Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Oldtimerreise Italien

Marken-Kollegen

Italien-Reise Foto: Malte Jürgens 17 Bilder

In altrömischer Zeit Bastion gegen die Einfälle der Griechen, bieten die Marken heute eine herrliche Adria-Küste, unzählige Kulturdenkmale, eine reizvolle Hügellandschaft und jede Menge kulinarische Freuden.

01.09.2010 Malte Jürgens Powered by

Der Genuss, mit einem Oldtimer von Deutschland aus über die Alpen in ein historisch höchst interessantes, aber weder allzu bekanntes noch nervig überlaufenes Stückchen Italien zu reisen, ist kaum zu überbieten.

Ausflug nach Ascoli - eine Stadt, älter als Rom

Die frühsommerliche Fahrt in die Adria-Marken, veranstaltet von Retro Promotion Reisen, spannte die Erwartungen jedenfalls hoch - und wurde ihnen ohne Abstriche auch gerecht. Die Anreise findet entweder mit dem eigenen Oldtimer auf einer frei zu wählenden Route statt oder mit einem von RPR gestellten Klassiker ab Flughafen Rimini. Hauptquartier ist die Villa Piceno in Colle del Tronto, einem kleinen Nest nahe Ascoli - zwischen den Läufen des Tronto und dem Torrente Castellano.

Das historische Haus bietet einen wunderbaren Vier-Sterne-plus-Komfort, mit hervorragender Küche und der Möglichkeit, auch größere Gruppen gleichzeitig und delikat zu bewirten. Die von dort aus startenden Entdeckungstouren sind dann eine Reihe wunderbarer Tagesausflüge.

Der Besuch von Ascoli Piceno etwa wird ein Trip in die mehr als zweitausend Jahre zurückgreifende Geschichte Italiens. Die Bürger von Ascoli reklamieren seit Jahrhunderten, eine Stadt zu bewohnen, die älter sei als Rom. Das lassen natürlich die Römer nicht auf sich sitzen, die auf früheste etruskische Siedlungen am Tiber verweisen, nur, um von den Ascolanern das noch ältere Erbe der Sarazenen und Griechen vorgehalten zu bekommen. Der Literat und Italienkenner Kasimir Edschmid nahm einst versöhnlich Stellung in seiner kundigen Abhandlung über "Alte Städte in den Marken": "Ob Ascoli Piceno tatsächlich älter als Rom sei, bleibe unerörtert. Sowohl Ascolis wie Roms Gründung liegen im Reich der Sagen."

Am Piazza del Popolo grüßt ein Phallus von der Kirche des San Francesco

Während Fermo nördlich von Ascoli wegen seiner Ziegelhäuser als die "rote Stadt" der Marken gilt, ist Ascoli die weiße. Kalkstein und Marmor ergeben hier zwischen den Ziegelbauten einen gebleichten Teint der klassischen Architektur, bis hin zur Piazza del Popolo, an der das weithin gerühmte Art-déco-Café Meletti mit einer rötlich-braunen Fassade einen farbigen Kontrapunkt markiert. Unter seinen Markisen, die zu einem Kaffee einladen, blickt der Gast über den uralten Marktplatz, diagonal zur Kirche des San Francesco mit ihren beiden Türmen.

Von der Helmgalerie des zweiten Turms droht eine seltsame Stele herab, und wer die Fremdenführerinnen danach fragt, erhält zwei sehr unterschiedliche Reaktionen. Die jungen Stadtführerinnen erröten leicht, schauen ein bisschen verlegen nach unten und teilen unter Hinweis auf die spirituellen Kräfte der Stele mit, dass es sich dabei um einen uralten Riesenphallus handele. Die älteren sagen das Gleiche; sie schauen aber hinauf und lächeln dabei sardonisch.

Durch die sibellinischen Berge zum Wallfahrtsort Loreto

Am nächsten Tag geht es in die Sibellinischen Berge, über Aquasanta und Arquata auf der alten Passstraße hinauf zur Forca Canapine, und von dort hinein in die Piano Grande. Auf dieser Hochebene weiden die sibellinischen Rinder, die eine Art Beatles-Frisur tragen und so abgehärtet sind, dass sie nicht einmal im Winter in den Stall gestellt werden.

Die folgende Tagestour führt nach Loreto, dem gerühmten Wallfahrtsort katholischer Pilger. Die Entstehungsgeschichte dieser Kombination aus Heiligtum und Festung ist verwirrend wie die Zündfolge eines Sechzehnzylinders. Einfacher breitet sich da die Legende der Gründung von Loreto aus, dem Heiligtum mit der dreifachen Schale: Die Kathedrale als großer umgebender Prunkbau, darin ein Marmorwürfel, und in dem eine winzige uralte Backsteinruine - das Naza- rener Haus der Heiligen Jungfrau Maria. Engel sollen es aus Syrien herausgetragen haben, nach einem Stopp bei Rijeka dann mitten hinein in ein Lorbeerwäldchen nahe Loreto. So sind Wunder.

Die Spitzenklöpplerinnen von Offida

Näher der handwerklichen Praxis stehen da die Spitzenklöpplerinnen von Offida. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein: In dieser alten Markenstadt zwischen Ascoli und Fermo vererbt sich das Handwerk der Spitzen-Herstellung von der Mutter noch auf die Töchter und deren Töchter. Anschaulich stellt dies eine rührende Gruppe von Bronze-Statuen vor den Mauern des gewaltigsten Stadtturms dar.

Die herrliche Altstadt ist voll von winzigen Ladengeschäften, in denen meist ältere Frauen von früh bis spät klöppeln. Ein hölzerner Schaukasten an der Hauswand neben dem Ladeneingang zeigt alle Muster, die von der Chefin und ihren Helferinnen hergestellt werden. Ein Besuch bei den Klöpplerinnen von Offida rechtfertigt allein schon den Marken-Trip, denn die Orte, an denen dieses stolze, historische Handwerk noch fadennah besichtigt werden kann, sind heute rar.

Natürlich gibt es auf der Marken-Fahrt von RPR auch kulturelle Höhepunkte, die mehr nach Benzin duften als etwa die Spitzen von Offida.

Das Museum von Giovanni in Fermano, bekannt als "La Manovella"

Zwischen all den Fiat, Abarth und Alfa Romeo hat der Besitzer hier eine Sammlung von Fahrrädern der Kleingewerbetreibenden zusammengetragen: Nicht nur Scherenschleifer, Hebammen oder Schneider besaßen einst ihr spezielles Arbeits-Velo, sondern auch Schmiede. Schon mal ein pedalgetriebenes Dreirad mit einer echten Esse auf dem Gepäckträger gesehen? Bei Giovanni steht eines.

Das wunderbare Straßennetz der noch nicht überlaufenen Adria-Provinz macht das Oldtimerwandern dort zusätzlich attraktiv. Statt hupender Landsleute trifft man im Land der Spechte uralte Kultur, und zwar hinter jeder Biegung. Die Kurven der Marken aber sind zahllos.

