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Elektroauto Opel Ampera-e (2017)

Platz für 5 und Tesla-Reichweite zum Opel-Preis?

Opel Ampera-e Foto: Katrin Denkewitz 68 Bilder

Das Elektroauto Opel Ampera-e debütierte auf dem Pariser Salon. Der Kleinwagen hat Platz wie ein Kompaktauto und eine Praxis-Reichweite fast wie ein Benziner. Im Frühjahr 2017 kommt er auf den Markt – zu einem Preis von unter 40.000 Euro.

23.11.2016 Gerd Stegmaier 28 Kommentare

Kein Wunder, dass der mit dem Chevrolet Bolt nahezu baugleiche Opel Ampera-e bei seinem Debüt auf der französischen Messe einschlug wie der Blitz. Denn mit einer NEFZ-Reichweite von mehr als 500 Kilometer schlägt er die Konkurrenten im Segment um mindestens 100 Kilometer. Selbst die Reichweite nach dem deutlich praxisnäheren WLTP-Zyklus soll bei gut 380 Kilometer liegen. Und auch wenn die Tests und die offizielle Zertifizierung noch nicht ganz abgeschlossen sind, ist das ein Riesenbrett und dürfte dieses Elektroauto auf ein ganz neues Level der Gebrauchstüchtigkeit heben.

Der Ampera-e entspringt einer gemeinsamen Entwicklung mit dem Chevrolet Bolt, der in den USA schon auf den Markt rollt. Und für den gibt GM seit kurzem 383 Kilometer Reichweite in der Praxis an (nach dem anerkannt harten EPA-Zyklus, der keine Rekuperation zulässt).

Opel Ampera-e
Das Elektroauto aus der Nähe und von innen 46 Sek.

Zum Vergleich: Der BMW i3 etwa schafft nach dem Batterieupdate auf 30 kWh gerade mal 300 Kilometer – nach NEFZ. Auch VW will den e-Golf auf dieselbe Reichweite updaten – im Frühjahr 2017, wenn der Opel mit 500 Kilometer auf den Markt kommt.

Mit mehr als 380 km Reichweite unter Realbedingungen räumt der nur 4,17 Meter lange Opel den Standardvorbehalt gegenüber der Alltagstauglichkeit von E-Autos aus. Zumal er an 400 Schnellladestationen, die es laut Bundesregierung ab Ende 2017 geben soll, 150 zusätzliche Kilometer in 30 Minuten tanken können soll.

Eine volle Ladung seiner 60 kWh-Batterie dürfte für die meisten Pendler aber eher eine ganze Woche lang reichen. Auf ordentliche Fahrleistungen müssen die aber nicht verzichten: Der Elektromotor liefert 360 Newtonmeter und 204 PS. Von null auf 50 km/h beschleunigt der kleine, aber gut 1,6 Tonnen schwere Elektro-Opel in 3,2 Sekunden, der Zwischenspurt von 80 auf 120 soll in 4,5 Sekunden gelingen. Die Zeit für den Standardsprint dürfte wie beim Bolt unter 8 Sekunden liegen. Die Höchstgeschwindigkeit ist allerdings auf 150 km/h beschränkt.

01/2016 Chevrolet Bolt EVFoto: Chevrolet
Die Batterie des Chevrolet Bolt ist mit der des Ampera-e identisch und hat 60 kWh Kapazität.

Selbst innen verlangt der Ampera-e von seinen Passagieren keinen Verzicht. Mit 4,17 Meter ist der Ampera-e 18 Zentimeter länger als etwa der i3. Seine mit 60 kWh doppelt so große Batterie hat auf 2,6 Meter Radstand zwischen den Achsen im Fahrzeugboden Platz und erlaubt so nicht nur eine für einen Fronttriebler vergleichsweise ausgewogene Gewichtsverteilung von 46 zu 54 (vorne), sondern auch einen geräumiges Interieur.

Sitzprobe zeigt gutes Platzangebot


Dank 1,59 Meter Höhe gelingt der Einstieg problemlos. Das Layout mit dem kompakten E-Motor im Bug gewährt vorn viel Bewegungsfreiheit. Für Kopf und Schultern gibt es jede Menge Platz und dank der hohen Sitzposition genießt der Fahrer eine gute Übersicht nach vorne, beim Blick zur Seite fällt die breite B-Säule auf, beim Umschauen geraten die kräftigen C-Säulen und die schmale Heckscheibe in den Blick.

Die Beine haben viel Bewegungsfreiheit, weil der Boden flach und die Mittelkonsole vorne schmal ist. Der Gangwahlhebel sitzt ein wenig zu weit hinten, aber oft braucht man ihn ja nicht angesichts der Eingangautomatik des E-Antriebs. Auch das Fach dahinter stört, weil es ein wenig hoch geraten ist. Dafür fasst es ein iPad hochkant, das dort auch stehend bleiben und geladen werden kann, wenn eine herausnehmbare Schale darüber für Kleinkram eingelegt wird. Und das angenehm dicke Lenkrad fühlt sich schön griffig an.

Die digitalen Instrumente vor dem Lenkrad mit dem Blitzlogo sind gut ablesbar, der Touchscreen auf der Mittelkonsole richtig stylish, die Kunststoffe drumherum weniger. Unter dem zentralen Touchscreen gibt es glücklicherweise konventionelle Knöpfe und Regler für die Klimaanlage. Die Bedienelemente kennt, wer mal Insignia gefahren ist.

