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Opel Diplomat B V8 Restaurierung eines Totalschadens

Groß-Projekt - Neuaufbau statt Schrottplatz

Opel Diplomat B V8, Baujahr 1977 Foto: Fact 30 Bilder

Ein ins Schleudern geratener Mercedes verwandelte den Traumwagen von Steffen Exner in einen Totalschaden. Doch Exner brachte es nicht übers Herz, den Opel Diplomat V8 zu verschrotten, sondern baute ihn wieder auf. Die Rekonstruktion dauerte mehr als ein Jahr.

05.07.2012 Bernd Woytal Powered by

Es war ein Albtraum. Als Steffen Exner an einem Sonntag mit seinem Opel Diplomat V8 eine Tankstelle im Nachbarort ansteuerte, sah er auf der Landstraße in 500 Meter Entfernung zwei heranrasende Mercedes, die sich offenbar ein Rennen lieferten. "Der erste schaffte die Kurve, der zweite nicht", schildert er sachlich die damalige Situation, denn seine Erregung ist mittlerweile verflogen.

Ein Fahranfänger zerstört einen Mercedes 500 E - und den Diplomat B V8

Etwa 300 Meter vor seinem Opel geriet der viel zu schnelle Mercedes ins Schleudern. Exner hielt sicherheitshalber am rechten Straßenrand, die E-Klasse kreiselte heran und schien kurz vor dem Diplomat nach links von der Straße zu schlittern. Doch die Erleichterung währte nur kurz. Der Mercedes schleuderte plötzlich wieder zurück und schlug krachend in die linke Seite des 1,7 Tonnen schweren Opels ein, den er um 180 Grad herumwirbelte. Erst nach weiteren 50 Metern kam er zum Stillstand. Exner war zunächst geschockt, fragte seine neben ihm sitzende Gattin, ob sie in Ordnung sei, stieß dann die Tür auf und lief zornig los.

Diesen durchgeknallten Fahrer des 500 E wollte er sich vorknöpfen. Carmen Exner rief ihm noch einige beruhigende Worte hinterher, doch die Rage des kräftigen Zwei-Meter-Manns legte sich, als er die Tür des Benz aufriss und einen schmächtigen Führerscheinneuling vor sich sah. "Von dem wäre nichts mehr übrig geblieben, zum Glück hat in letzter Sekunde der Verstand gesiegt", lacht Exner.

Traumauto: Ein Diplomat V8 in Polarweiß musste es sein

Damals jedoch war ihm angesichts seines kaltverformten Traumwagens überhaupt nicht zum Lachen zu Mute. Der gezackte Opel-Blitz war bereits viele Jahre zuvor in das Leben des Kraftfahrzeug-Sachverständigen eingeschlagen. Damals absolvierte er in einer Opel-Vertretung in Heilbronn die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, und als er den Betrieb verließ, lagen ihm besonders zwei Dinge am Herzen: die Autos von Opel und eine Dame namens Carmen aus dem Büro im Teilelager.

Die Frau heiratete er, und die Wagen von Opel sind noch immer sein bevorzugtes Transportmittel. Und wie kam er an den Diplomat? Noch in seiner Lehrzeit, als er sich für jeden Sommer und jeden Winter einen anderen fahrbaren Untersatz zum kleinen Preis suchte, war er zufällig auf einen Admiral gestoßen. Den richtete er ein wenig her und genoss die in Signalgelb lackierte Oberklasse-Limousine eine Saison lang.

"Für den Sprit ging das ganze Lehrlingsgehalt drauf", erinnert sich Exner. Doch das Auto hatte ihn beeindruckt. Deshalb weckte Jahre später ein weißer Diplomat V8 seine Aufmerksamkeit, an dem er auf dem Weg zu Arbeit immer vorbeikam. "Exakt so einer sollte es einmal sein", stellte sich Exner vor.

Aber aus finanziellen Gründen musste er diesen Wunsch noch ein wenig zurückstellen. Schließlich gab es ja auch noch andere Dinge im Leben als Autos. Im Jahr 2001 passte dann alles zusammen. Der Juniorchef eines Opel-Autohauses in Hannover bot einen Diplomat V8 in Exners Wunschfarbe Polarweiß zum Kauf an - das dafür nötige Geld war auf dem Sparbuch. Exner fuhr mit seiner Frau nach Niedersachsen und brachte den Diplomat mit nach Hause. Das scheckheftgepflegte originale Auto präsentierte sich in gutem Zustand, lief prima, und Exner war glücklich.

Mutiger Entschluss: der Unfall-Diplomat wird wieder aufgebaut

Und nun, etwa ein Jahr später, stand er vor einem Wrack. Die ganze linke Seite hatte unter dem Unfall gelitten. Kotflügel, Türen, und Seitenteil waren verformt. Die B-Säule hatte sich in die Sitzlehne gedrückt, das Dach wies Beulen auf, und das linke Hinterrad steckte im Kofferraumboden, weil die Achsaufhängung teilweise abgerissen war. Das Auto schien rettungslos verloren zu sein.

