Opel-Sanierung: GM könnte Milliarden in Opel pumpen

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Der geschrumpfte US-Autoriese General Motors (GM) schließt ein Scheitern des Opel-Verkaufs nicht mehr aus und könnte den deutschen Autobauer selbst sanieren.

"Sollten die Verhandlungen mit den Bietern (Magna und RHJI) nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führen, müssen Alternativen untersucht werden", sagte ein GM-Insider am Donnerstag (3.9.) der dpa.

Geld von GM und europäischen Opel-Standorten

In diesem Fall könne GM eine Milliarde Dollar vorab investieren, weiteres Geld sollen europäische Länder mit Opel-Standorten beisteuern. Auch eine Insolvenz wird als Option gesehen. Der GM-Verwaltungsrat wird in der nächsten Woche (8./9. September) über den Opel-Verkauf beraten.

Bei Politikern und Betriebsrat wächst die Wut über den Autoriesen, der mit dem Schicksal von Opel und zehntausenden Beschäftigten spiele. Auch die Führung von GM in Europa erhöht den Druck auf die US-Zentrale. Europa-Chef Carl-Peter Forster sprach sich für einen Verkauf von Opel an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna aus und unterstützt damit öffentlich die Bundesregierung. Forster warnte die GM-Zentrale nach einem Bericht des "Handelsblatts" davor, Opel im Rahmen eines Insolvenzverfahrens zu sanieren.

Opel-Belegschaft wendet sich gegen GM

Entscheidet sich GM für eine Sanierung aus eigener Kraft, würde Opel eine hundertprozentige Tochter bleiben. Allerdings müsste GM weitere Milliardenbeiträge in Form von Sachgütern und aus vorhandenen Barmitteln einbringen. Die Arbeitskosten müssten um eine Milliarde Euro gesenkt werden. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz forderte erneut, Opel müsse sich von GM lösen. Die Beiträge der Arbeitnehmerschaft stünden bei einem Alleingang des US-Konzerns nicht zur Verfügung. "Man darf uns nicht unterschätzen", sagte Franz.

Das "Wall Street Journal" (WSJ) hatte am Mittwoch unter Berufung auf eine informierte Person berichtet, GM sei bereit, mehr als eine Milliarde Dollar in Opel zu investieren. Das könnte die Karten im Opel-Poker neu mischen und wäre eine drastische Abkehr von der bisher bekannten GM-Position: Es galt als ausgeschlossen, dass der nach der Insolvenz vom US-Staat kontrollierte Konzern amerikanische Steuergelder ins Ausland pumpen würde.

GM darf in Opel-Frage frei entscheiden

Der GM-Insider betonte gegenüber dpa jedoch, seit dem Ende des Insolvenzverfahrens in den USA könne der GM-Verwaltungsrat selbstständig entscheiden, wofür der Konzern das Geld der Steuerzahler ausgibt. Auch Auslandsinvestitionen seien möglich, wenn diese den US-Konzern stützten. Der GM-Verwaltungsrat hat sich, nachdem der Staat bei dem US-Autobauer die Mehrheit übernommen hat, neu formiert und deutlich an Macht gewonnen. US-Präsident Barack Obama hat dem Management in der Opel-Frage freie Hand gelassen.

Aus deutschen Verhandlungskreisen hieß es, die jüngsten Gerüchte würden von Kräften im GM-Verwaltungsrat gestreut, die gegen einen Verkauf seien. Das Gremium will in der nächsten Woche erneut über Opel beraten. Nach dpa-Informationen könnte sich GM auch bei einem Verkauf mit eigenem Geld an der Opel-Sanierung beteiligen. Bei einem Zuschlag für das Konsortium Magna/Sberbank würde GM früheren Angaben zufolge 35 Prozent der Opel-Anteile behalten. 55 Prozent gingen an Magna/Sberbank, 10 Prozent an die Beschäftigten.

Mit den Opel/GM-Verhandlungen vertraute Personen bestätigten "WSJ"-Angaben, dass GM davon ausgeht, bei den Regierungen Spaniens, Großbritanniens und Polens rund eine Milliarde Euro an Unterstützung für Opel einsammeln zu können. Diese Länder mit Opel-Standorten waren wegen einseitiger deutscher Finanzierungszusagen für den Autozulieferer Magna verärgert. Sie fürchten, dass die Werke in ihren Ländern stärker von Sparmaßnahmen betroffen sein könnten als die deutschen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich wiederholt für Magna ausgesprochen.

Forster rechnet fest mit Verkauf an Magna

GM-Europe-Chef Forster, der gleichzeitig Opel-Aufsichtsratschef ist, rechnet fest mit einem Verkauf an Magna. "Am wahrscheinlichsten ist für mich Magna, da alle Voraussetzungen erfüllt und die Verträge durchverhandelt sind sowie auch die Finanzierung steht", sagte Forster der Tageszeitung "Die Welt". Der Verbleib bei General Motors sei jedoch eine denkbare Option. Magna wolle zwar höhere Garantien als der zweite Interessent, der belgische Finanzinvestor RHJI, biete dafür aber mehr strategische Optionen.

Steuergelder gibt es nur für Magna

Der Merkel-Vertraute Volker Kauder (CDU) kritisierte die GM-Spitze als führungslos. "Denen traue ich auch nicht zu, eine Firma wie Opel voranzubringen", sagte der Chef der Unions-Bundestagsfraktion dem "Handelsblatt". Sollte GM Opel dagegen behalten wollen, "werden wir vom US-Konzern die Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro zurückverlangen." Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte, Steuergeld werde es nur für Magna geben.

Opel-Betriebsratschef Franz bezeichnete mögliche Milliarden-Investments der vormaligen Konzernmutter als "Milchmädchenrechnung". Für neue Modelle und die Restrukturierung von Opel/Vauxhall seien mindestens sechs Milliarden Euro notwendig. Dieses Geld habe GM nicht. In welch schlechter Verfassung die Amerikaner auch nach überstandener Insolvenz seien, zeige die Abwrackprämie: "GM und Chrysler waren in den USA die größten Loser (Verlierer), Opel und VW in Deutschland die größter Gewinner."

Laut GM-Kreisen streben weder Verwaltungsrat noch Management des US-Herstellers eine Insolvenz von Opel an. GM favorisierte bisher den belgischen Finanzinvestor RHJ International, der mit 1,3 Milliarden Euro weniger Steuergeld als Magna kalkuliert.

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dpa/uba

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