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Autos, die man nicht vergisst (37) - Opel Manta A

Ein Sportwagen für die breite Masse

Opel Manta B schräg von vorne Foto: Anna Matuschek 3 Bilder

Der Opel Manta ist die Antwort von General Motors auf den mit Vorsprung ins Rennen gegangenen Capri, aber die Idee ist gleich - ein volkstümliches Coupé mit Großserientechnik, erschwinglich für alle, die von einem echten Sportwagen träumen, ihn aber nicht bezahlen können.

06.09.2010 Klaus Westrup Powered by

Seit 40 Jahren schreibt Klaus Westrup über Autos in auto motor und sport. Für Motor Klassik erinnert er sich, diesmal an ein sportliches Coupé von Opel.

Ortstermin im Opel-Stylingstudio, wir schreiben das Jahr 1970. Ford, der wahre Opel-Rivale, hat seit gut einem Jahr den Capri auf der Straße, einen hinreißend gestylten Zweipluszwei, den auto motor und sport im aktuellen Testbericht mit der Überschrift "Beau de Cologne" belohnt.

Der Opel Manta A ist klar als Opel erkennbar

Charles Jordan ist da, der US-Designer, der die Form des Opel Manta entwarf. "Beautyful" sollte das neue Auto aussehen, erklärt er uns, während Fotograf Julius Weitmann auf der Suche nach Styling-Impressionen ungeniert mit roten Socken auf den Zeichentischen herumläuft und Lineale zur Seite kickt. Doch ist der Opel Manta so schön? Nicht einmal Albrecht Dürer wusste genau, was Schönheit eigentlich ist. Auffällig jedenfalls, dass Jordan ein stilistisches Kontrastprogramm zum männlicher und muskulöser gezeichneten Ford Capri verwirklicht hat, wenn man so will eine femininere Linie, die gleichwohl nie verheimlicht, dass der Neue aus Rüsselsheim kommt und somit ein echter Opel ist.

Vorn gibt es ein stark modifiziertes Kadett-Gesicht mit markanten Doppelscheinwerfern, das Heck ist gerade abgeschnitten und sorgt mit seinen großen Rundleuchten für einen Hauch von Opel GT . Ein Schuss Rekord Coupé kommt hinzu - genau an der Stelle, wo sich das Dach zum Heck ergießt. Exakt 4,34 Meter misst der neue Opel Manta in der Länge - acht Zentimeter mehr als der Capri, ohne Maßband optisch schwer zu vermitteln.Der Innenraum wirkt dank großer Fensterflächen angenehm licht, die Übersicht nach hinten ist konzeptionsbedingt eingeschränkt.

Ein großer Kofferraum ist im Opel Manta A inklusive

Keine Abstriche selbst im Vergleich mit Limousinen müssen beim Opel Manta Kofferraum gemacht werden. Opel beziffert das Volumen mit stattlichen 500 Litern. Das neue Coupé ist also familientauglich - eines der wichtigsten Kaufargumente bei dieser Art Auto. Im Innenraum keine Überraschungen. Wir sind Opel, scheint jede Faser des Interieurs zu rufen, wie beruhigend. Lenkrad vom Rekord, Instrumente vom Rekord, unten das lange, gummibelegte Gaspedal, auf der Konsole ein kurzer, dürrer Schalthebel für die vier Vorwärtsgänge. Die Sitze des Opel Manta sind nachgiebig und schlecht konturiert, der Fondraum ist knapp bemessen. Das darf so sein, auch im Capri kann man hinten nicht richtig sitzen.

Ortswechsel, der erste Fahreindruck wird auf dem Opel-Prüfgelände in Dudenhofen entstehen. Fotograf Weitmann trägt zu den roten Socken einen karierten grünlichen Sakko mit Lederknöpfen, hat die Hasselblad-Kamera mit langer Brennweite versehen. Der Mann, der einst Richard von Frankenberg bei dessen spektakulärem Avus-Sturz in der überhöhten Nord-Kurve halb aus dem Porsche Spyder hängend im Bild festhielt, wünscht nicht unbedingt einen Überschlag, aber dynamische Kurvenfotos und eine möglichst spektakuläre Gangart. Mit dem Manta ist das gar nicht so leicht - dafür liegt er einfach zu gut.

