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Oldtimer und Youngtimer Kaufberatung

Kann man im Herbst Geld sparen?

Oldtimer-Youngtimer-Shopping-Tour-im-Herbst Foto: Achim Hartmann 30 Bilder

Im Frühling ist der Run auf Old- und Youngtimer am größten. Lässt sich also im Herbst Geld sparen? Eine Suche in verschiedenen Preiskategorien in der Classic Remise in Düsseldorf, in der Klassikstadt Frankfurt und in der Motorworld Böblingen.

03.12.2016 Frank Mühling Powered by

Schuhe, Handtasche, Smartphone, Designer-Jeans. Was Damen nicht so alles auf ihren Einkaufszettel notieren. Bei Männern fällt dieser meist kürzer aus, und der Inhalt ist eher praxisorientiert. Nein – wir reden heute nicht vom Baumarkt, wir gehen Autos shoppen. Auf unserem Einkaufszettel: Old- und Youngtimer in drei verschiedenen Preisklassen, verfügbar bei deutschen Klassik-Händlern. Auf geht’s zur Einkaufstour nach Düsseldorf, Frankfurt und Böblingen.

Oldtimer-Youngtimer-Shopping-Tour-im-HerbstFoto: Achim Hartmann
Die Substanz des XJ6 ist gut. Er hat aber ein paar Schönheitsfehler.

Zunächst: Was bekommt man in der Classic Remise Düsseldorf für 10.000 Euro? Die erste Ernüchterung – nichts. Ein Händler raunt uns zu: „In dem Preissegment lässt sich kein Geld verdienen.“ Also besser im Netz suchen? Doch auf einem Preisschild stolpern wir über die Zahl 10.000. So viele Euro wurden kürzlich in einen Jaguar XJ6 4.2 investiert. Löffelsender möchte 15.950 Euro für die 1976 gebaute Limousine mit 173 PS und 68.000 Kilometern.

XJ6 mit Schönheitsfehlern

Klingt interessant. Verkäufer Robin Scherer reicht den Schlüssel: „Ungeschweißt, steht seit zehn Jahren. Ein älterer Herr besitzt ihn in zweiter Hand seit 1993.“ Kenner wissen: Die 1973 bis 1979 gebaute zweite Serie hat Rostprobleme, doch beim weißen Exemplar wurden der Unterboden eisgestrahlt und der Lack aufgefrischt. Dennoch zeigt die Außenhaut ein paar Rostbläschen. Minuten später summt der 4,2 Liter große Sechszylinder und liefert angemessenen Druck aus den Tiefen seines Motorblocks. Der Dreigangautomat serviert diskret die Gänge.

Leider trüben abgewetzte und verfärbte Stellen auf dem blauen Lederpolster den wohnlichen Eindruck. Ein Fall für sich ist der verschlissene Dachhimmel, der sich nur mit viel Aufwand tauschen lässt. Dennoch: Bis auf die laute Servopumpe finden wir keinen Reparaturstau, das dürfte der Löffelsender-Jag vielen anderen XJ6 für 10.000 Euro voraushaben. Und im Winter bleibt genug Zeit, die optischen Mängel zu beheben und die M+S-Reifen zu erneuern.

Problemzone hintere Kotflügel

Gleich neben dem Jaguar parkt ein seltener MGC GT von 1969. Er liegt nur 1.000 Euro über dem 25.000-Euro-Limit. Unter der buckligen Haube macht sich der 2,9 Liter große Reihensechszylinder wesentlich breiter als der kleine 1,8-Liter des MGB. Und er lockt mit 145 statt 95 PS. Ein Rundumgang zeigt die Problemzonen: „Im Rahmen einer Holland-Lackierung wurden die Kotflügel nicht demontiert, sondern die Keder mitlackiert“, so Robin Scherer. Der Gammel an dieser Stelle stimmt ebenso nachdenklich wie eine unschöne Stelle neben der Frontscheibendichtung. Sonst strahlt der dunkelblaue Lack tief und satt. Hinzu kommen schöne Chromspeichenräder mit fast neuen Vredestein Classic.

Innen trägt das Coupé eine authentische Patina – also nix wie los. Schon auf den ersten Kilometern spürt man, dass viele Teile an der Vorderachse erneuert wurden. Sauber läuft der MGC geradeaus und folgt willig den Lenkbefehlen. Aber der schwere Motor drückt aufs Handling, wenn es sportlicher zur Sache geht. Die knackige Schaltung macht Spaß, auch der Overdrive funktioniert. Grollend und stämmig schiebt die Maschine an. Preislich konkurriert der Sechszylinder-MG mit den V8-Modellen, die außerdem in größerer Auswahl bereitstehen. Robin Scherer weiter: „MGC und XJ6 bieten wir im Kundenauftrag an. Beide Besitzer wollen keinen Nachlass geben.“ Kann man im Herbst Geld sparen? „Aktuell ist die Nachfrage schlecht. Die Käufer hoffen, dass die Preisblase platzt. Aber vor Weihnachten kommen viele und spekulieren auf preiswerte Schnäppchen.“

Oldtimer-Youngtimer-Shopping-Tour-im-HerbstFoto: Achim Hartmann
Die US-Restaurierung des 911 wirkt makelos.

