Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Opel Kapitän Cabrio

Alle Mann von Bord

Foto: Götz von Sternenfels 26 Bilder

Zu ihrer Zeit waren die großen Opel populär. Doch viele gingen im Kriegseinsatz verloren, und heute sind sie überaus rar. Nur noch selten kehrt ein Vorkriegs-Kapitän auf die Straße zurück.

29.01.2007 Thomas Wirth Powered by

Kapitän mit Kriegsspuren

In mattem oliv kam er zurück. Etliche Jahre ist das bereits her, und genaue Daten sind längst im Dickicht der Geschichte verloren gegangen.

Auch dieser Kapitän machte eine Karriere, wie sie typisch war für einen wie ihn. 1939 war er bei Opel in Rüsselsheim aus den Hallen gerollt - ein Cabriolet mit Werkskarosserie. 4.325 Reichsmark kostete er, ein attraktiver Preis. So gab Opel nicht nur in der kleinen Klasse, sondern auch bei den Sechszylinder-Modellen den Ton an.

Moderne Konstruktion

Der flüsterleise Sechszylinder wurde allseits gerühmt, kräftig war er obendrein. Sein Auftritt trug den Charme Amerikas nach Deutschland. Mercedes formte da viel konservativer.

Niemand weiß heute, wer sich diesen offenen Kapitän damals gönnte. Sicher aber schätzte der erste Besitzer die Zuverlässigkeit, mit der ein Opel immer glänzte. Auf Innovation galt es dafür zu verzichten. Der Fortschritt gipfelte in einem Teil, das der Kapitän nicht mehr besaß - dem Rahmen.

Opel hatte erstmals 1936 mit dem Olympia bewiesen, dass auch in einer Großserie selbsttragende Karosserien nicht nur möglich, sondern auch wirtschaftlich zu fertigen sind. Und stabil war die Konstruktion. So stabil, dass auch die Wehrmacht gern zugriff: Reihenweise fuhren Opel-Modelle an die Front - Kapitäne waren stets dabei. So auch dieser, der irgendwann in den siebziger Jahren aus der damaligen Tschechoslowakei seinen Weg zurück nach Deutschland gefunden hatte.

Opelfan zieht alle Register

Vielleicht war es seine Zuverlässigkeit, die ihn recht unverbastelt ließ. Sein Motor, noch das Opel-Exemplar und kein östliches Derivat, lief sogar noch - irgendwie. Selbst die Bremsen zeigten einen Rest Wirkung. Dennoch: Der Kapitän, daran bestand kein Zweifel, war ein Sanierungsfall.

Josef Micke ist Profi. Er hat das Handwerk von der Pike auf gelernt, und Opel war stets seine Marke. 1986 stieg der heute 60-Jährige auf klassische Modelle um, das steigende Interesse hatte ihm Mut gemacht: "Damals ging es mit den Oldtimern langsam los."

Qualitätsarbeit

Dem gestrandeten Kapitän begegnete er mit konsequenter Strategie. Die komplett ausgebeinte Karosserie ließ er zunächst sandstrahlen. Etwas Rost fand sich an den üblichen Stellen: Die Ränder der hinteren Kotflügel waren zerfressen, ebenso das Abschlussblech unterhalb des Kofferraumbodens. Insgesamt war der Opel aber noch überraschend frisch für sein bewegtes Leben.

Kaum Probleme hielt der Karosserieboden bereit - doppelte Blechlagen hat Opel vermieden. Unter Rost und Beulen litten jedoch die vorderen Kotflügel. Während Josef Micke für die hinteren Partien Reparaturbleche selbst anfertigte und einpasste, griff er vorn zu neuen Kotflügeln. Hier passen sogar die Exemplare aus der Nachkriegszeit.

Ersatzteilsituation

Opel hatte 1948 die Produktion des Kapitän nochmals aufgenommen - und nur Details geändert. Dazu zählt die Form der vorderen Scheinwerfer: Aus dem sechseckigen Ring war nun ein Kreis geworden. Das machte Schweißarbeiten auch am Neuteil nötig.

Mit einer eigens gebauten Form fertigte sich Josef Micke neue Blechsegmente, dazu kamen passende Töpfe. Wer heute jedoch einen frühen Kapitän restaurieren will, wird mehr Probleme haben, meint der Fachmann: "Es ist inzwischen schwierig geworden, Ersatzteile zu finden."

Das gilt nicht nur für Karosserieteile wie Kotflügel, sondern längst auch für technische Komponenten. Ein Beispiel ist der Motor: "Gute Blöcke des Phase-1-Motors sind heute selten", sagt Josef Micke.

Simple Technik - für die Ewigkeit gebaut

Opel hatte den Motor bis 1953 im Programm. In einer leicht veränderten Version - zu erkennen an größeren Seitendeckeln -, gab es ihn sogar bis 1959. Diese Phase-2-Triebwerke sind heute häufiger zu finden, deutlich stärker und nicht original.

Fünf Exemplare aus seinem Fundus benötigte Josef Micke, um einen tadellosen Sechszylinder aufzubauen. Dabei ist die Technik simpel, trotz der für die damalige Zeit noch keinesfalls weit verbreiteten hängenden Ventile. "Die Motoren wurden für schlechten Kraftstoff gebaut", weiß er. Ventilschaftführungen und Sitzringe machen eine Revision des Kopfes einfach.

Mit Sorgfalt gerichtet und neu vernietet hat der Experte das Verdeckgestänge. Die typischen Schweißstellen in der Mitte beweisen bis heute, dass es damals nötig war, für jede Karosserie das Gestänge einzeln anzupassen.

Problemloses Fahrverhalten

Erstaunlich problemlos für sein Alter lässt sich der Opel fahren. Der Motor liefert bei dezentem Säuseln stets genügend Drehmoment: "Man muss einen Kapitän kaum schalten", sagt Josef Micke. Und handlich ist er zudem. Zu manchem populären Klassiker deutscher Herkunft bietet der Opel-Sechszylinder eine charmante Alternative. Er wird mit offenen Armen empfangen, sagt Josef Micke: "Weil der Kapitän zwar selten, aber doch so beliebt ist, hat er bei Veranstaltungen oft größere Chancen als ein entsprechender Mercedes."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Gebrauchtwagen Angebote