ReiseveranstalterInfosKontaktdaten
ADACDer Automobilclub wartet mit der „Trentino Klassic“ sowie der „Deutschland Klassik“ mit zwei mehrtägigen Oldtimer- Reisen auf, bei denen, so der Club, das „Autowandern“ auf landschaftlich besonders reizvollen Strecken im Vordergrund steht. Davon herrscht in der zwischen dem Gardasee und den Dolomiten gelegenen Provinz Trento wahrlich kein Mangel. Landschafts- und Kurvenfans sollten sich den Termin der nächsten Trentino Klassik also vormerken: 25. bis 29. August 2010. Der Startschuss der nächsten viertägigen Deutschland Klassik fällt am 24. Juni in Essen, von dort aus geht es durch das Münsterland, Sauerland und das Ruhrgebiet.ADAC, Telefon 0 89/76 76-0; www.adac.de
BoxenstopRainer Klink, Kopf des Tübinger Boxenstop- Museums, bietet seit nunmehr 16 Jahren organisierte Oldtimer-Reisen an. Das Programm für das kommende Jahr hält gleich mehrere Schmankerl bereit, die sich oft gleichermaßen an die Besitzer von Old- und Youngtimern richten. Bereits im April entführt Klink seine Gäste zum „Frühlingslüften“ an den Gardasee (21. bis 25. April), vom 5. bis zum 9. Mai folgt eine Gruppe der Mille Miglia. Die „B.I.G.-Tour“ führt vom 30. Juli bis zum 9. August durch Polen und das Baltikum, während die „Königspässe-Tour“ in den Seealpen stattfindet (25. 9. bis 3. 10.). Ferner werden Busreisen zu vielen Events offeriert.Telefon: 0 70 71/92 90 90; www.boxenstop-tuebingen.de
Classic Event OrganisationMit einem Angebot von insgesamt 13 Touren und Reisen zählt dieser Veranstalter zu den größeren der Branche. Die erste Tour 2010 („Ostern an der Lahn“) findet bereits vom 2. bis zum 5. April statt, es folgen Fahrten durch die Pfalz (30. April bis 2. Mai), zur Mille Miglia (12. bis 16. Mai), durch Thüringen (2. bis 6. Juni) oder in die Dolomiten (20. bis 27. Juni). Italien-Fans dürften weiterhin bei der Lago di Garda-Tour (19. bis 26. September), bei der Parma-Tour (5. bis 12. September) oder bei der herbstlichen Gourmet-Tour durch Südtirol (3. bis 10. Oktober) voll auf ihre Kosten kommen.Telefon 0 64 32/50 86 52; www.classic-event-organsiation.eu
Motor ClassicSüdafrika zählt bei vielen Reisenden nach wie vor zu den absoluten Traumdestinationen. Ein Trip in einem Klassiker zum Kap der Guten Hoffnung oder entlang der Gardenroute dürfte zudem an Eindrücken kaum zu überbieten sein – die perfekte Winterflucht also, wenn die Autos daheim zwischen November und April in den Garagen ruhen. Der in Kapstadt sitzende deutsche Veranstalter Motor Classic verfügt über eine große Flotte an Oldtimern, die man entweder für diverse ausgearbeitete Individualreisen übernehmen kann. Oder man schließt sich der geführten, neuntägigen „Motor Classic Kapstadt Rallye“ an (Termine auf Anfrage).Telefon 00 27/2 14 6173 68; www.motorclassic.co.za.com
CRD-Oldtimer-ReisenDieser in Hamburg sitzende Veranstalter bietet neun mehrtägige Roadbook- Touren in ausgesuchten Old- und Youngtimern an, deren Miete im Reisepreis inbegriffen ist. Die vorbereiteten Touren führen jeweils drei Tage lang durch die Alpenwelt Oberbayerns, durch Mainfranken, die Zugspitzregion oder rund um den Tiroler Achensee. Sechs Tage dagegen dauern die Ausseer Land-Tour oder die Fahrt durch die Bergwelt rund um Meran. Lust auf Luxus? Dann käme vermutlich die viertägige „Engadin- Genießer-Tour“ in Frage. Alle Reisen lassen sich jederzeit zwischen Mai und Oktober durchführen.Telefon 0 40/3 00 6160; www.crd-oldtimerreisen.de