911 aus US-Restaurierung

Genug mit Engländern herumgespielt, in den Augenwinkeln blinkt es farbig-bunt und sportlich-flach: Nebenan bei Mobility Classics warten Sportler aus deutscher und italienischer Produktion. Ein cockneybrauner Porsche 911 2.7 von 1977 mit goldenen Hackmesser-Alus zieht uns magnetisch an. Lack, Interieur und Motorraum wirken makellos. Verkäufer Berndt Zahn klärt auf: „Das Auto wurde von einem amerikanischen Händler komplett restauriert und ist seitdem erst 200 Kilometer gelaufen.“ Eine Fotodokumentation liefert den Beweis: Hier wurde ohne Rücksicht aufs Geld der Originalzustand angestrebt. Patinierte Sitze würden dazu eher nicht passen, also spendierte man dem Coupé neue Lederbezüge. Frische Reifen, eine neue HU und ein Wertgutachten nach Wahl sind im Preis von 59.911 Euro inklusive.

Das macht neugierig, also spontan eine Runde mit dem G-Modell gefahren. Zumindest im Citytempo fühlt sich alles an wie erwartet. Der 165 PS starke Boxer gefällt durch spontane Gasannahme und das typische, luftgekühlte Sägen – aber er bläut etwas aus dem Endrohr. Berndt Zahn: „Das Auto wird vor Auslieferung durchgecheckt und eingestellt.“ Lässt sich am Preis noch was machen? Speziell im Herbst, wenn weniger Nachfrage vorhanden ist? Zahn weiter: „Ein F-Modell in diesem Zustand kann auch mal das Vierfache kosten. Klassische 911 sind das ganze Jahr begehrt. Aber dank Internet hat der Käufer natürlich die totale Preistransparenz. Und in der Classic Remise sind wir ja nicht der einzige Händler.“

Weiter zur Klassikstadt Frankfurt. Bei Movisti entdecken wir gleich mehrere Klassiker für rund 10.000 Euro. Hier parken Ente, Alfasud, Spider und ein rarer Fiat 127. Schön, dich mal wieder zu sehen, kleiner Italiener! Der Nachfolger des 850 stammt von 1971, gehört also zur hübschen ersten Serie und ist für schlanke 7.450 Euro ausgeschrieben. Inhaber Volker Janzen erklärt: „Das Auto stammt aus Padua, hat wohl nie Salz gesehen und somit auch null Rostprobleme. Es ist im hundertprozentigen Originalzustand.“ Wirklich bemerkenswert, weil wir von einem Alltagsauto reden und nicht von einem wertvollen Sportwagen. Gefahren hat den Fiat ein Herr Jahrgang 1916, und zwar bis zu seinem Tod im Jahre 2004. Danach stand der Fiat 127 zwölf Jahre, weil die Erben nichts mit ihm anzufangen wussten. Auf dem Tacho stehen glaubhafte 68.961 Kilometer. Die Augen scannen ein unverbrauchtes Interieur. Unglaublich. „Technik überholt, einmal nachlackiert“, sagt Volker Janzen und winkt mit dem Schlüssel.

Spaß im leichten Fiat 127

Spontan springt der 45 PS starke 900er an, und los geht’s. Mit sympathischem Klang geht der Vierzylinder ans Werk, er hat leichtes Spiel mit dem 700-Kilo-Fliegengewicht. Wie ist die Nachfrage nach einem alten Fiat 127? „Eher schlecht“, so Janzen, „ich habe ihn gekauft, weil er mir einfach so gut gefallen hat.“ Apropos gefallen: Gegenüber dem Fiat parken gleich drei Lancia Fulvia. Wir fassen das Exemplar im gedeckten Grünmetallic aus. „Longchamp metallizzato, um genau zu sein“, schmunzelt der Movisti-Geschäftsführer. 25.950 Euro soll das Coupé der ersten Serie bringen. Die Fulvia Rallye 1.3 S von 1969 wurde bereits fachmännisch geschweißt.

