Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Opel / Magna-Übernahme

GM lässt Opel-Deal platzen und brüskiert Merkel

Opel Logo Stopp Foto: dpa 144 Bilder

Ein Paukenschlag der Extraklasse hat das monatelange Tauziehen um die Zukunft von Opel beendet: Der US-Autobauer General Motors (GM) wird die angeschlagene deutsche Tochter doch nicht verkaufen.

04.11.2009

Die Amerikaner lassen damit den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna als Opel-Investor abblitzen - und stellen die deutsche Bundesregierung vor jede Menge Probleme.

Hoffen aus Starthilfe aus Deutschland

Wie die Amerikaner, die gerade ein Insolvenzverfahren hinter sich gebracht haben und seither am Tropf der US-Regierung hängen, den seit langem stotternden Motor bei Opel wieder auf Touren bringen wollen, ist unklar: Der Autobauer schwimmt nicht gerade im Geld. Er hofft nun auf Staatshilfen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern.

Opel-Betriebsrat gegen Sanierung unter GM Dach

Soviel scheint sicher: Europas Opelaner müssen sich auf heftige Einschnitte gefasst machen. Sie fürchten einen radikalen Kahlschlag mit Werkschließungen und Entlassungen und haben bereits massive Proteste angekündigt. Eine Unterstützung der Sanierung unter dem Dach von GM lehnt der Betriebsrat komplett ab. Bei einem Einstieg Magnas hätten die mehr als 50.000 Beschäftigten hingegen in den kommenden Jahren auf jährlich 265 Millionen Euro verzichtet.

Merkel in Erklärungsnot

GM brüskiert nicht nur die Opelaner und den Zuliefer-Riesen Magna, den der Autobauer noch im September zum Käufer gekürt hatte. Viel mehr noch ist die deutsche Bundesregierung nun in Erklärungsnot. Monatelang hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich für Magna stark gemacht. Nun vollzieht GM ausgerechnet am Tag ihrer Rede vor dem US-Kongress in Washington eine 180-Grad-Wende. Als die Bombe in der Nacht zum Mittwoch platzte, saß die Kanzlerin gerade im Flugzeug auf dem Rückflug von Washington.

GM, der unberechenbare Partner

GM hat sich damit einmal mehr als völlig unberechenbarer Partner erwiesen. Schon lange beklagten sich die Opelaner über den Stil der immer weniger beliebten US-Mutter. Sie werfen GM vor, Opel mit Arroganz, falscher Modellpolitik und schlechtem Management überhaupt erst in die Krise geführt zu haben. Und nun wird es für Opel nichts mit der ersehnten Freiheit.

Koch erwartet Rückzahlung

Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte nach der Entscheidung: "Angesichts der negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM mache ich mir große Sorgen um die Zukunft des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze." Er erwarte, dass GM den 1,5 Milliarden Euro schweren Brückenkredit fristgemäß zum 30. November zurückzahle, "damit der deutsche Steuerzahler keinen Schaden nimmt".

Verwaltungsrat beschließt globale Strategie

Den Stimmungswandel im GM-Verwaltungsrat hatten vor allem die jüngsten Fortschritte bei der Sanierung ausgelöst: "Angesichts des verbesserten Geschäftsumfelds für GM in den vergangenen Monaten und der Bedeutung von Opel/Vauxhall für unsere globale Strategie hat der Verwaltungsrat beschlossen, Opel zu behalten", so der Autobauer. Nun solle ein "ernsthafter Restrukturierungsprozess in Europa" beginnen. Die Kosten bezifferte GM-Chef Fritz Henderson auf drei Milliarden Euro.

Sanierung ohne Partner einfacher


Opel sei für einen erfolgreichen GM-Neustart wichtig, meinte die Mehrheit im Verwaltungsrat. Die Deutschen stehen für moderne Technologie und für den großen europäischen Markt. Da wollen die Amerikaner die Kontrolle nicht aus der Hand geben. "Vieles wird jetzt ohne Dritte als Partner einfacher", sagte ein GM-Insider. Und warnt zugleich: "Die Mammutaufgabe der Restrukturierung ist genauso groß wie vorher."

Bedenken der EU-Kommission waren Auslöser

Dass das GM-Gremium sich überhaupt noch einmal mit dem Thema befasste, geht auf den Argwohn der Europäischen Kommission zurück. Sie hatte den Verdacht, Berlins Zusage für Milliardenhilfen habe nur für Magna gegolten und verstoße damit möglicherweise gegen EU-Recht. Die Behörde hatte GM aufgefordert, die Entscheidung zu überdenken und sich dabei ausschließlich an den wirtschaftlichen Perspektiven der Konzepte im vorangegangenen Bieterverfahren zu orientieren.

GM will nun direkt mit Gaz zusammenarbeiten

Wesentlicher Bestandteil des Zukunftskonzepts von Magna war die Eroberung des russischen Marktes mit Unterstützung des Autobauers Gaz. Russland galt noch vor wenigen Monaten als Wachstumsmarkt. Obwohl der Autoabsatz dort zuletzt dramatisch einbrach, will sich GM den Plan zu eigen machen - und dabei direkt mit Gaz zusammenarbeiten.

In dem ganzen Hin und Her haben Opel und GM nicht nur jede Menge Geld verbrannt, sondern nach Ansicht eines hochrangigen Managers vor allem eines verloren - viel Zeit. "Wir füllen zwar seit Monaten jeden Tag die Schlagzeilen, aber im laufenden Geschäft passiert nichts."

Opel-Betriebsrat ruft zu Warnstreiks auf
 
Unterdessen machen aus Protest gegen den abgesagten Verkauf von Opel die knapp 55.000 Opel-Mitarbeiter in Europa mobil. Die deutschen Betriebsräte und Gewerkschaften rufen die 25.000 Opelaner von diesem Donnerstag an zu Warnstreiks an allen vier Standorten auf. "Die Veranstaltungen beginnen in Deutschland und werden sich auf ganz Europa ausdehnen", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Der Protest richte sich gegen die befürchteten Werksschließungen und Stellenstreichungen.

Die Mitarbeiter würden am Donnerstag vor den Werkstoren am Stammwerk in Rüsselsheim, in Bochum, Eisenach und Kaiserslautern gegen den Verbleib beim Mutterkonzern General Motors (GM) protestieren. Die Arbeitsniederlegungen seien eine Reaktion auf die "völlig unverständliche Entscheidung" von GM, Opel zu behalten. Franz sprach von "einem schwarzen Tag für Opel".

Umfrage
GM lässt Opel/Magna-Deal platzen - was halten Sie davon?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden