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Mit dem Opel Adam Rocks durch Island

Mit Spikes auf dem Highway der Einsamkeit

Opel Adam Rocks, Impression, Reise, Island Foto: Dani Heyne 21 Bilder

Kaum eine Straße liegt so malerisch in einer echten Winterlandschaft – und ist dabei so einsam – wie die Ringstraße in Island. Wir entdecken sie mit einem Opel Adam Rocks auf Spikes.

19.05.2016 Dani Heyne 1 Kommentar

Acht Uhr morgens, der Himmel ist noch schwarz wie der Kaffee. Zwei Tassen braucht’s, sonst fährt der Körper nicht hoch. Die Bauarbeiter am Nebentisch kennen den Trick. Schmatzend schieben sie sich reichlich Toastbrot mit Marmelade unter die Nase und spülen mit Nervengift nach. "Was treibt euch in diese gottvergessene Gegend?", rufen sie müde herüber.

"Die eisige Einsamkeit", denken wir. Antworten aber mit: "Wir testen ein kleines Auto im echten Winterbetrieb." Nach dem Satz sind alle wach. "Ihr testet ein Auto – was für eins?" Wir bewegen die Köpfe Richtung Feldsteinwand, die in der Mitte ein weißes Holzfenster trägt. Zwischen Eisblumen hindurch kann man ihn stehen sehn, den hellblauen Opel Adam Rocks. Etwas verloren wirkt er mit seinen 1,50 Metern Höhe zwischen zwei ballonbereiften Geländewagen. "Ganz schön kurz, das Teil", witzelt einer der Männer und fragt: "Hat der Allrad?"

4x4 ist nicht 16, sondern Pflicht

Zu dieser Frage kommt es auf der größten Vulkaninsel der Welt irgendwann immer, wenn es um Autos geht. Ist ja auch verständlich, da noch nicht einmal alle Hauptstraßen ein anständiges Teerkleid tragen. Daher fährt man hier entweder klassische Geländewagen oder neumodische SUV – natürlich immer mit Allradantrieb.

Opel Adam Rocks, Impression, Reise, IslandFoto: Dani Heyne
Ohne Spike-Reifen sollte man sich nicht auf die vereisten Straßen Islands begeben.

"Nein, der hat keinen Allrad", antworten wir und erzählen von den ersten 1.000 Kilometern durch den Süden Islands, auf denen sich der Opel tapfer geschlagen hat. Er kämpfte gegen fiese Böen, die an manchen Tagen so stark wehen, dass sie Autos und Busse einfach umschmeißen. Deshalb gibt’s elektronische Warntafeln. Unbedingt beachten! Außerdem kroch er durch einen Schneesturm, blieb fast in einer fiesen Schneewehe stecken und tänzelte mehrfach gefährlich mit dem Heck durch tiefe Fahrrinnen im Eis. Trotz Spikereifen, die hier wirklich überlebensnotwendig sind.

Opel Adam Rocks wappnet Spikes und Offroad-Look

Nach einer kurzen Stille verabschieden sich die Männer: "Viel Glück bei dem Abenteuer!" Wie genau die Idee entstanden ist? Es war mehr so eine Ahnung, dass Island im Winter abenteuerlich schön werden könnte. Zum einen gibt’s kaum Touristen – im Sommer fallen ja mittlerweile über eine Million ein –, zum anderen eine beeindruckende Landschaft mit echtem Winterwetter dazu. Sowas kennen wir ja nur von Erzählungen. Und tatsächlich empfangen uns zweistellige Minustemperaturen, meterhoher Schnee und eisglatte Straßen.

Ein Viermalvier-Alleskönner hätte diesem Roadtrip jeglichen Reiz genommen, bei Lotto heißt es ja auch nicht 49 aus 49. Der kleine Opel Adam Rocks passt perfekt, da er nur Vorderradantrieb besitzt, aber mit Kunststoff-Beplankungen an den Radhäusern und der erhöhten Bodenfreiheit voll auf Großstadt-Cowboy macht. Mal sehen, wie er sich auf der Inselumrundung anstellt. Zudem besitzt er keinerlei Heimvorteil, es gibt ihn in dieser Version in Island nicht zu kaufen.

Kaum Neuwagen in Island

Generell sind kleine Dreitürer hier so selten anzutreffen wie Porsche. Was mit dem Markt und den Straßenbedingungen zu tun hat: Nach der Wirtschaftskrise 2009 brachen die Neuwagenverkäufe um 90 Prozent ein, seitdem erholt sich alles nur langsam. Immerhin zählten die Verkäufer im vergangenen Jahr 12.000 frisch zugelassene Schlitten. Die meisten hatten zwei angetriebene Achsen und reichlich Bodenfreiheit.

Opel Adam Rocks, Impression, Reise, IslandFoto: Dani Heyne
Driftmodus? Hat er! Wird mit einem kurzen Zug an der Handbremse aktiviert.

Das ist übrigens das einzige Handicap des Adam Rocks: seine Bodenfreiheit. Mit fünf Zentimetern mehr Luft unter der Ölwanne könnte ihn hier wenig aufhalten. Zum Beispiel alle herausfordernden Passagen der Ringstraße: Manchmal verwandeln sich normale Straßenabschnitte in eisige Offroadparks. Weil sich das Wetter im Viertelstundentakt dreht und der Winterdienst auf den großen Strecken nicht hinterherkommt. Er schiebt den Schnee dann nur zur Seite. Enteist werden die Straßen nicht. Wozu gibt’s schließlich gute Spikereifen.

Die Natur ist stärker als alles andere

Und dann wäre da noch die innere Einstellung der Bewohner. Nur rund 330.000 Menschen leben auf Island – davon im Sommer mehr als ein Drittel, im Winter gut die Hälfte in Reykjavik. Viele haben eine klare Einstellung zu Naturgewalten. Wie die Chefin einer Eismarke, die uns vom letzten harten Winter erzählt, der die Straße zu ihrer Fabrik für Tage unpassierbar machte. Anstatt eine Schneefräse zu bestellen, machte sie den Laden dicht. So lange, bis das Wetter sich beruhigt hatte. Warum? Weil die Natur stärker ist. Interessanter Ansatz.

Als der Opel Adam Rocks die Ringstraße Richtung Westfjords verlässt, hat er die malerischen Steilküsten bereits passiert. Ab jetzt werden die Straßen schmaler, das Tempo geringer, ist Gegenverkehr noch seltener als bisher schon. Es liegt noch mehr Schnee, der ab und an auch den Unterboden des Autos kitzelt. Vor der Windschutzscheibe schmiegt sich die Straße liebevoll an all die kleinen und großen Fjorde. Links das Meer, rechts die Berge. Von oben betrachtet ähnelt der nordwestliche Zipfel Islands übrigens einem Krebs, der seine Schwerter ausgeklappt hat. Die Straßen verlaufen in diesem Umriss.

Das ursprüngliche Island

Während der Süden des Landes den größten Gletscher beherbergt und von heftigen Stürmen geplagt wird, die manchmal sogar den Verkehr zum Erliegen bringen, ist der Norden einsamer und weniger erschlossen. Entsprechend erfreut stoppt uns mitten im Nirgendwo ein bärtiger Typ in einem dicken Rentierpullover. Er sitzt hoch oben in einem Radlader und schaut amüsiert auf den Opel: "Was macht ihr denn damit hier?" Begeistert hört er sich unser Abenteuer an und kann natürlich nicht an sich halten: "Hat der Zwerg tatsächlich Allrad?"

Opel Adam Rocks, Impression, Reise, IslandFoto: Dani Heyne
"Was macht ihr denn damit hier?" fragt uns ein bärtiger Typ auf einem Radlader irgendwo im nirgendwo.

Wir lachen, verneinen und erfahren, wie oft er die Straßen vom Schnee befreit. "Den ganzen Winter bin ich hier, arbeite mich durch all die Fjorde. Dieses Jahr kam der Winter erst spät zu Besuch, dafür wird er vermutlich lange bleiben. Im vergangenen Juni gab es noch Straßen, tief verschneit. Das Klima ändert sich auch hier."

2.300 Kilometer Glück mit dem tapferen Adam

Als der XL-Radlader im Rückspiegel verschwindet, färbt sich der Himmel rot ein. Der Blick schweift über die lange Gerade und verfängt sich am glühenden Horizont. Fast 2.300 Kilometer hat der Opel Adam Rocks problemlos abgespult.

2.300 Kilometer ohne Stress, ohne Stau, ohne Ampeln, ohne Drängler. Erst jetzt merken wir, wie wohltuend dieser Winter alles dämpft und zudeckt, was stören könnte. Entsprechend leise verläuft die Reise über den Highway der Einsamkeit. Nur die Spikes surren leise. Selten hat uns ein Roadtrip so berührt – obwohl oder gerade weil es nicht ums Tempobolzen ging. Sondern nur um eine eisige, große Insel und ein kleines, tapferes Auto.

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Respekt, mit 'em Adam im Winter in die Westfjorde... Und ja, windig kann es auch mal sein, da muss man aufpassen, dass die Autotüren beim Öffnen nicht aus den Angeln gerissen werden. Zumal nicht um jeder Ecke 'ne Werkstatt ist. Interessant wäre noch die Info, wie schnell ihr unterwegs ward; Vmax 60 km/h?
Ich kann den Bericht und die Eindrücke nachvollziehen. Als wir, nach einigen Wochen (mit nem Jimny), wieder in Frankfurt gelandet sind, wäre ich am liebsten im Flieger sitzengeblieben und mit zurück geflogen. Da erfährt man "pure life".
Ähnlich, wie die Schliessung der Fabrik, verhält es sich mit den Schulen. Da das Land so dünn besiedelt ist, kann da im Winter auch mal die Schule ein paar Tage ausfallen, da niemand hinkommen kann (wobei diese auch entsprechende Übernachtungsmöglichkeiten bieten). Und niemand kümmert's. Die Verhältnisse sind halt extrem.
Ein Rat, den ich von einem echten Wikinger erhalten habe, lautet:
"Du brauchst immer einen Plan "B""

Mein Malle heißt Island!

Tommy Hubraum 19. Mai 2016, 18:53 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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