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Opel Commodore B Coupé 2,5 S

Blitz Aktion

Foto: Hardy Mutschler 20 Bilder

Ein Liebhaber der Marke mit dem Blitz im Emblem bewältigte trotz seiner geringen Freizeit die komplette Restaurierung eines Opel Commodore B in den Abendstunden eines einzigen Sommers.

06.03.2007 Bernd Woytal Powered by

Handfester Opel-Fan seit Jahrzehnten

Die Hände im Format einer stabilen Bratpfanne sagen alles. Peter Brecht kümmern weder Schürfwunden noch gebrochene Fingernägel. Wenn er zupackt, dann richtig. So wundert es nicht, wenn ein als Teileträger vorgesehener Opel Commodore, den er in die Mangel nimmt, innerhalb kürzester Zeit als vorzeigbarer Youngtimer wiederauflebt.

Die Zuverlässigen aus Rüsselsheim haben es dem gebürtigen Bad Cannstatter seit jeher angetan. Schuld daran war die Unverwüstlichkeit eines Rekord C, "der ließ mich nie im Stich, obwohl er wenig gekostet hatte", erinnert sich Brecht. Schon bald wurde aus dem braven Rekord-Fahrer ein temperamentvoller Commo-Treiber. "Meinen ersten Commodore, ein A Coupé, habe ich 1975 restauriert", erzählt der Opel-Fan.

Neue Perspektiven dank des Clubs

Für neue Perspektiven sorgte ein Zettel, der eines Tages unter dem Scheibenwischer seines Wagens klemmte. Nein, es war nicht einer dieser Strafzettel wegen Falschparkens, die coole Jungs gelangweilt zusammenknüllen und dann der Erdanziehungskraft überlassen. Vielmehr handelte es sich um einen Hinweis auf den Commodore B und Rekord D Club, der noch Mitglieder suchte. Kurzerhand trat Brecht in diese Opel-Gemeinschaft ein, rückte nach einem Jahr in den Vorstand auf und organisierte umgehend sein erstes großes Club-Treffen.

Erst Teileträger, dann Restaurationsobjekt

Doch wie bereits erwähnt - wenn er etwas macht, dann mit vollem Einsatz. Die Clubkontakte waren es auch, die ihn einige Zeit später auf die Spur eines Commodore B brachten, der seit zwei Jahren auf einem Parkplatz in Korb östlich von Stuttgart vor sich hingammelte. Der Besitzer, der den Wagen dort abgestellt hatte und davon träumte, ihn irgendwann einmal zu restaurieren, war vom Ordnungsamt aufgefordert worden, das Auto wegzuschaffen – eine gute Gelegenheit, ihm den Opel abzukaufen.

Brecht sah in dem Commo einen willkommenen Teileträger, für mehr schien er angesichts des festgegangenen Motors und des im Fußraum schwappenden Regenwassers nicht zu taugen. Für 200 Mark nahm er ihn mit. Doch das Auto entpuppte sich als Wundertüte. So präsentierte sich beispielsweise das Bodenblech trotz des zentimeterhohen Wasserstands im Innenraum als ausgesprochen gut erhalten.

Dies führte zu einer Änderung des Schlachtplans. Zwar sollte der Wagen zerlegt, aber dann nicht in Teilen eingelagert, sondern als Ganzes wieder zum Leben erweckt werden. Klar, ganz ohne schweißen ging es natürlich nicht. Nach der Demontage der vorderen Kotflügel kamen diverse Partien im Bereich der Stehbleche und der A-Säulen zum Vorschein, die unter starkem Rostbefall litten.

Totalrenovierung des Motors mit Überraschung

Zum damaligen Zeitpunkt betätigte Brecht sich noch als Hobby-Schrauber und investierte seine ganze Freizeit in die komplette Demontage und das Beseitigen der Korrosionsschäden. Den Motor hatte der Opel-Liebhaber zunächst mit Konservierungsöl wieder freibekommen. Und es gelang ihm sogar, ihn zu starten. "Aber er lief nicht richtig rund", erklärt Brecht den Grund, weshalb er sich für eine Totalrenovierung des Sechszylinders entschied. Dabei gab es eine weitere Überraschung, die auch den unruhigen Lauf der Maschine erklärte.

Bei der Demontage und Sichtung der Teile kam eine 316-Grad-Nockenwelle ans Tageslicht - das Zeugnis eines Tuningversuchs durch einen der Vorbesitzer. Einige zusätzliche Pferdestärken fand auch der neue Commodore-Besitzer ganz reizvoll, aber er wollte effektiver vorgehen und sich nicht nur auf eine schärfere Nockenwelle beschränken. Private Kontakte zur Firma Mahle brachten ihn in den Besitz von Schmiedekolben zu einem moderaten Preis.

Da geht noch was - erfolgreiches Tuning

Im Verlauf der Motorüberholung wurden unter anderem der Zylinderkopf bearbeitet und der 2,5-Liter-Motor von Ein- auf Zwei-Vergaser-Betrieb umgebaut. Das äußerlich unscheinbare, hoch verdichtete Triebwerk besaß am Schluss so viel Dampf, dass den originalen Getrieberädern recht schnell die Zähne ausfielen.

Ein robusteres Sportgetriebe trotzt nun der Leistung und katapultiert den Commo an manch potentem Neuwagen vorbei, dessen Besitzer angesichts des Schriftzugs am Heck ins Grübeln gerät: Rekord 1.700. Möglich werden solche Beschleunigungsorgien durch die kurze Übersetzung des Getriebes.

"Bei 180 km/h zuckt die Nadel des Drehzahlmessers bei 7.500/min", weiß Brecht zu berichten, der seinem Werk damit eine außerordentliche Drehfreudigkeit attestiert. Das Gaspedal tritt er dabei übrigens in den originalen Schlingenteppich. "Obwohl dieser Teppich lange Zeit unter Wasser gestanden hat, war nix dran - man konnte ihn nach dem Trocknen problemlos wieder verwenden", sagt der Commo-Restaurierer. Das war eben noch Qualität.

Sturm Lothar zerstört große Teile des Lagers

Dem Gestühl und anderen Teilen der Innenausstattung bekam die Feuchte jedoch nicht so gut. Aber diese Komponenten konnte Brecht sozusagen durch Teile aus dem Regal ersetzen. Denn schon lange sammelte er Commodore-Ersatz wie andere Leute Briefmarken. Ein befreundeter Autoverwerter funkte ihn regelmäßig an, wenn er einen Wagen zum Ausschlachten auf den Hof bekam.

Dass später einmal der größte Teil des angelegten Lagers dem berüchtigten Sturm Lothar zum Opfer fallen würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Stürmisch ging es auch mit der Restaurierung voran. Bei der Lackierung entschied sich Brecht für Aubergine, "weil dann der Chrom gut zur Geltung kommt", wie er findet. Und die goldfarbenen Ronal-Felgen harmonieren prima mit den zwei feinen goldenen Streifen, die Brecht eigenhändig an der Wagenflanke anbrachte.

Das i-Tüpfelchen der Restaurierung folgte erst kürzlich: eine selbstgefertigte Hochleistungs- Edelstahl-Auspuffanlage mit TÜV-Segen. Mittlerweile hatte Brecht nämlich in Murrhardt die Firma H & B Auspufftechnik ins Leben gerufen. Diese fertigt Edelstahlauspuffanlagen nach Maß für alle Fahrzeuge und hat gemeinsam mit GAT diverse G-Kat-Anlagen für klassische Opel-Modelle entwickelt und verwirklicht - ein Beweis dafür, wie viel Feinarbeit solch grobe Hände leisten können.

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