In schnellen Kurven ist der Opel Manta A besonders gutmütig

Er tut es, auch im Hinblick auf die Umsatzrendite von Opel, mit simpelster, aber eben gekonnt gemachter Fahrwerkstechnik. Vorn gibt es zwar eine relativ aufwendige Querlenker- Aufhängung, doch hinten tut noch eine Starrachse Dienst, immerhin schon schraubengefedert. Besonders beeindruckend ist die Gutmütigkeit in schnellen Kurven, die nur ein Minimum an fahrerischem Geschick verlangen.

Doch lang gezogene Biegungen verlangen nach Power, will man sie als Krümmung erleben, und übermäßig kräftig ist der Opel Manta zumindest in der Basismotorisierung nicht geraten. Opel hat mit ihm ganz neu die Sechzehnhunderter-Klasse entdeckt, diesen alten GT-Klassen-Hubraum, und lässt den Manta in der Basis mit nur 68 PS antreten - ein Normalbenzin- Triebwerk übrigens, das als 1600 S und höherer Verdichtung schon 80 PS leistet. Darüber rangiert der 1,9-Liter mit 90 Pferdestärken, und erst mit diesem Vierzylinder läuft der Manta so, wie er es formal vorgibt. In einem späteren Testbericht wird dieser vorerst kräftigste Opel Manta in 12,6 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und maximal 173 km/h erreichen - damals Leistungswerte, die sich sehen lassen konnten.

Die Opel Manta A Motoren stammen aus dem Opel Rekord

Erst zusammen mit dieser Leistungsstufe ist auch ein dreigängiges Automatikgetriebe lieferbar, denn der Manta soll es auch jener Klientel recht machen, die nur sportlich wirken, aber nicht wild fahren möchte. Alle Opel Manta-Motoren stammen zunächst aus dem braven Mittelklasse- Modell Rekord - Rasanz ist ihnen allesamt vom Wesen her fremd. Daran ist vor allem der näselnde Motorklang schuld - wer den kräftigen Sound des Rallye-Kadett erwartet, sieht sich getäuscht. Nicht enttäuscht werden die Manta-Kunden von der Solidität und Anspruchslosigkeit dieser Großserien- Vierzylinder, die keine echten OHC-Maschinen sind, sondern ihre kettengetriebene Nockenwelle nur hochgelegt haben, von wo sie über kurze Stößel die breiten Kipphebel betätigt.

Sechszylinder wie im Capri gibt es nicht. Sie werden auch in Zukunft nicht kommen, nicht einmal im fünf Jahre später debütierenden Opel Manta B, der formal ein völlig anderer Flügelrochen geworden ist. Immerhin hält die Benzineinspritzung 1974 Einzug in den Opel-Vierzylinder, Bezeichnung GT/E. Wir verlassen Dudenhofen mit überwiegend positiven Gefühlen, können noch nicht ahnen, welch grandioser Verkaufserfolg Opel mit diesem braven Automobil beschieden sein wird. Der Ur-Manta, heute seltenes Sammlerstück, wird über die Jahre 500.000 Mal aufgelegt, der Nachfolger namens Opel Manta B kommt in 13 Jahren auf fast 600.000 Exemplare.

Und er wird ein Opel mit Image, allerdings nicht dem allerbesten. Man erzählt sich Opel Manta-Witze, die ihre Pointe aus der Schlichtheit ihrer Besitzer beziehen. Angeblich strecken sie alle den Ellenbogen zum Fenster heraus, tragen die Antennen ihrer Radios Fuchsschwänze, meist sitzt auch eine Friseuse auf dem Beifahrersitz. Es gibt sogar einen Spielfilm, der diesen Opel gleichermaßen ehrt wie persifliert. Sein Titel ist Programm: Manta, Manta.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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