Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Oldtimer Audi Front 225 Roadster

Wiederbelebung einer IAA Audi-Legende

Audi Front 225 Roadster Foto: Stefan Warter 17 Bilder

Keiner der beiden Audi Front 225 Roadster, die zur Internationalen Automobilausstellung 1935 in Berlin entstanden, hat überlebt. Zum 100. Geburtstag in diesem Jahr schenkt sich Audi die Wiedergeburt einer verlorenen Legende.

04.04.2009 Sebastian Renz

Es gibt mondänere Möglichkeiten für eine Spur, sich zu verlieren, als bei einem Wurstfabrikanten in Gütersloh. Aber er kann es sich eben nicht aussuchen, auf welche Weise er zur Legende wird, der Audi Front 225 Roadster - ein Auto, dessen große Zeit nur 18 Tage dauert, bevor es erst im Ostwestfälischen und schließlich für immer verschwindet.

Der Audi Roadster gehörte zu den IAA-Stars

Im zugigen Februar 1935 gehört der Audi Roadster zu den Stars auf der 25. Internationalen Automobilausstellung in Berlin. Da soll er Wirbel machen für die gesamte Front-Baureihe, die Audi nach zwei Jahren gründlich überarbeitet. Mit der Entwicklung der ersten deutschen Sechszylinder-Mittelklasselimousine mit Frontantrieb hatte Audi begonnen, noch bevor sich die vier Hersteller Audi, DKW, Horch und Wanderer 1932 mehr aus finanzieller Schwindsucht als aus freundschaftlicher Sympathie zur Auto Union zusammenraufen.

Milde 40 PS an der Vorderachse

Beim Debüt 1933 motorisiert den Front der von Ferdinand Porsche entwickelte Zweiliter-Reihensechszylinder von Wanderer - mit einer seitlichen Nockenwelle eine eher einfache Konstruktion für eine technisch ambitionierte Firma wie Audi, die schon 1923 für den Typ M einen Sechszylinder mit obenliegender Nockenwelle entwickelt. Der Front trägt den Zusatz Typ UW für "umgedrehter Wanderermotor", denn die Audi-Konstrukteure setzen den an sich für Standardantrieb ausgelegten Motor-Getriebe-Block 180 Grad um seine Hochachse gedreht hinter die Vorderachse. So rückt das unsynchronisierte Vierganggetriebe vor den Motor und leitet milde 40 PS an die Vorderräder weiter.

Nur 2.000 Audi Front in zwei Jahren

Der Front wird zu einem bescheidenen Erfolg, in zwei Jahren entstehen nur knapp 2.000 Exemplare. Deshalb kommt schon zur IAA 1935 eine große Modellpflege. Von außen bleiben die Neuerungen unsichtbar - der Motor wächst auf 2,25 Liter und erstarkt um zehn PS, dazu gibt es modifizierte Achsen und eine verbesserte Schaltung. Also entwirft das Horch-Konstruktionsbüro für Audi den Roadster, der als ganz neue Variante für Aufmerksamkeit sorgen soll. Weil es damals - wie übrigens noch bis in die fünfziger Jahre - üblich ist, die Autos nicht nur in den Hallen auszustellen, sondern auch vor der Halle Probefahrten mit ihnen anzubieten, entstehen zwei Exemplare: ein heller für drinnen, ein dunkler für draußen.

Zweieinhalb Wochen lang sorgen beide für das erhoffte Buhei, Audi wird übermütig und lässt die Kosten für eine Kleinserie durchrechnen. Nur: Kaufen mag den 7.950 Reichsmark teuren Roadster lediglich einer - der Gütersloher Fabrikant wählt den dunklen. Keiner weiß heute, was mit dem hellen passiert ist, denn 90 Prozent des Konzernarchivs mit Käuferverzeichnissen und Konstruktionszeichnungen der Auto Union gehen im Krieg verloren. Alles, was Audi vom Front Roadster bleibt, ist eine Kiste Fotos und das Gefühl, einen Helden der eigenen Geschichte verloren zu haben.

Einige Audi-Rennwagen gelten als verschollen

Das passiert den Ingolstädtern nicht zum ersten Mal - auch einige der Auto Union-Rennwagen der dreißiger Jahre sind seit dem Krieg verschollen und werden für die Firmensammlung rekonstruiert. Zum 100. Geburtstag wünscht sich Audi einen Nachbau des Roadsters. Auftritt Werner Zinke. In Zwönitz bei Zwickau betreibt er einen renommierten Restaurierungsbetrieb mit 50 Angestellten, die schon mehrfach Front-Modelle für die Audi Tradition restauriert haben. Im zweiten Stock des alten Fabrikgebäudes hat der Chef sein Büro - gleich neben der hauseigenen Kantine, die für eine Tasse Kaffee 15 Cent verlangt. Zinke verteilt hochkalorischen Streuselkuchen und erzählt von den Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion des Roadsters, die 2005 begann: "Der teilt sich nur Kühler und Scheinwerfer mit den anderen Front-Modellen. Wir hatten keine Pläne, nur die Fotos. Weil Kameraobjektive die Karosserieverläufe verzerren, war es enorm schwer, die genauen Linien herauszufinden."

Audi Front-Modell in 1:5 als Vorlage

Anhand der Fotos entstehen erst eindimensionale Ansichten von Front, Seite und Heck. In Zusammenarbeit mit der TH Zwickau wird daraus ein Modell im Maßstab 1:5. "Daran haben wir die Linien korrigiert", berichtet Zinke. Durch die Fotos und das Modell klärt sich auch die Frage nach dem Radstand - er stimmt mit dem der Limousine überein. Lenkung, Pedalerie und die lange Leitung der Krückstockhebelschaltung über das hohe Motormassiv müssen wegen der zurückgesetzten Sitzposition modifiziert werden. Als Basis für den dritten Front Roadster dient eine viersitzige Cabrio-Limousine mit maroder Karosserie, aber gesundem Chassis.

Audi-Roadster enstand in Handarbeit

4.000 Stunden wird es dauern, bis es den fertigen Roadster trägt. Denn der entsteht ausschließlich in Handarbeit und mit zeitgenössischen Technologien: Die Restauratoren schreinern den Holzrahmen der Karosserie, dengeln die Bleche über Sandsäcken, polstern die Sitze mit echtem Rosshaar und nähen die Lederbezüge an altertümlichen Maschinen. Am wenigsten Aufwand macht die Technik.

Stilechtes Verdeck

Die Zinke-Mannschaft überholt das Fahrwerk und den gesamten Antrieb, beim anschließenden 20-Stunden-Dauerlauf leistet sich der Motor keine Aussetzer. An anderer Stelle kommen die Profis ins Stocken: "Es gibt kein Foto mit geschlossenem Verdeck", erklärt Ralf Hornung von Audi Tradition, "also haben wir überlegt, wie die Konstrukteure das damals wohl umgesetzt haben." Das rote Notverdeck ist nicht hübsch und auch nicht besonders dicht, dafür stilecht. Der Roadster hat es nicht getragen, als er am 12. März der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Bis Juli steht er in einer Sonderausstellung im Audi Museum Mobile in Ingolstadt. Zeigen, wie innovativ, sportlich und attraktiv Audi-Modelle schon vor über 70 Jahren waren, soll er dort. Und Spuren hinterlassen.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden