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Crashsicherheit 1974 - der Opel OSV 40

Der PU-Schaum-Kadett im falschen Dudenhofen

Opel OSV 40 Foto: Opel/Martin Meiners 80 Bilder

Vor 50 Jahren wurde das Opel-Testzentrum im hessischen Dudenhofen erbaut. Hier erfahren Sie, warum es eigentlich in Rheinland-Pfalz stehen müsste und wie sich Opel 1974 mit Polyurethanschaum und Gurten um Crashsicherheit bemüht hat: Wir haben uns das Forschungsauto OSV 40 auch innen genau angesehen – und das Gelände, auf dem es einst gegen die Wand fuhr.

05.10.2016 Gregor Hebermehl 1 Kommentar

Was vor mir steht, sieht schon irgenwie aus wie ein 70er-Jahre-Kadett – aber die Front ist anders. Und die dicken inneren Türverkleidungen erwecken den Eindruck, als wäre der Wagen nachträglich gegen Beschuss gepanzert worden. Das ist zwar nicht so, aber mit Insassen-Sicherheit hat der OSV 40 trotzdem viel zu tun. OSV steht für Opel Safety Vehicle und die „40“ für 40 Meilen pro Stunde, was umgerechnet zirka 64 km/h sind. Mit diesen 64 km/h wurden Exemplare des OSV testweise gegen die Wand geknallt. Trotzdem ließen sich danach noch alle seine vier Türen ohne Werkzeug öffnen. 1974 – Respekt! In diesem Jahr starben in Deutschland noch 14.614 Menschen im Straßenverkehr, rund 4,5 Mal so viele wie 2014.

OSV 40 sieht aus wie ein Chevrolet

Beim OSV 40 setzten die Ingenieure auf einen stabilen Aufbau in einer steifen Karosserie und auf Polyurethan-Schaum (PU-Schaum), der viel Aufprall-Energie absorbieren sollte. So wurde äußerlich aus einem Kadett C ein Wagen, der eher einem kleinen Chevrolet ähnelt, schließlich wichen die dünnen verchromten Stoßstangen vorne und hinten fetten Polyurethan-Schwellern, die die komplette Front und das komplette Heck des Wagens überziehen. Selbst die nach Metall aussehenden Frontscheinwerfer-Rahmen sind nur eine Lack-Illusion.

Opel OSV 40Foto: Opel/Martin Meiners
OSV 40 (Opel Safety Vehicle) von 1974 war eine seriennahe Studie auf Basis des Kadett C.
Opel OSV 40
Das Sicherheits-Auto von 1974 39 Sek.

Ebenfalls interessant ist der horizontal zweigeteilte linke Außenspiegel des OSV 40. Beim Blick vom Fahrersitz sehen wir, dass diese Konstruktion den toten Winkel tatsächlich massiv reduziert. Allerdings glänzt zumindest bei unserem Exemplar ein rechter Außenspiegel durch Abwesenheit. Die groß dimensionierten Vordersitze sind ausgesprochen bequem und sehen wie halbe Ohrensessel aus: Das große, auf der Seite zum Nachbarsitz positionierte „Ohr“ verhindert, dass der Sitzende bei einem Unfall zu seinem Nachbarn hinüberrutscht. der Zusammenstoß von Passagieren beschäftigt Unfallforscher noch heute, vor allem beim Seitencrash.

OSV 40 innen ordentlich hinterschäumt

Ansonsten wirkt der Innenraum prall: Sämtliche Flächen, mit denen die Insassen in Berührung kommen könnten, sind mit einer zwei Zentimeter dicken PU-Schaumschicht überzogen. Und dieser Polyurethan-Schaum ist recht fest – mit dem Finger lässt er sich nicht eindrücken. Nach 1970er-Jahre-Zukunftsdenke sehen auch die Kopfstützen mit ihren jeweils zwei Querstreben und ihrer Verankerung im Wagendach aus: Am oberen Ende hängen die Stützen jeweils an einem Sicherheitsgurt, der die Verbindung zum Dach herstellt. Dies soll den Sitzen zusätzliche Stabilität bei voller Verstellbarkeit verleihen.

Opel OSV 40Foto: Opel/Martin Meiners
Die spacig geformten Kopfstützen sind mit Sicherheitsgurten im Dach verankert. Dies gewährleistet mehr Stabilität bei kompletter Verstellbarkeit der Sitze.

Keine Kopfstützen gibt es dafür im Fond – dort sorgen vier quer gespannte Gurte für bei einem Crash weitgehend unversehrte Passagier-Köpfe. Gurte hat der OSV 40 nicht nur im Dach und vor der Heckscheibe, sondern auch auf allen vier Sitzplätzen – schließlich bietet Opel seit 1974 seine Modelle ausnahmslos serienmäßig mit Sicherheitsgurten an. Das Problem war damals eher, dass die Autofahrer die Gurte in der Mehrzahl – im wahrsten Sinne des Wortes – links liegen bzw. hängen ließen. Dabei haben die vorderen Gurte sogar einen Gurtstraffer. Und auf der Mittelkonsole sitzt vor dem Automatik-Wahlhebel die Anzeige des sogenannten Bordwarn-Systems: Wenn beispielsweise etwas mit dem Öldruck, dem Batterie-Ladezustand oder den Bremsen nicht stimmt, leuchtet hier eine LED auf.

50 Jahre Opel Testcenter DudenhofenFoto: Opel
Die Schleuderplatte war in Dudenhofen als erstes fertig. Sie hat einen Durchmesser von 100 Metern.

Zwei Dudenhofen, ein Sieger

Das Opel-Testcenter in Dudenhofen hat also nicht nur legendäre Modelle wie den Opel GT, den Rekord und den Opel Manta hervorgebracht, sondern eben auch ideenreich konzipierte Fahrzeuge wie den OSV 40.

Die Standortwahl „Dudenhofen“ beruhte übrigens auf einer fehlenden Postleitzahl: 1963 landete versehentlich ein Briefumschlag mit der Adresse „Bürgermeister zu Dudenhofen“, also ohne Postleitzahl, auf dem Schreibtisch von Ortsbürgermeister Ludwig Kratz.

Dort konnte Kratz lesen, dass ein „internationaler Automobilhersteller“ mit dem 100 Kilometer südlich von Rüsselsheim gelegenen rheinland-pfälzischen Dudenhofen über den Erwerb eines Prüffeldes verhandelte. Der Bürgermeister reagierte schnell und clever, bot Opel ein Gelände im Wald seines, 44 Kilometer östlich von Rüsselsheim in Hessen gelegenen Ortes, Rodgau-Dudenhofen an. Das Gelände und die deutlich kürzere Entfernung zu Opels Hauptsitz Rüsselsheim überzeugten schließlich die Entscheider, so dass im April 1966 das bis heute permanent weiterentwickelte und ausgebaute Testcenter eröffnet werden konnte – und zwar an ganz anderem Ort als geplant. Wie das andere Dudenhofen damals reagiert hat, ist nicht überliefert.

Technische Daten
Opel OSV 40
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4318 x 1580 x 1370 mm
Hubraum / Motor1196 cm³ / 4-Zylinder
Leistung44 kW / 65 PS (95 Nm)
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    Neuester Kommentar

    Nun, viel besser sehen die heutigen Astra auch nicht aus.

    Rudolf1554 7. Oktober 2016, 09:39 Uhr
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