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Opel Ampera-e gegen Smart Forfour electric drive

Erster Vergleich der Elektro-Autos mit 2. Sitzreihe

Sitzprobe Gerd Stegmaier Opel Ampera E Foto: Stefan Baldauf 38 Bilder

Die Elektro-Autos Smart ForFour ed und Opel Ampera-e sind beide ab 2017 zu kaufen und haben mindestens Platz für Vier. Aber dann hören die Gemeinsamkeiten schnell auf, wie ein erster Vergleich auf dem Pariser Salon zeigt.

03.10.2016 Natalie Diedrichs 6 Kommentare

Die Unterschiede fangen schon beim Antrieb an: Der Ampera trägt seinen Motor vorne und der treibt die Vorderachse an. Dementsprechend dürften die Fahreigenschaften auch denen eines Fronttrieblers entsprechen. Die Batterie ist unterflur verbaut, was für einen niedrigeren Schwerpunkt und mehr Platz im Innenraum sorgen soll. Dort können im Ampera fünf Leute Platz nehmen, auch wenn es im voll besetzen Fond etwas kuschelig wird. Beim Smart befinden sich Motor und Antrieb im Heck, die Batterie steckt ebenfalls unter dem Innenraum, aber wie der Name schon andeutet, kann er nur vier Personen mitnehmen. Der gestreckte Zwerg ist mit einem Wendekreis von 8,65 Metern jedoch wesentlich wendiger als der Ampera, dessen Ausmaße ungefähr denen des beinahe baugleichen Chevrolet Bolt entsprechen. Dieser dreht sich innerhalb von 10,80 Metern.

Der Smart Forfour hat hinten nur Notsitze

Dafür ist der Ampera-e mit 4,17 Metern Länge, 1,77 Metern Breite und 1,59 Metern Höhe ein gutes Stück größer als der Smart, der entsprechend 3,50 Meter, 1,67 Meter und 1,55 Meter misst. Das schlägt sich natürlich im Platzangebot nieder. Vor allem hinten ist der Knieraum auf längeren Fahrten nur Kindern zuzumuten. Passt trotzdem irgendwie – besonders lang am Stück wird der Elektro-Smart allein schon seiner Reichweite wegen nicht unterwegs sein. Die zehn Zentimeter geringere Breite des Smart kostet außerdem den dritten Platz im Fond.

Der Knieraum im Fond ist hingegen richtig üppig, die Sitzposition angenehm hoch und bequem, die Kopffreiheit macht auch groß gewachsenen Passagiere hinten kein Probleme. Keine Frage: Der Opel ist ein vollwertiges Auto, auch für mehr als Zwei. Nur wenn der dritte Platz im Fond des Ampera-e belegt ist, wird’s auch dort kuschelig, so dass man zu fünft nicht unbedingt die gesamte Reichweite ausnutzen möchte.

Im Kofferraum des Opel lässt sich erheblich mehr verstauen als im Smart. Mit 381 Litern bietet er Kompaktklasseformat. Kein Problem auch für größere Einkäufe sowie das eine oder andere Gepäckstück. Der Smart schluckt mit 185 Litern nicht mal halb so viel. Die Fläche ist so knapp, dass selbst ein Getränkekasten keinen Platz findet, wenn die Rückbanklehnen stehen bleiben. Selbst auf der kurzen Fahrt zum Großeinkauf sollte sich der Smart-Besitzer entscheiden, was er mitnehmen will: möglichst viele Passagiere oder möglichst alle Getränke.Praktisch hingegen: Die Sitzfläche im Fond lassen sich umdrehen und absenken. Das schafft Platz, um Sperrgut von einem Meter Höhe stehend zu transportieren.

Sitzprobe Gerd Stegmaier Opel Ampera EFoto: Stefan Baldauf
Der Fond des Opel Ampera-e bietet richtet viel Knieraum und ausreichend Kopffreiheit.
Sitzprobe Gerd Stegmaier Opel Ampera E
Sitzprobe im E-Auto mit Reichweite-Versprechen 1:58 Min.

Was die Qualitätsanmutung angeht, haben beide Elektroautos ein vergleichsweise niedriges Niveau: Viel Plastik in beiden Cockpits und je nach Ausstattungslinie des Smart teilweise sehr unangenehm riechendes Kunstleder sorgen nicht gerade für ein behagliches Ambiente. Aber auch Opel könnte stellenweise vor allem gemessen am zu erwartenden Preis noch nachbessern.

Opel Ampera-e mit deutlich größerer Reichweite als Smart ForFour e.d.

Richtig spannend wird es aber erst, wenn man die Reichweiten der beiden Autos miteinander vergleicht: Hier macht Opel bei dem Ampera-e eine Ansage, auch wenn die gut 500 Kilometer nach NEFZ in der Praxis nur schwer zu erreichen sein dürften. Im Alltagsbetrieb kann er aber tatsächlich die 400-Kilometer-Marke knacken. Da dürfte der Smart mit seinen 160 Kilometern theoretischer Reichweite (nach NEFZ) bereits 270 Kilometer zuvor mit leerer Batterie ausgerollt sein. Auf Kurzstrecken in der Stadt stört das freilich wenig – längere Ausflüge oder kleinere Urlaubsreisen passen aber nicht zum Smart, weil er zu oft an die (Schnell)ladestation muss.

Für die stattliche Reichweite soll beim Opel eine zeitgemäße Batteriekapazität von 60 Kilowattstunden sorgen. Dagegen wirken die 17 Kilowattstunden, die der Smart fasst, eher läppisch. Auch was die serienmäßigen Möglichkeiten der Ladevarianten angeht, steht der Ampera besser da: Dieser ist nämlich bereits in der Basisversion mit einem Schnellader ausgestattet, womit sich die Batterie in unter einer Stunde wieder nahezu aufladen lässt. Den Strom für 150 Kilometer Fahrtstrecke hat der Ampera in nur 30 Minuten geladen. Beim Smart gibt es das nur optional, ansonsten kann man entweder die Haushaltssteckdose oder eine Wandladestation nutzen.

