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Oldtimerausstellung in Kassel

Schlumpf-Klassiker in Nordhessen

Kassel, Oldtimerausstellung, Schlumpf, Cite d'Automobile, 0413, mokla, aumospo Foto: Dino Eisele 22 Bilder

40 Oldtimer aus den lange verschlossenen Lagern der legendären Schlumpf-Collection in Mulhouse sind ab dem 1. Mai für drei Monate in Kassel zu sehen. Wir halfen beim Aufbau der einmaligen Schau.

30.04.2013 Malte Jürgens Powered by

Manche sehen aus wie eiserne Zombies, um Mitternacht einem Grab entstiegen unter einem kaum je gehörten Namen: Theophile Schneider, Georges Roy, Clement-Bayard, Rochet-Schneider. Wiedergänger mit glühenden Scheinwerferaugen, umweht von grauschwarzem Rosshaar, das aus den tiefen Rissen im Sitzleder hervorquillt wie ein Büschel faulenden Strohs. 

Treffen der Grauen Eminenzen

Veteranen, die so auftreten, scheinen bereit, auch dem stärksten Youngtimer den noch heißen Motor aus dem Leib zu reißen: einerseits furchterregend, andererseits aber unendlich faszinierend. Andere sind da schon manierlicher, graue Eminenzen von Hotchkiss, Daimler, Lorraine-Dietrich, Hurtu. Ein Alfa Romeo 6C 1750 GS bildet den nötigen Kontrast: Voll restauriert, wirkt der Zweisitzer mit der knappen Zagato-Karosserie von 1931 hier, in Halle 19 im Unternehmenspark Kassel, wie eine Schönheitskönigin im Feldlazarett.

Und erst die alten Rennwagen, die vor mehr als einem halben Jahrhundert zum letzten Mal eine Zielflagge gesehen haben: der Maserati 4 CM von 1935, der Bugatti 251 von 1955, und, Gewaltigster von allen, der Mercedes-Benz W 154. Mit dem, sagt das Archivblatt, traten die Haudegen der goldenen Kompressor-Ära von Rudolf Caracciola bis Hugo Hartmann 1939 erfolgreich an.

Die große Reise

Den Weg nach Kassel haben die zum Teil extrem wertvollen Raritäten aus Gründen einer besonderen Ehrung angetreten: Die Stadt an der Fulda feiert in diesem Jahr ihr 1100-jähriges Bestehen. Richard Keller, Chefkonservator des französischen Nationalen Automobilmuseums in Mulhouse und damit Herr über die legendäre dort präsentierte Schlumpf-Sammlung, erläutert: "Als Partnerstadt von Kassel haben wir beschlossen, eine noch nie dagewesene Ausstellung aus unseren Lagerbeständen zu organisieren. In der Stadt der Documenta wird sich bestimmt eine interessante Diskussion entwickeln, inwiefern wir hier Kunstgegenstände oder einfach nur Autos in ihren Verfallszuständen zeigen."

Traumhafte Werte

Hinter der Sammlung in Mulhouse verbirgt sich eines der größten Dramen in der Geschichte des Oldtimer-Sammelns. Kurz zusammengefasst: Die Brüder Fritz und Hans Schlumpf, Textilunternehmer im elsässischen Malmerspach, trugen ab 1945 in einem schon manisch anmutenden Sammelwahn Hunderte der edelsten und seltensten Oldtimer zusammen. Ihre Scouts waren bald oft und gern gesehene, weil flüssige Besucher der einschlägigen Schrottplätze.

Auf dem berühmtesten, jenem von Henri Malartre in Lyon, trieben sie zum Beispiel den kriegsgrauen Rochet-Schneider von 1912 auf, der sich in Kassel so präsentiert, wie er am 19. September 1962 von den Schlumpfs gekauft wurde. Zu Beginn der sechziger Jahre brach dann die Bugatti-Manie voll aus. Innerhalb weniger Monate kauften die fiebernden Sammler 59 der Molsheimer Oldtimer, von insgesamt 13 Vorbesitzern. Doch je voller die Hallen der Sammlung wurden, desto mehr leerten sich die Kassen der Schlumpf-Werke. 1977 stand die endgültige Firmenpleite ins Haus.

Die aufgebrachten Textilarbeiter stürmten die Klassiker-Sammlung, nahmen sich vor, die Autos zu verbrennen, belagerten die insolventen Brüder in ihrer Villa und drohten damit, beide an der nächsten Laterne aufzuknüpfen. Ein Polizeieinsatz rettete die Fabrikherren, die in die Schweiz flüchteten.

Die Autosammlung wurde mit Parlamentsbeschluss zum französischen Kulturerbe erklärt und ist seitdem im Nationalmuseum Cité de l‘Automobile zu besichtigen. Nur die Restaurierungsfälle stehen hinter verschlossenen Türen und warten auf bessere Zeiten. Doch einen Klassiker zu verkaufen, um von dem Geld drei andere zu restaurieren, geht nicht: Das nationale Erbe darf nicht versilbert werden.

Was alles so gezeigt wird

Neben dem legendären Mercedes-Silberpfeil ist in Kassel der Formel 1-Monoposto von Bugatti zu bestaunen. Der Typ 251 besitzt einen von Gioacchino Colombo konstruierten Reihen-Achtzylinder, der quer hinter dem Fahrersitz liegt und aus 2,5 Liter Hubraum 250 PS schöpft. Zum Einsatz gegen die neuen W 196 von Mercedes und die Ferrari kam es nicht mehr. Einen zweistelligen Millionenbetrag ist jedoch auch er wert. Dann, als weitere Wert-Millionäre, der Maserati 4 CM von 1935 sowie der restaurierte Alfa Romeo 6C 1750 GS von 1931 mit Zagato-Karosserie. Ihm zur Seite steht ein zweiter 6C, unrestauriert, im Fundzustand.

Schlafende Auto-Schönheiten

Die französische Cité de l‘Automobile Mulhouse stellt drei Monate lang in der Partnerstadt Kassel 40 Oldtimer unterschiedlicher Erhaltungszustände aus. Mehr Infos unter: www.schlafende-automobilschoenheiten.de.

  • Ausstellungsort: Unternehmenspark Kassel (UPK), Lilienthalstr. 25, Halle 19
  • Öffnungszeiten: 1. Mai bis 31. Juli, Dienstag bis Freitag von 11.00 bis 19.00 Uhr, Samstag/Sonntag von 10.00 bis 19.00 Uhr
  • Eintrittspreise: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Kinder bis 12 Jahre frei

Mehr zu der spektakulären Sonderausstellung in Kassel gibt es in der aktuellen Ausgabe der auto motor und sport zu lesen, die ab dem 2. Mai am Kiosk liegt.

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