Der eigenwillige V4 mit 90 PS schnurrt stabil im Leerlauf. Zum sportlichen Habitus des erfolgreichen Rallye-Autos mag der Lkw-ähnliche Schaltstock nicht passen. Dafür gefällt das kehlige Ansauggeräusch des von zwei Solex-Vergasern beatmeten 1.300ers. Überholte Technik, gute Nachlackierung, originales Interieur mit nur wenigen Schönheitsfehlern: Die Fulvia ist trotz gehobenem Preis ein attraktiver Alltagsklassiker. „Der Sommer war ruhig, im Herbst zieht die Nachfrage wieder an“, so Janzen zum Thema Preisnachlass.

Oldtimer-Youngtimer-Shopping-Tour-im-HerbstFoto: Achim Hartmann
Der BMW 2000 tii Touring wurde neu lackiert und die Technik überholt. Der Innenraum ist original mit Patina.

Ein tii Touring zum Top-Preis

Sechsunddreißigfünf – ein Preis, den man bei einem BMW Touring nicht erwartet. Pyritz Classics bietet dafür einen BMW 2000 tii mit dem seltenen Kombi-Heck und Schiebedach. Geschäftsführer Rainer Dschüdow: „Das Auto haben wir von einem niederländischen Händler. 2013 wurde es neu lackiert. Wir haben die Technik auf Vordermann gebracht. Die Innenausstattung ist original, mit zeitgenössischer Patina.“ Der 1972 gebaute Kombi ist extrem selten anzutreffen, vor allem mit dem 130 PS starken Einspritzer. Einmal in Fahrt, überzeugen der geschmeidige Vierzylinder und die aufwendig revidierte Mechanik. Durch die leichten Gebrauchsspuren innen hinterlässt der BMW einen ehrlichen Eindruck. „Frischer TÜV und ein Wertgutachten sind natürlich im Preis inbegriffen“, so Dschüdow weiter, der bei der Nachfrage keinen Unterschied zwischen Frühjahr und Herbst feststellen kann. „Schnäppchenjäger haben es bei uns eher schwer.“

Weiter nach Böblingen. In der ersten Etage der Motorworld wartet Mohr Klassik mit einem 450 SEL 6.9 auf uns, außen dunkelblau, innen beiges Velours. Geschäftsführer Louis Mohr: „Erstauslieferung 1977 nach Monaco, 2003 von Kienle zurückgeholt und seitdem dort gewartet. Zuletzt im Besitz eines Rechtsanwalts.“ Sein Bruder Lorenz ergänzt: „Circa 6.000 Euro wurden in die Hydropneumatik und in neue Michelin-Reifen investiert. Rost wurde ebenfalls beseitigt.“ Auch innen fast alles top: Keine Risse im Holz, nichts ausgebleicht oder abgewetzt. Sichtbar sind nur geringe Spuren des Alters. Lorenz Mohr: „Classic Data hat ihn mit 2+ bewertet, der Preis liegt bei 48.900 Euro.“

Schon 2.000/min genügen dem 286-PS Kraftpaket für satten Vortrieb. Hubraum ist eben durch nichts zu ersetzen. Der 6.9er wirkt wie ein Jahreswagen, ist super in Schuss. Klima und Tempomat sind an Bord, aber leider kein Leder oder Schiebedach. Was spricht beim Kauf für den Herbst? Louis Mohr: „Jetzt kann man Autos noch Probe fahren. Bald liegt Salz, dann war’s das.“

Exot aus Fernost

Gibt es in der Motorworld für 25.000 Euro keine deutschen Klassiker? Na klar, bei Collection-Car parken diverse Mercedes SL R 129. Doch wir blicken über den Tellerrand und entdecken einen Datsun 260Z von 1976. Geschäftsführer Sebastian Moczek sagt traurig: „Leider keine Probefahrt möglich, die Vergaser müssen erst eingestellt werden.“ Der AT-Motor ist 15.000 Kilometer gelaufen, das Auto wurde bereits vor 15 Jahren restauriert. Leider kam dabei ein Audi-RS-Blau aufs Blech. Innen sind typische Altersspuren zu finden, aber technisch scheint der Nippon-Sportler fit zu sein. Collection-Car spendiert noch frische Reifen für die neuwertigen Alus. 23.280 Euro sind nicht wenig, doch die Auswahl an guten Datsun 240/260Z ist ultraknapp.

Im Gegensatz zum Ur-Mini-Cooper, der bis 2.000 gebaut wurde. Neben dem 260Z steht ein 97er Classic mit 63 PS starkem Einspritzer für 10.470 Euro. „Ein Gokart für die Straße. Mit Lederausstattung“, lacht Moczek. Nur wenige Kilometer mit dem kleinen Charmebolzen bringen eine wichtige Erkenntnis: So eine wieselflinke, kernig klingende britische Autolegende kann einem den ganzen Tag versüßen.

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