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Opel-Krise

General Motors schließt Insolvenz nicht aus

GM Logo Foto: dpa 144 Bilder

Das ums Überleben kämpfende Opel-Mutterunternehmen General Motors (GM) schließt eine Insolvenz nach US-Muster nicht aus. Jedoch ziehe der US-Autobauer eine andere Lösung vor, bekräftigte der neue GM-Chef Fritz Henderson am Sonntag (5.4.).

06.04.2009

"Aber wenn es ohne ein Insolvenz-Verfahren nicht geht, dann muss es eben über eine Insolvenz gemacht werden", sagte er in einem Interview des TV-Senders NBC. Ausdrücklich fügte er hinzu, er favorisiere eine Sanierung "außerhalb eines Insolvenz-Verfahrens".    

Notfallplan für Europa-Geschäft

Präsident Barack Obama hatte der Opel-Mutter vor einer Woche 60 Tage Zeit gegeben, um einen Sanierungsplan vorzulegen. Dann könnten weitere Staatshilfen gezahlt werden. Sollte GM aber keinen tragfähigen Plan präsentieren, bliebe nur der Weg in die Insolvenz.    

Unterdessen kündigte der Autobauer bereits Notfallpläne für seine Europa-Geschäfte rund um Opel an. Die Verhandlungen mit mehreren europäischen Staaten wie etwa Deutschland über Finanzhilfen könnten womöglich nicht wie erhofft bis Jahresmitte abgeschlossen werden. Henderson hatte bereits am Freitag Spekulationen über eine "Blitz- Insolvenz" angeheizt. Das Verfahren müsse dann aber im Schnelldurchgang durchgezogen werden. "Tempo ist da alles."

Opel weiter auf Investor-Suche

Derweil kommt angeschlagene Autobauer Opel  bei seiner Suche nach Investoren voran. "Es gibt Gespräche, es gibt eine ganze Reihe interessierter Investoren", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt. Die potenziellen Geldgeber stammten aus der ganzen Welt, auch mögliche Investoren aus Deutschland seien darunter.   

Opel mit seinen deutschen Werken Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach will unabhängiger von der US-Mutter General Motors (GM) werden. Geplant ist ein Unternehmen, in dem die europäischen Aktivitäten von GM gebündelt werden. GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster sagte dem "Spiegel": "Wir reden darüber mit Interessenten aus der Private-Equity-Branche und mit Staatsfonds beispielsweise." Zudem hofft Opel auf staatliche Hilfe in Milliardenhöhe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Unterstützung der Bundesregierung zugesagt: Deutschland werde dem Autobauer mit Bürgschaften helfen, sofern sich ein Investor finde.

Einstieg des Emirats Abu Dhabi unwahrscheinlich

Einen Einstieg des Emirats Abu Dhabi, das seit März Großaktionär des Autokonzerns Daimler ist, hält Franz für unwahrscheinlich. Nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ/Samstag) umwirbt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) Scheichs als Investoren für Opel. Ein Regierungssprecher bestätigte der dpa in Düsseldorf, es habe am Donnerstagabend "erste vorsichtige Sondierungsgespräche" mit Scheich Hamdan von der Königsfamilie Abu Dhabis gegeben. Ob es dabei auch um eine Beteiligung an Opel ging, wollte er nicht kommentieren. Die Gespräche sollten "nicht mit zu hohen Erwartungen überlastet" werden, sagte der Regierungssprecher.   

Der "Focus" zitierte unterdessen ein namentlich nicht genanntes Mitglied der Bundesregierung mit den Worten, die ohnehin schwierige Investorensuche gerate zur "Mission impossible". Zur Begründung verwies er darauf, dass GM neben den Opel-Patenten, die als Sicherheiten für Milliardenhilfen an die US-Regierung abgetreten wurden, auch sämtliche Vermögenswerte wie Werksgelände und Fabriken der europäischen Tochter an diverse US-Banken verpfändet habe. "Opel ist nur eine Hülle", sagte der Regierungsvertreter laut "Focus". Wer sich für einen Einstieg bei Opel interessiere, müsste demnach nicht nur mit GM verhandeln, sondern mit mehreren US-Kreditinstituten.

Opel im Grunde nur eine Marke

Kenner des Traditionsunternehmens verweisen seit langem darauf, dass Opel im Grunde nur noch eine Marke ist. Betriebsratschef Franz sagte zu der Frage der Verpfändungen, dies sei seit Ende 2008 bekannt, seit die USA den Autoriesen stützt. "Opel ist seit 80 Jahren Teil von GM, sonst hätten wir es doch nicht so schwer, eine Bürgschaft zu bekommen." Für das weitere Vorgehen sieht Franz wegen der Verpfändungen keine zusätzlichen Probleme. Informationen der "WirtschaftsWoche", wonach Opel sich als "grüner Hersteller" künftig auf Kleinwagen und Elektroautos konzentrieren wolle, dementierte Franz: "Damit kann man doch nicht überleben."   

In der Bundesregierung wird unterdessen weiter darum gestritten, ob sich der Staat direkt an Opel beteiligen soll, wie es die SPD fordert. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kritisierte jüngste Äußerungen von Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD). Jeder Ruf aus der Regierung, der eine Direktbeteiligung des Staates ohne Prüfung der Kriterien in den Vordergrund rücke, schwäche die Verhandlungsposition bei den Ansprechpartnern in den USA, sagte Guttenberg. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ist überzeugt: "Der Bundesregierung läuft die Zeit davon. Es führt kein Weg an einer Staatsbeteiligung vorbei."

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