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Oldtimer Grand Prix

Der Tanz der Flimmerhärchen

Foto: Frank Herzog 50 Bilder

Es gibt Termine im automobilen Kalender, die darf man nicht verpassen. Zwei um genau zu sein: die IAA und den Oldtimer Grand Prix am Nürburgring.

12.08.2008 Powered by

Es wird hart für die Flimmerhärchen im Innenohr. Samstag, 9. August und die CanAm-Rennwagen reihen sich zum Orwell SuperSports Cup in die Startaufstellung. Ein Lola T 292 mit Formel 2-Motor ist in dieser Rennserie der absolute Hubraumzwerg, selbst ein Zwölfzylinder-Porsche 917/10 mit 5,4 Liter-Motor tritt mit vergleichsweise bescheidenem Lungenvolumen an, während die Spitze dieser Nahrungskette von 8,8-Liter-Aggregaten befeuert wird.

Ansaugtrichter mit dem Querschnitt einer gut trainierten Männerwade und annähernd der gleichen Länge trohnen auf diesen Motoren und schlürfen Massen an Verbrennungsluft in die Monster-V8. Das abgründige Gurgeln wird von einer Kakophonie dumpfer Schläge aus den Auspuff-Endrohren untermalt - noch passt längst nicht jede Zündung. Was manchen Menschen wie unglaublicher Lärm vorkommen mag, ist natürlich das schönste Geräusch der Welt: Willkommen beim Oldtimer Grand Prix am Nürburgring.

Großartige Show

Wer auch nur einen Milliliter Benzin im Blut hat, ist hier richtig. Denn anders als bei vielen Oldtimer-Veranstaltungen werden hier die Schwimmerkammern immer mächtig geflutet. Die Show ist einfach großartig, weil die Fahrer zwar mit dem Messer zwischen den Zähnen unterwegs sind, hart fahren, aber fair miteinander umgehen. That’s racing ladies and gentlemen.

Beim Oldtimer Grand Prix scheint alles vertreten zu sein, was je eine Rennstrecke unter die Räder bekommen hat, vorausgesetzt die Boliden sind vor 1980 gebaut. Alfa Romeo, BMW, Ford, Lancia, Opel und natürlich Porsche sind die Marken der Grand-Tourisme und Renn-Tourenwagen-Klassen - und natürlich alles andere als Exoten. Aber wer einen Stanguellini gegen O.S.C.A., Volpini, Taraschi, Mallock und Gemini fahren sehen will, der sollte sich die Formel-Junior-Rennen mit dicht besetzten Feldern und knackigen Zweikämpfen anschauen. Vorkriegs-Fans können sich am Anblick und an der Aussprache von Alvis, Bentley, Hotchkiss, Invicta, ERA, Maserati oder MG erfreuen.

Man muss gar nicht Rennsport-begeistert sein, um mit einem Dauergrinsen vom Nürburgring zu kommen. Schon das Zuschauen im Rennstrecken-Infield ist höchst spannend. Denn während auf dem Kurs noch gefightet wird, bereiten die Techniker die nächste Ladung Boliden auf ihren Einsatz vor. Wer dabei nicht gerade auf den Schraubenschlüsseln der Teams steht, ist ein mehr als geduldeter Gast in den Zelten, die den meisten als Box dienen. Dabei sträuben sich mitunter schon die Nackenhaare bei den Zuschauern.

Motorsport zum Anfassen

Eine Szene sei hier beispielhaft beschrieben: Wir stehen neben einem Porsche 935, dessen komplettes Heck abgenommen ist, wohl um am Motor etwas einzustellen. Der Mechaniker greift beherzt an Ladeluftkühler und dicken Rohren vorbei, fummelt sich irgendwie in Richtung Getriebe vor. Von seinem rechten Arm ist nichts mehr zu sehen. Ein Kollege beugt sich ins Cockpit, der wird doch jetzt wohl nicht, doch erdrückt auf den Startknopf und der Biturbo-Boxer springt nach kurzem Rotzen an. Eigentlich müsste der Arm des schraubenden Kollegen jetzt ab sein, zumindest aber ein ganzes Stück kürzer. Aber alles ist gut, der Mann im Heck des Porsche hat das Ende des Gasseils in der Hand und bringt den Motor mit kurzen Gasstößen auf Temperatur.

Solche Szenen kann man während des gesamten Oldtimer Grand Prix erleben, und wer mag (und mit einer kräftigen Stimme gesegnet ist) kann sogar mit vielen Technikern und Rennfahrern ins Gespräch kommen. Wenn man schüchtern ist und nicht weiß, wie sie das Gespräch beginnen soll, fragt nach dem Baujahr des Kraftwagens, der Rest ergibt sich dann von allein.

Preziosen im Infield

Die Fans der großen Sportwagenmarken Ferrari, Lamborghini, Maserati und Porsche erwartet noch ein besonderes Schmankerl, weil im Infield hunderte Modelle dieser Hersteller quer durch alle Baujahre geparkt sind. Die wenigsten sind Werksautos, meist sind die Exponate von ihren Besitzern perfekt vorbereitet zum Ring gefahren worden.

Wer nun selber fahren auf die Strecke will, aber keinen Rennwagen hat, muss trotzdem nicht verzagen. Motor Klassik bietet jedes Jahr 140 Lesern und ihren mehr oder weniger alten Autos die Möglichkeit einige Runden auf der Grand Prix-Strecke und - ganz früh am Sontagmorgen - auf der Nordschleife zu fahren. Ein paar Runden auf heiligem Boden, mit dem eigenen drei- oder vierrädrigen Schätzchen, auch das bietet nur der Oldtimer Grand Prix. Im August 2009 haben die Flimmerhärchen wieder etwas auszuhalten, dann gibt es die 37. Auflage des großartigen Konzerts für Verbrennungsmotoren und Zerknall-Trieblinge.

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