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Opel-Rettung

Unternehmensberater Roland Berger wird Opel-Koordinator

Opel Logo poliert Foto: dpa 144 Bilder

Der prominente Industrie- und Politikberater Roland Berger soll im Auftrag der Bundesregierung die Verhandlungen zur Rettung Opels koordinieren.

19.03.2009

Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwochabend (18.3.) in Berlin mitteilte, soll Berger „seine nationalen und internationalen Kontakte sowie seine Erfahrung aus jahrelanger Tätigkeit als Unternehmensberater einbringen, um die komplizierten Fragen im Verhältnis zwischen Opel und General Motors zu lösen.“

Roland Berger soll Investorensuche vorantreiben

Er solle überdies die Suche nach internationalen Investoren für eine europäische Gesellschaft vorantreiben. Opel strebt eine weitgehende Abkopplung des Europa-Geschäfts vom US-Mutterkonzern an, kann dies aber nicht allein schaffen. Vom Staat werden europaweit Hilfen von 3,3 Milliarden Euro für die nächsten zwei Jahre erhofft – über Bürgschaften, Kredite oder
Beteiligungen.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte auf seiner Reise in Washington angekündigt, dass die Regierung einen Koordinator installieren werde, der die Gespräche zwischen GM und Opel sowie weiteren europäischen Töchtern zusammenführen solle. Nach Angaben des Ministeriums wird Berger eng mit den auf Regierungsebene eingesetzten Beauftragten, Steven Rattner und Staatssekretär Homann, zusammenarbeiten.

Entscheidend ist des GM-Sanierungskonzept

Auf Berger wartet viel Arbeit. Denn wie Guttenberg in Washington erklärte, ist Opel bei weitem noch nicht gerettet, auch wenn der „Hoffnungsschimmer“ wieder etwas heller geworden sei – zumindest bis Ende des Monats. Entscheidend sei, ob das von GM  bis 31. März vorzulegende neue Unternehmens-Konzept zukunftsfähig sei und von Washington und Berlin akzeptiert werden könne, sagte der Minister nach seinen Gesprächen mit der Führung des Opel-Mutterkonzerns und Vertretern der US-Regierung.

Roland Berger hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten als gefragter Partner in Politik und Wirtschaft einen Namen gemacht. Die von ihm 1967 gegründete Beratungsgesellschaft Roland Berger Strategy Consultants zählt zu den wichtigsten der Branche weltweit. Der 71-Jährige hat beste Kontakte in die Entscheidungszentren und gilt in Wirtschaft und Politik als hervorragend vernetzt. Er beriet nicht nur den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), sondern auch dessen einstigen Herausforderer 2002, den früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU).

Zuvor hatte General Motors Europe am Mittwochabend mitgeteilt, dass die Unternehmensberatung Roland Berger beim neuen Unternehmensmodells für Opel helfen werde. Roland Berger solle die noch offenen Punkte des Konzepts klären, mit dem ein eigenständiges europäisches Unternehmen unter der Führung der Adam Opel GmbH entstehen soll.

Regierungen wollen zusammenarbeiten

Guttenberg hatte nach einem Treffen mit US-Finanzminister Timothy Geithner erklärt, weder die US-Regierung noch die Bundesregierung seien weiter bereit, Milliarden in ein Unternehmen zu stecken, das dem internationalen Wettbewerb auf Dauer nicht gewachsen sei. Beide verabredeten eine enge Zusammenarbeit bei der Krisenbewältigung des GM-Konzerns. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe sollen die Gespräche auf Spitzenebene verankern werden.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war die Reise Guttenbergs „sehr erfolgreich“. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, die Bundesregierung werde jetzt in den nächsten Wochen im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiter an einer Rettung von Opel arbeiten. Sie könne aber nicht Aufgaben des Konzerns übernehmen. Die SPD erwartet schnelles Handeln von Guttenberg. Eine europäische Lösung für Opel könne nur durch „aktive Mitarbeit“ der Bundesregierung erreicht werden, sagte der Parlamentarische SPD-Fraktions-Geschäftsführer Thomas Oppermann. FDP-Chef Guido Westerwelle bewertete die Reise mit den Worten: „Außer Spesen fast nichts gewesen.“

Opel wirbt im Bundestag um Unterstützung

Der Chef des GM-Europa-Ablegers Carl-Peter Forster und Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz warben am Mittwoch im Bundestag um die erhofften Milliarden-Staatshilfen. Aus einem Papier für die Abgeordneten geht hervor, dass Opel seine Probleme als Folge der Finanzkrise und mangelnder Kreditversorgung sieht. Auch hält sich das Unternehmen für die europäische Wirtschaft und Autoindustrie insgesamt für sehr wichtig („systemrelevant“). US-Regierung und Bundesregierung machen dagegen eher strukturelle Probleme für die Krise des Autobauers verantwortlich.

In dem Papier erklärt Opel, es würden bereits Gespräche mit Investment-Banken als Investoren geführt. Laut Guttenberg gibt es sowohl aus dem Finanzsektor als auch aus der Industrie interessierte Investoren. BMW-Chef Norbert Reithofer bestritt indessen nochmals jegliches Interesse an einen Einstieg bei Opel.

Die Arbeitnehmervertretung von Opel forderte unterdessen, die Autos als Zugeständnis des Mutterkonzerns künftig weltweit vertreiben zu dürfen. Im GM-Verbund darf Opel bisher nur auf dem europäischen Markt auftreten, das müsse geändert werden, sagte Franz der „Süddeutschen Zeitung“. Opel hat nach Angaben des Betriebsrates Fabrik-Kapazitäten für 2 Millionen Autos im Jahr. Im vergangenen Jahr wurden nur 1,4 Millionen Fahrzeuge abgesetzt.

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