Viel Knieraum hinten

Im Fond wartet eine ebenfalls recht hoch positionierte Sitzbank auf bis zu drei Passagiere, die überall ausreichend Kopffreiheit vorfinden. Sitzen zwei Erwachsene auf den Außenplätzen, dann gleicht die Schulterfreiheit auf dem Mittelplatz der Economy-Klasse im Flieger. Der Knieraum aber schlägt das Platzangebot jeder Airline um Welten. Auch 2-Meter-Staturen dürften nicht mit den Lehnen der Vordersitze in Berührung kommen; diese bauen übrigens besonders dünn, weil sie den Insassen statt mithilfe eines Polsters mittels einer gefederten Kunststoffplatte eine weiche Oberfläche bieten. Nur beim Aussteigen müssen sehr groß Gewachsene den Kopf einziehen, weil der Türausschnitt oben recht früh aufhört und zudem nach hinten abfällt.

Dafür lässt die Verbundlenkerkonstruktion der Hinterachse einen tiefen Kofferraum zu, der 381 Liter schluckt. Der klappbare Boden sorgt für ein Niveau mit der Ladekante und den Lehnen der umgeklappten Sitze. 1.270 Liter sollen so in den dann zweisitzigen E-Opel passen. Die Gepäckraumabdeckung aus Stoff genügt wahlweise dem Bemühen um Leichtbau oder wirkt windig. Aber der Qualitätseindruck ist seit dem Prototyp von Paris erheblich besser geworden. Die Sitze wirken trotz der gefederten Platte in der Lehne bequem, ihr Leder fühlt sich ordentlich an. Und unser Demo-Auto hatte sogar hinten Sitzheizung.

Dafür kein Navigationssystem. Denn in der Serie soll das Intellilink-Infotainmentsystem Smartphones per Apple Carplay und Android Auto koppeln. Ob deshalb oder weil Ihnen das Problem leerer Telefon-Akkus beim E-Auto geläufiger war, haben die Ingenieure vorn und hinten je zwei USB-Buchsen vorgesehen.

Vom Bordnetz aus kann Opel Onstar einen Notruf absetzen sowie per WLAN-Hotspot bis zu sieben Endgeräten einen Internetzugang bereitstellen.

Den digitalen Rückspiegel bekommt der Ampera-e (vorerst) nicht. Im Bolt gewährleistet ein Kamerasystem den Blick nach hinten. Sein Bild zeigt im Bolt auch der Rückspiegel, weitere Kameras ergänzen dieses Bild zu einer 360 Grad-Überwachung.

Vorne leuchtet Aber auch der Ampera-e mit LED-Schweinwerfern die Straße aus.

Opel Ampera-e Foto: Katrin Denkewitz
Im Fond sitzen reichen Kopf- und fußraum auch für Größere.

Preis des Opel Ampera-e – mehr Reichweite fürs gleiche Geld?

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann sagt: „Mit dem Ampera-e bringt Opel ein hundertprozentig alltagstaugliches Elektroauto auf den Markt. Es bietet eine große Reichweite und wird schon im Frühling nächsten Jahres erhältlich sein. Der Opel Ampera-e ist kein Öko-Luxus, kein Spielzeug, kein reiner Zweitwagen. Opel zeigt, dass dank innovativster Technologie Elektromobilität auch für ein viel breiteres Publikum erreichbar ist – Opel demokratisiert mit dem Ampera-e das Elektroauto.“

Ob das gelingt, hängt natürlich maßgeblich vom Preis ab. Dazu schweigen sie in Rüsselsheim noch eisern. Der Bolt kostet in den USA nur 37.500 Dollar (etwa 34.000 Euro), allerdings geht davon die in Amerika 7.500 Dollar (6.700 Euro) hohe E-Auto-Föderung ab.

Vielleicht ist deshalb ein Blick auf wichtige Ampera-e-Konkurrenten hilfreicher: 36.150 Euro kostet der BMW i3 als reines Elektroauto mit der größeren Batterie und 300 Kilometer Reichweite (nach NEFZ). Die gut 500 Kilometer Reichweite des Ampera-e würden einen gewissen Aufschlag rechtfertigen, aber zur 40.000-Euro-Grenze werden die Rüsselsheimer zumindest einen kleinen Abstand halten. Wenn die E-Auto-Förderung weiter so zögerlich genutzt wird, dürften im Frühjahr 2017 für den einen oder anderen Elektro-Opel auf jeden Fall noch 4.000 Euro Prämie übrig sein. Zwischen 34.000 und 36.000 Euro wäre dann wohl ein realistischer Preis-Tipp (nach Abzug der Prämie). Mal sehen, ob das zur Demokratisierung des E-Autos reicht.

Neuester Kommentar

Faszinierend, was hier für Kommentatoren unterwegs sind. Da würden wir also in einem Autopolizeistaat leben, wenn wir nicht wie bisher rasen dürfen, bis der Arzt kommt (und den Totenschein ausstellt). Da würden wie in einer ökofaschistischen Utopie leben, wenn wir nicht in 2 Minuten volltanken können. Beiden Kommentatoren sollte eines klar sein: wenn wir so weitermachen, wie bisher, landen wir tatsächlich in einer ökofaschistischen Diktatur. Warum nicht mal ein weitreichendes Elektroauto bauen, was trotzdem Kleinwagen ist und eben nicht 150km/h fährt, sondern auch mit 120km/h auskommt, was aufgrund seiner Ausstattung nicht 1,6 Tonnen wiegt (ja, ich weiß, die Batterie), was eben nicht 1,58m hoch ist, um leichter einsteigen zu können. Selbst bei einer Wende zur e-Mobilität sollte jedem klar sein, dass auch die "grüne" Mobilität nicht die Antwort auf unsere Ressourcenprobleme sein kann. Ich empfehle jedem Autofahrer, mal einen Vortrag von Niko Paech unter youtube anzusehen.

Optimistikus 3. Dezember 2016, 20:47 Uhr
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