.

Preissteigerungen von bis zu 300 Prozent

Betrachtet man die Preisentwicklung der vergangenen Jahre, dann ging die Rechnung auf. Die Marktanalysten von Classic Car Tax verzeichnen ein kräftiges Plus - unabhängig von der Fahrzeugklasse. Beispiel Citroën 2CV: 1995 kostete eine Ente im Zustand 2 rund 2.000 Euro, heute muss man für ein vergleichbares Exemplar schon 8.000 Euro einkalkulieren. Das entspricht einer Preissteigerung von 300 Prozent. Ebenfalls kräftig im Wert gestiegen ist der Mercedes 300 SL Flügeltürer: Von 165.000 Euro kletterte der Marktpreis auf 518.000 Euro. 214 Prozent Rendite in 15 Jahren können sich sehen lassen.

Doch Vorsicht: Wertzuwächse im hohen dreistelligen Prozentbereich sind zwar nicht außergewöhnlich, aber eben auch nicht die Regel. Wie in der New Economy kommt es immer wieder zur Bildung von Spekulationsblasen. Ende der achtziger Jahre waren nach dem Tod von Enzo Ferrari plötzlich Sportwagen en vogue: Für noch junge Ferrari 308 und 328 wurden umgerechnet 100.000 Euro - mehr als der Neupreis - gezahlt. Dann fielen die Notierungen allerdings: Heute gibt es gepflegte Exemplare für 50.000 bis 60.000 Euro.

Oldtimer mit emotionalen Bezug sind begehrt

Da stellt sich die Frage: Erleben wir derzeit wieder eine neue Spekulationsblase? Frank Wilke von Classic Car Tax beruhigt: "In den vergangenen Jahren gab es eigentlich keinen Oldtimer, der nicht zumindest die Inflationsrate ausgeglichen hat. Im Durchschnitt sind fünf bis sieben Prozent Rendite pro Jahr realistisch." Ein Sondereffekt spielt bei der rasanten Preisentwicklung der letzten 15 Jahre eine wichtige Rolle: Laut Wilke wurden bei der Euro-Einführung die Preise oft eins zu eins umgerechnet und auch bezahlt.

Wer in einen Oldtimer investieren möchte, sollte den Markt realistisch einschätzen. Begehrt sind Autos, zu denen man einen emotionalen Bezug herstellen kann. Das kann der Traumwagen Porsche 911 sein, aber auch ein VW Golf I GTI, dessen Preise gerade steigen - guter Originalzustand vorausgesetzt. Bei Allerweltsautos wie etwa einem Mercedes W123 in Basisausstattung sollte man hingegen keine allzu großen Erwartungen an den Wertzuwachs verschwenden.

Vorsicht bei Vorkriegsmodellen

Erst wenn viele ein Auto begehren, steigt die Chance auf einen gewinnbringenden Wiederverkauf. Zudem stellen zahlreiche Clubs und Werkstätten sicher, dass man bei Problemen nicht allein dasteht. Wie wichtig der persönliche Bezug ist, erlebt man an manchen Vorkriegsmodellen: Abgesehen von Sportwagen und Cabrios wecken sie heute kaum mehr Emotionen. Entsprechend schwer lassen sich laut Wilke selbst Top-Exemplare veräußern - die Preise sinken.

Gegenüber anderen Anlageobjekten haben Oldtimer zumindest einen sinnlichen Vorteil: Wer den Traumwagen in der Garage stehen hat, erträgt es leichter, wenn die erhoffte Wertsteigerung erst einmal ausbleibt.

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René Olma

Autor:

auto motor und sport, Heft 17 / 2011

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