Mit dem Geld, das er von der Versicherung bekam, startete Exner daher zu einer Odyssee durch Deutschland - auf der Suche nach einem Diplomat in gutem Zustand. Und weiß sollte er natürlich auch sein. Es dauerte lange, sehr lange, bis er endlich ein akzeptables Objekt gefunden hatte. Zu Hause stand aber immer noch der verunfallte Diplomat. Exner brachte es nicht übers Herz, ihn auszuschlachten, denn von der Substanz her war der Wagen unglaublich gut. Eines Tages fasste er einen mutigen Entschluss: "Der Wagen wird wieder aufgebaut."

Die Lehrwerkstatt zieht mit - der Restaurierung steht nichts mehr im Weg

Zunächst verhandelte er mit seinem früheren Arbeitgeber, denn die Reparatur des Unfallschadens ließ sich trotz aller Routine, die Exner mittlerweile in solchen Dingen besaß, nicht in der heimischen Garage durchführen. Es bedurfte einer Richtbank, eines entsprechenden Richtsatzes sowie Dozer- und Karosseriepressen, um die Verformungen wieder rückgängig machen zu können. Das Opel Autohaus und sein ehemaliger Ausbildungsmeister zogen mit und boten eine Reparatur zu einem erschwinglichen Preis an. Der erste Schritt war getan.

Dann besorgte Exner sich von einem Schlachtfahrzeug eine Hinterachse und setzte diese provisorisch unter den Wagen, damit das Hinterrad wieder an die richtige Stelle kam und der Diplomat manövrierfähig wurde. Gemeinsam mit seiner Frau, die das Hobby Opel mit ihm teilt, begann er nun mit der Demontage. Alle Anbauteile mussten weg und die Innenausstattung komplett ausgebaut werden. Anschließend verfrachtete der den Wagen auf einem Anhänger zur Werkstatt, wo der Diplomat auf die Richtbank gesetzt wurde.

Langwierige Teilesuche und leere Versprechungen

Das Richten der Karosserie, das Einschweißen der B-Säule, neuer Schweller und des hinteren Seitenteils vertraute er seinem Ausbildungsmeister an. Exner selbst machte sich auf die Suche nach den nötigen Ersatzteilen, die nicht so einfach zu bekommen waren. Erfreulicherweise konnte er die Schweller als Neuteil ergattern, doch die B-Säule und das hintere Seitenteil ließen sich nicht auftreiben. Die Rettung bot wieder ein Schlachtfahrzeug, das er erworben hatte. Aus dem trennte er die nötigen Blechteile heraus, nachdem er die Schweißpunkte aufgebohrt hatte.

Auch das Beschaffen von Türen erwies sich als ein Problem. Ein Händler prahlte damit, eine Fahrertür in gutem Zustand zu besitzen. Es dauerte eine Ewigkeit, bis er sie endlich schickte, "und dann wurde eine Tür geliefert, die schlechter war als die in meinem Schlachtfahrzeug", schimpft Exner. Zwangsläufig nahm er die Tür seines Teilespenders und richtete diese. Bei der Demontage und bei der Reparatur hatte sich übrigens herausgestellt, in welch gutem Zustand das Blech des Diplomat vor dem Unfall gewesen war. Bis auf eine Stelle am inneren hinteren Radhaus entlang des Radlaufs traten keine weiteren Roststellen auf.

Der Opel Diplomat B V8 muss zwei Mal lackiert werden

Eine kleine Panne gab es noch bei der Lackierung. Der befreundete Lackierer verwechselte die Farbnummer, was deutlich sichtbar wurde, als Exner mit seinem zweiten Diplomat zum Farbvergleich anrückte. Also wurde der Opel noch einmal lackiert, diesmal perfekt.

Dann kam das Auto wieder zu Exners, wo sofort mit der Montage der zwischenzeitlich aufbereiteten Teile begonnen wurde. Ein Sattler zog einen neuen Innenhimmel ein und brachte ein neues Vinyldach auf. Zudem setzte er die durch die verformte B-Säule beschädigte Lehne des Fahrersitzes in Stand.

Die Arbeiten an der Technik beschränkten sich auf das Erneuern der Hinterachse, die Überholung der Bremsanlage und eine große Inspektion am Motor. Zeitaufwendig geriet wiederum die Teilesuche, doch dank Ebay ließen sich sogar Clips und Klammern zur Befestigung der Anbauteile auftreiben. Nur an der Beschaffung der Schiebedachdichtung scheiterte Exner. Als er endlich eine Quelle gefunden hatte, wollte man ihm als Privatmann das Teil nicht verkaufen. Erst ein von Exner beauftragter Lagerist einer Opel-Vertretung konnte die Dichtung dem Besitzer für viel Geld abschwatzen. Hätte der gewusst, für welch prächtiges Auto die Dichtung gedacht war, hätte er sich sicherlich sofort mit Vergnügen davon getrennt.

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