Opel-Chef Thomas Sedran im Interview: "Rund 16.000 Bestellungen für den Adam"

Thomas Sedran

Opel-Chef Thomas Sedran über die Chancen der Marke mit dem neuen Opel Adam, über die Zusammenarbeit mit Peugeot und zu den Perspektiven für die Mitarbeiter in Bochum.

Der neue Opel Adam feierte seinen Produktionsstart in Eisenach. Welche Hoffnungen setzen Sie auf den Kleinwagen?

Sedran: Wir haben große Erwartungen an unseren Adam. Entwickelt in Rüsselsheim, gebaut in Eisenach - und damit als einziger Wagen seiner Klasse aus deutscher Produktion. Dafür investieren wir 190 Millionen Euro in Eisenach. Wir haben schon heute rund 16.000 Bestellungen für den Adam. Obwohl er offiziell erst ab 19. Januar im Handel steht.

Sie waren gerade wieder in Bochum, wo ab 2016 die Autoproduktion enden wird. Was empfinden Sie persönlich?

Sedran: Natürlich ist es nicht einfach, wenn man den Mitarbeitern mitteilen muss, dass dort in Zukunft keine kompletten Autos mehr gebaut werden. Aber wir haben enorme Überkapazitäten in unseren Werken und in ganz Europa - bei einem dramatisch rückläufigen Markt. Davor konnten wir nicht die Augen verschließen. Nun haben wir vier Jahre Zeit, Alternativen für die Beschäftigten zu finden.

Wie viele Menschen werden nach 2016 in Bochum noch einen Arbeitsplatz haben?

Sedran: Unser Ziel ist, dass alle wieder Arbeit finden. Wie viele davon bei Opel bleiben werden, kann ich heute noch nicht sagen. In unserem Warenverteilzentrum werden in Zukunft mehr Menschen arbeiten als heute. Wir wollen auch eine wirtschaftliche Komponentenfertigung hochziehen, in der einige hundert Arbeitsplätze mehr entstehen könnten.

Rüsselsheim und Eisenach sind aber auch nicht wirklich ausgelastet.

Sedran: Wir streben auch für die Werke in Rüsselsheim und Eisenach einen Dreischichtbetrieb an. Dass wir das nicht schon in diesem Jahr hinbekommen werden, liegt an der einbrechenden Nachfrage in Südeuropa. Mit den beiden Werken haben wir die Kapazitäten, weiter zu wachsen. Wir sind derzeit die drittgrößte Pkw-Marke in Europa - und wollen die Nummer zwei werden.

War es richtig, so viel Geld in die Werbung mit Jürgen Klopp zu stecken?

Sedran: Wir können und wollen Opel nicht gesund sparen, indem man die Marketingausgaben senkt. Wir wollen unsere Marke emotional auf laden, profilieren. Denn wir wollen wachsen. Die Investition ins Marketing mit Klopp ist sehr überschaubar und sehr gut investiertes Geld. Der Bekanntheitsgrad unserer Werbung hat sich verdreifacht. Jürgen Klopp ist derzeit der Sympathieträger in Deutschland schlechthin. Er ist authentisch, bodenständig, ehrlich - und passt damit perfekt zu uns.

Was bedeutet die Werksschließung in Bochum für den Zafira und die Kooperation mit PSA? Wird der Nachfolger des Zafira in Frankreich gebaut?

Sedran: Der aktuelle Zafira Tourer wird bis zu seinem Auslauf in etwa vier Jahren in Bochum produziert. Wir entwickeln die Nachfolger von Zafira und Meriva zusammen mit PSA - ebenso wie die nächste Generation von Opel Corsa und Peugeot 208. Die Ingenieure für dieses Projekt sitzen in Rüsselsheim, gebaut wird der nächste Corsa dann auch in unseren Werken. Die Entscheidung zum Standort des Zafira-Nachfolgers fällt spätestens im Sommer.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Sedran: Wir haben einen klaren Zehnjahresplan namens "Drive 2022", den wir Schritt für Schritt ausführen. Wichtig ist, dass unsere künftigen Modelle so erfolgreich werden wie der Mokka. Dazu muss ich genau analysieren, wer potenzielle Kunden für diese Autos sind, was sie zu zahlen bereit sind und welche relevante Technik ich reinpacken kann, damit wir auch Geld verdienen. Mokka und Adam beweisen, dass wir es können. Derzeit haben wir mehr als 65.000 Bestellungen für den Mokka, obwohl er erst seit Oktober im Handel steht. Trotz der dramatischen Marktschwäche gibt es in Westeuropa in einigen Segmenten Wachstumschancen, speziell bei Kleinwagen und Crossover-Modellen. Da können wir punkten.

Sie haben angekündigt, zusammen mit Peugeot eine aufgewertete Kleinwagen-Plattform entwickeln zu wollen. Was muss man sich darunter vorstellen?

Sedran: Das wird eine Weiterentwicklung der Kleinwagen 208 und Corsa. Die Ziele zum CO2-Ausstoß sind für diese Klasse sehr niedrig, wir reden von Werten unter 80 Gramm CO2 pro Kilometer. Es werden aber erwachsene Autos sein, wie wir das vom Corsa kennen.

Wie steht es um die Planungen für einen Insignia-Nachfolger - wird es auch da eine Zusammenarbeit mit Peugeot geben?

Sedran: Wir setzen beim Insignia-Nachfolger auf eine Entwicklung innerhalb des
Konzerns. Das bietet in diesem Fall für uns den Vorteil, Technologien aus dem GM-Verbund nutzen zu können, die etwa auch bei Cadillac Einzug finden werden.

Wo sehen Sie Märkte der Zukunft?

Sedran: Wir werden unsere Exportstrategie fortsetzen. Wir sind vergangenes Jahr nach Australien und Chile gegangen. Künftig wollen wir in Nordafrika mehr machen. Russland und die Türkei sind noch wichtiger. Trotzdem müssen wir unsere Hausaufgaben in Westeuropa machen. Und Deutschland bleibt unser Rückgrat, unsere Heimat - und unser wichtigster und größter Markt.

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