Smart Forfour 0.9, FondsitzFoto: Rossen Gargolov
Im Smart (hier der Benziner) geht es hinten deutlich enger zu.

Opel Ampera-e ist schwerer, aber erheblich schneller

Was das Gewicht angeht, so ist der Ampera wegen seiner üppigeren Ausmaßen eine ganze Ecke schwerer als der smarte Viersitzer: Hier stehen 1.650 Kilogramm gegen gut 1100 Kilogramm. Mit seinen 81 PS und 160 Newtonmetern bringt es der Smart auf eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, mehr als ausreichend für urbane Räume. Der Ampera bringt dank seiner 204 PS und seinen 360 Newtonmetern 155 Stundenkilometer auf den Tacho. Für längere Autobahnfahrten bei Höchstgeschwindigkeit sollte man dann aber sicherlich mehr Ladestopps einplanen, starke Beschleunigungen werden ebenso einiges an Reichweite kosten. Wer darauf aber nicht unbedingt achten muss, könnte es im Ampera in unter acht Sekunden von Null auf Hundert schaffen. Beim Smart dagegen dauert es wesentlich länger: Erst nach 12,7 Sekunden hat er Landstraßentempo erreicht.

Entscheidend – der Preis. Was kostet das Elektroauto (mehr)?

Der zweite wichtige Aspekt, der ein Elektroauto für den Massenmarkt attraktiv macht, ist neben der Reichweite natürlich der Preis. Wie viel der Ampera kosten soll, hat Opel noch nicht bekannt gegeben. Unternehmenskreise sprechen von einem „Betrag, der eine breite Käuferschicht anspricht“. Vermutlich wird er aber nicht so günstig wie sein amerikanisches Schwestermodell Chevrolet Bolt (umgerechnet ca. 35.000 Euro). Derzeit muss man eher mit 38.000 bis 40.000 Euro (34.000 bis 36.000 Euro nach Abzug der E-Auto-Förderung) rechnen.

Smart Forfour 0.9, Fondsitz, BeinfreiheitFoto: Achim Hartmann
Punkten kann der Smart (im Bild der Benziner) mit seiner Karosserievariabilität.

Der Smart ist erheblich günstiger. Ihn wird es ab 22.600 Euro zu kaufen geben. Er kommt aber trotz Viersitzigkeit vor allem als Zweitwagen in Frage. Der Aufpreis gegenüber einem (vergleichbar motorisierten) 90-PS-Benziner beträgt ausstattungsbereinigt rund 8.000 Euro, abzüglich der Prämie also zirka nur 4.000 Euro.

Beim Ampera-e ist der Abstand zu einem von Fahrleistungen und Platzangebot durchaus vergleichbaren (bis auf Höchstgeschwindigkeit und Innenraumbreite) Astra 1,4 Di Turbo mit 150 PS geschätzt zwischen 14.000 und 18.000 Euro groß, nach Abzug der Prämie also noch 10.000 bis 14.000 Euro.

Solange die E-Auto-Prämie gezahlt wird, tendiert der Aufpreis beim Ampera-e also eher Richtung 50, beim Smart Richtung 33 Prozent. Trotzdem könnte es aber gerade der Prämie wegen beim Ampera-e reichen, den Elektro-Opel zu einem echten „Gamechanger“ zu machen, weil er für viele Kunden das Potenzial zum Erstauto hat, das dem Smart abgeht.

Beide Modelle kommen im Frühjahr 2017 auf den Markt.

Fazit

Die beiden neuen deutschen Elektroauto-Angebote könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Smart ist, obwohl es ihn jetzt auch mit Fond (und als Cabrio) gibt, eher pragmatisches Stadtauto mit vergleichsweise wenig ambitionierter Technik (aus dem Vorgänger) und entsprechend geringer Reichweite. Immerhin bringen die kürzeren Ladezeiten für den anvisierten Einsatzzweck Fortschritte. Und car2go Nutzer können vielleicht bald mehr Passagiere mitnehmen.

Der Ampera-e hingegen könnte Anspruch auf den Platz als Erstauto auch in Familien erheben. Reichweite, Platzangebot und Fahrleistungen qualifizieren ihn zu gelegentlich weiteren Ausflügen. Allenfalls die Urlaubsfahrt an die Adria dürfte trotz Rekord-Reichweite Konzessionen erfordern. Ladestopps und Reisegeschwindigkeit sorgen dann zumindest für einen gewissen Planungsaufwand.

Neuester Kommentar

Zum einen geht bei einem E-Auto weniger kaputt als bei einem Verbrenner. Zum anderen können Sie einfach mal im Internet suchen, wie gut sich die Batterien der Chevrolet Volt/Opel Ampera halten. Da gibt es einige mit vielen Ladezyklen.

Und ganz ehrlich: Soll ich mir statt dessen "DAS AUTO" vor die Türe stellen, wo mir nach 30tkm das DKG um die Ohren fliegt und nach 50tkm die Steuerkette? Und ich dann vom Händler als Einzelfall abgetan werde?

Natürlich ist der Ampera-e nichts für jeden. Genauso wenig wie es das erste iPhone war. Hätte es aber das iPhone nicht gegeben, gäbe es kein iPhone 7 (und auch kein Samsung Galaxy). Kein Grund also, hier ein E-Auto kaputtzuschreiben.

Hintenrum 5. Oktober 2016, 08:35 Uhr
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