Classic-Car-EventsDas in Köln ansässige Unternehmen bietet zahlreiche Touren (vier bis fünf Tage) und Reisen (bis zu sieben Tage) an. Beispielhaft seien hier die Mecklenburger- Seen-Classics (13. bis 16. 5.), die Allgäu-Bodensee-Classics (5. bis 8. 8.) oder die erstmals stattfindende Swiss- Classics (13. bis 17. 10.) genannt. Zu den Klassikern im Programm zählen zweifelsohne die Tirol-Classics (21. bis 26. 9.) sowie die Toskana-Touren (letztere sind für 2010 bereits ausgebucht). Sie besitzen keinen eigenen Oldtimer? Kein Problem: Der Veranstalter verfügt über eine Flotte von 32 gepflegten Mietfahrzeugen.Telefon 0 22 02/ 2 93 48 74; www.classic-car-events.de
Classic Car HighlightsMit jeweils zwei großen, geführten Reisen pro Jahr haben sich Marc Indefrey und Theo Sprenger seit ihrer ersten Tour im Jahr 2005 bereits einen guten Namen in der Szene gemacht. 2010 geht es vom 23. Mai bis zum 4. April nach Irland. Klar, dass dabei eine der schönsten Küstenstraßen Europas – der „Ring of Kerry“ – auf dem Programm steht. Tour Nummer zwei führt einmal rund um die Ostsee und lässt dabei keine der attraktiven Hauptstädte aus: Vilnius, Tallin, Helsinki, Stockholm und Kopenhagen. Die Reise findet vom 1. bis 17. August statt. Das Mindestalter für die eigenen Fahrzeuge beträgt 30 Jahre.Telefon 0 44 51/9 61 79 10; www.classic-car-highlights.com
Mille Fiori2010 steht die bereits vierte Ausgabe der vom Stadtmarketing Konstanz organisierten „Mille Fiori“ auf dem Programm. Mille Fiori – 1000 Blumen – deshalb, weil sich Start und Ziel dieser viertägigen, touristisch orientierten Alpenfahrt auf der Blumeninsel Mainau befinden. Diesmal führt die Strecke via St. Moritz und Bozen bis in die Dolomiten – genau das Richtige für verwöhnte Kurvenfans, die viel Wert auf stilvolles Reisen legen. Das Starterfeld ist auf 50 Fahrzeuge begrenzt. Der Termin: 1. bis 4. September. Der Tipp für unerschrockene Winterfahrer: Vom 26. bis zum 28. Februar findet ab Konstanz die „Seegefrörne“ statt.Telefon 0 75 31/2 82 48-13; www.mille-fiori-konstanz.de
NostalgicDer Münchner Reiseveranstalter Nostalgic verfügt nach eigenen Angaben über die weltweit größte Sammlung klassischer Alfa Romeo Spider, mit denen die insgesamt sechs Touren ausschließlich durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um Komplettarrangements mit Reiseleitung, bei denen viel Wert auf eine gehobene Lebensart gelegt wird. Die Touren führen jeweils vier Tage lang durch die Toskana (29. April. bis 2. Mai; 1. bis 4. Juli; 2. bis 5. Mai), rund um den Lago Maggiore (24. bis 27. Juni), durch Südtirol (8. bis 11. Juli), durch Bayern (15. bis 18. Juli), entlang der Cote d‘Azur (30. September bis 3. Oktober) und durch Sizilien (28. bis 31. Oktober).Telefon 0 89/5 45 40 60; www.nostalgic.de
Raid„Raid des Grand Palaces“ nennt sich die vermutliche exklusivste Art, durch die schweizer und italienischen Alpen zu reisen. Bei dieser viertägigen Luxus-Tour, die von dem Veranstalter des „Winter Raid“ und des „Raid Suisse - Paris“ organisiert wird, genießen die Teilnehmer unter anderem ausschließlich beste Hotels, eine gehobene Sterne-Küche sowie ein exklusives Mozart-Konzert. Der Startschuss fällt am 1. Juli in St. Moritz, von dort geht es über diverse Pässe zum Comer See, wo die Gruppe die Villa d‘Este besucht. Die Route führt über Cortina d‘Ampezzo schließlich wieder zurück nach St. Moritz. Zugelassen sind Automobile bis Jahrgang 1975.00 41/6 13 0138 95; www.raid.ch
Umfrage
Trauen SIe ihrem Klassiker die Strapazen einer Reise von mehr als 1.000 Kilometern zu?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige