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Oldtimerrallye Tour Auto 2013

Tour de France

Tour Auto, Rennszene Foto: Hardy Mutschler 32 Bilder

Kein historischer Wettbewerb beansprucht Teams und Material so wie die Tour Auto, eine Mischung aus Renn- und Rallyehatz auf Bestzeit quer durch Frankreich.

17.06.2013 Dirk Johae Powered by

Die Sonne scheint Bernd Hahne ins Gesicht. 21 Mal ist er bei der Tour schon gestartet, nur eine einzige Veranstaltung hat er geschwänzt. "Man fühlt sich wie Gott in Frankreich", meint der 68 Jahre alte Rheinländer, dem das schnelle Autofahren wie seinen Brüdern Hubert und Armin in die Wiege gelegt wurde. Beim Blick auf die seelenlose Retortenanlage des Circuit de Nevers Magny Cours fällt es schwer, Hahnes Worte zu verstehen.

Rheinländer auf Alfa GTA legt in Magny Cours vor

Aber im Rennen auf der ehemaligen Formel-1-Piste im Niemandsland von Westburgund demonstriert Hahne im Alfa Romeo GTA den Inhalt seiner Worte. Von der besten Startposition aus biegt er schon mit einigem Vorsprung in die schnelle Rechtskurve nach der Start- und Zielgerade, die Grand Coube, ein.

Hahne lässt den von Alexander Furiani bestens vorbereiteten Alfa ohne zu bremsen über alle vier Räder zum Kurvenausrand rutschen, Runde für Runde elegant und exakt auf den Punkt. "Die Avon-Reifen, die wir hier fahren, haben mehr Haftung als die Dunlop", schildert der GTA-Pilot. "Die Dunlop-Reifen rutschen noch ein wenig mehr." Keiner der Mitstreiter hat in diesem Rennen gegen den Rheinländer eine Chance.

Der Lauf auf der 4,4 Kilometer langen Piste von Magny Cours ist eine von insgesamt vier Rundstreckenentscheidungen bei der Tour Auto: Daneben stehen Le Mans, Albi und Val de Vienne im Tour-Plan; außerdem entscheiden die Zeiten auf neun Rallyeprüfungen über das Klassement. Gesamtsieger kann zudem ein Team nur werden, wenn es ein Auto bis Spezifikationsjahr 1965 einsetzt. Jüngere Autos bis 1981 sind zwar zugelassen, fahren aber in einer separaten Wertung: Damit hält der umtriebige Organisator Patrick Peter die Zahl der älteren Autos hoch.

GT-Autos sind die Favoriten

Favorisiert für den Gesamtsieg der Tour, die fünf Tage lang quer durch Frankreich von der Hauptstadt Paris über Orleans, Vichy, Albi und Limoges zum Ziel nach La Rochelle an der französischen Atlantikküste führt, sind aber die starken GT-Autos, allen voran die Ford GT 40, AC Cobra, Jaguar E-Type oder auch die Lotus Elan.

Was historische Rennpuristen freut: Mit dem AC Cobra Daytona Coupé von Olivier Ellerbrock und Kenny Bräck steht sogar ein authentisches Auto von 1964 im Favoriten-Fokus. Mit dem athletischen Ferrari-Schreck, der von dem Furcht erregend brüllenden Ford-V8 angetrieben wird, starteten vor 49 Jahren die Werkspiloten Bob Bondurant und Jochen Neerpasch bei der Tour de France Automobile, das 1899 erstmals ausgetragene historische Vorbild für die Tour Auto. Der US-Amerikaner und der Deutsche konnten damals im Auto mit der Chassisnummer CSX 2300 zwar die Führung erkämpfen, fielen aber vorzeitig aus.

Original-Cobra mit Rennprofi

"Das ist schon ein lustiges Auto", plaudert Renn-Profi Kenny Bräck auf Englisch mit schwedischem Akzent. Der Indy-500-Sieger von 1999 steuert das geschichtsträchtige Auto, mit dem er schon das Ein-Stunden-Rennen beim Goodwood Revival Meeting gewonnen hat. Bei der Tour Auto wechselt sich der fahrfreudige Schwede mit Olivier Ellerbock ab und bestreitet die Rallyeprüfungen, während Ellerbrock bei den Rundstrecken am Steuer sitzt. Doch leider wird früh klar, dass das blaue Coupé, gebremst durch technische Defekte, nicht in die Entscheidung um den Gesamtsieg eingreifen kann.

Auch der zweifache Tour-Auto-Gewinner Ludovic Caron muss mit seiner Cobra schon am zweiten Tag einsehen, dass er in diesem Jahr nichts mit der Gesamtentscheidung zu tun hat. Der schwarze GT, ein ehemaliges Werksauto von Shelby American, laboriert an einem Kupplungsschaden. Als die Crew von Caron die Cobra dann wieder fit gemacht hat, startet der Franzose eine Aufholjagd, mit der er sich aus den Tiefen der Rangliste noch auf den dritten Platz kämpft.

Ausdauer steht auf dem Prüfstand

Die Tour Auto stellt die Ausdauer der historischen Autos auf einen harte Probe: Selbst ein als zuverlässig geltender Wagen wie ein Alfa Romeo GTA ist davor nicht gefeit. Am Leichtbau-GT von Bernd Hahne bricht auf der dritten Etappe von Vichy nach Albi ein Kabel an der Lichtmaschine. Weil der Defekt erst im Ziel vollständig behoben werden kann, ist der Zeitverlust zu groß: Der Rang des besten Tourenwagen-Piloten ist uneinholbar verloren.

Wie bei einem Langstreckenrennen auf der Rundstrecke belohnt die Tour jene Teams, die die Wertungsprüfungen und die Verbindungsstrecken ohne technische Probleme bewältigen können - zum Beispiel die AC Cobra von Carlos Monteverde und Gary Pearson, wie die Autos von Ellerbrock oder Caron ebenfalls ein authentischer Renn-GT. Das Auto, mit dem sich Monteverde und Pearson Stück für Stück an die Spitze vorarbeiten, wurde nach einem glücklosen Werkseinsatz beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans vor 50 Jahren von Ford France mit dessen Fahrer Jo Schlesser vor allem bei Bergrennen und Rallyes eingesetzt.

Bei der Tour Auto übernahmen Monteverde und Pearson, zwei Viel-Fahrer in der historischen Rennszene, am dritten Tag die Spitze der Gesamtwertung. Doch auf der vorletzten Etappe mit Ziel in Limoges ging sie durch eine Zeitstrafe von einer Minute wieder verloren. So kam es auf dem letzten Tagesabschnitt zu einem dramatischen Showdown mit dem Kampf gegen den Gesamtsieger von 2010, Jean Pierre Lajournade im Jaguar E-Type.

Auf der ersten Entscheidung des Tages, der Wertungsprüfung bei Darnac im Limousin, feilt Gary Pearson einige Sekunden vom Vorsprung des französischen Spitzenreiters ab. Aber erst auf der abschließenden Prüfung auf der 3,77 Kilometer langen Rennstrecke von Val de Vienne fällt die Entscheidung: Monteverde/Pearson sind eine halbe Minute schneller als Lajournade und gewinnen mit einem hauchdünnen Vorsprung von 16 Sekunden.

Auch für Bernd Hahne ist die Welt am Abschlusstag wieder in Ordnung: Bestzeit beim Finale auf dem Rennkurs im Departement Vienne und letztlich siebtbester Tourenwagen-Pilot im Gesamtklassement.

Beste deutsche Pilotin ist Gaby Spangenberg, die sich mit dem Schweizer Marc de Siebenthal den Einsatz im nahezu problemlos laufenden Porsche 911 teilt und Siebte im Gesamtklassement wird. Joachim und Christina von Finckenstein werden im Mercedes-Benz 300 SL von HK-Engineering Zehnte in der Gesamtwertung. Mit dem Renn-Flügeltürer von 1955, einem der ältesten Auto im Wettbewerbsfeld, feiert die deutsche Equipe den Klassensieg. Pech hatten dagegen Chris Stahl und Uwe Niermann, die im Ford GT 40 nach starkem vierten Platz in der Gesamtwertung des ersten Tages ebenso zurückfielen wie Jürgen und Yvonne End im Alfa Romeo GTA.

Die schnellsten Zeiten aller 107 gewerteten Teams erzielte aber Erik Comas in einem Gruppe 4-Lancia Stratos, der jedoch mit dem Baujahr 1974 nicht für die Gesamtwertung zugelassen ist. Der ehemalige Formel-1-Pilot von Ligier und Larrousse strahlt dabei eine Gelassenheit aus, die wahrscheinlich zu den wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg bei der Fünf-Tages-Tortur gehört. Der braungebrannte Franzose ist im Stratos so schnell, dass er den Gesamtsiegern im Fernduell viereinhalb Minuten abknöpft.

Lockere Stimmung

Sein Landsmann Jacques Laffite nimmt die Tour von der ganz legeren Seite. Statt sich mit Streckenplänen oder Zeitenlisten zu befassen, lehnt der 69-Jährige locker in der Türmulde seines Porsche 910 und tauscht mit der attraktiven Fernsehmoderatorin Nathalie Vincent Nettigkeiten aus. Als sein klingelndes Smartphone den Plausch stört, reicht es Laffite lässig an seinen Beifahrer weiter.

"Es geht ja hier um den Spaß", weiß auch Jürgen Barth. Der frankophile Le Mans-Sieger von 1977 ist mit dem monegassischen Fahrzeugeigner Claudio Raddaro in einem seriennahen Porsche 911 Carrera RS 3.0 von 1974 unterwegs. Neben dem vierten Platz in der Kategorie freuen sie sich nicht zuletzt über die Mittags- und Abendessen in stilvollem Rahmen: Auch dieses Programm muss stimmen, um sich wie Gott in Frankreich zu fühlen.

Die Route der Tour Auto

Über 2.100 Kilometer quer durch Frankreich, vier Rennen und neun Wertungsprüfungen an fünf Tagen, dazu lange Verbindungsetappen: Das ist eine Strapaze für die Teams. Doch die Route vom Start in Paris über die Etappenziele Orleans, Vichy, Albi und Limoges bis zum Ziel in La Rochelle an der Atlantikküste versüßt Veranstalter Patrick Peter mit reizvollen Plätzen für die Mittagsrasten und Abendveranstaltungen.

Außerdem führt der Weg über bekannte Rennstrecke wie Le Mans und Magny-Cours. Der Termin für die Tour Auto 2014 steht bereits fest: Die 23. Auflage wird vom 7. Bis zum 12. April ausgetragen.

www.tourauto.com

Ergebnis 22. Tour Auto 22. bis 27. April 2013

Gesamtwertung

  1. Monteverde/Pearson (BR/GB) AC Cobra (1963)
  2. Lajournade/Bouchet (F/F) Jaguar E-Type Coupé (1964)
  3. Caron/David (F/F) AC Cobra (1963)
  4. Denat/Denat (CH/CH) Porsche 911 Carrera RSR (1974)
  5. Guenat/Fragniere (CH/CH) AC Cobra (1964)
  6. Melin/Gondard (F/F) Lotus Elan (1965)
  7. Orjuela/Garcia (COL/USA) Porsche 911 (1965)
Klassen bis Baujahr 1981

  1. Comas/de Sadeleer (F/CH) Lancia Stratos Gr. 4 (1974)
  2. Beverly/Humphreys (GB/GB) Ferrari 308 Michelotto (1977)
  3. Denat/Denat (CH/CH) Porsche 911 Carrera RSR (1974)
Gleichmäßigkeits-Wertung
  1. Nichoules/Nichoules (F/F) Ford Mustang Mk1 (1966)

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