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Opel-Sanierung

Hängepartie um Opel geht weiter

Opel Werk Rüsselsheim Foto: Hersteller 144 Bilder

Die Hängepartie um den Opel-Verkauf zieht sich hin. Überraschend hat die bisherige Opel-Mutter General Motors (GM) ihre Karten noch nicht aufgedeckt. Der GM-Verwaltungsrat gab in Detroit kein Votum ab, an wen Opel verkauft werden soll.

05.08.2009

Am Dienstag (4.8.) setzten Vertreter von Bund, Ländern, GM und die beiden Opel-Interessenten Magna und RHJ International (RHJI) ihre Verhandlungen in Berlin fort. Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann sagte im Anschluss, es habe deutliche Fortschritte gegeben. GM, Magna und RHJI hätten erklärt, dass sie bis Ende der Woche die Voraussetzungen schaffen könnten, um zu einem Ergebnis zu kommen.

Verhandlungen gehen weiter

Nach Ansicht des Betriebsrats rückt GM unter dem massiven politischen Druck aus Deutschland von seiner ablehnenden Haltung gegen Magna ab - die GM-Führung könnte sich von ihrer bisherigen Präferenz für RHJI distanzieren. Die Bundesregierung, die betroffenen Opel-Bundesländer und der Opel-Betriebsrat bevorzugen Magna, weil der Zulieferkonzern in Zusammenarbeit mit seinen russischen Partnern weniger Arbeitsplätze in Deutschland abbauen und Opel klarer vom ehemaligen Mutterkonzern abtrennen will als RHJI.    

Die Gespräche in Berlin wurden am Dienstagnachmittag in zwei separaten Runden fortgeführt. Zunächst sprachen die von Bund und Ländern eingesetzte Opel-Task-Force und GM-Vertreter mit Magna, danach mit RHJI. Homann erklärte, die Task-Force habe unter anderem deutlich gemacht, dass sie einen höheren Eigenkapitalbeitrag erwarte, als Magna und RHJI bislang angeboten hätten.    

Laut Homann ist nach wie vor geplant, einen Kaufvertrag in diesem Sommer zu unterschreiben und den Vertrag im Herbst abschließend unter Dach und Fach zu bringen. Während die Arbeitnehmervertreter sowie das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium eine baldige Entscheidung erwarten, fürchten Branchenexperten, dass GM auf Zeit spielt und Opel in die Insolvenz treiben will.    

GM-Entscheidung verschoben

Der GM-Verwaltungsrat verschob bei seiner zweitägigen Sitzung am Montag und Dienstag eine Entscheidung. "Dem Gremium wurde keine Empfehlung vorgelegt, da sich GM mit Magna und RHJI noch in laufenden Verhandlungen befindet», teilte GM Europe in Zürich mit. Der Verwaltungsrat sei über den aktuellen Stand der Verhandlungen nur informiert worden - ursprünglich wollte man einen Wunschkandidaten benennen.    

Bislang hatte sich ein Teil des GM-Managements für den Finanzinvestor RHJI ausgesprochen, der Opel enger bei GM belassen würde. Der GM-Verwaltungsrat bekräftigte diese Position aber nicht. "Das gibt Hoffnung", sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz der Deutschen Presse-Agentur dpa. "GM erkennt, dass sie keine Entscheidung gegen die Bundes- und Landesregierungen sowie die Arbeitnehmer treffen können." Magna bleibe der Favorit. In strittigen Fragen wie Patentrechten und dem Zugang zum russischen Markt habe es in den Verhandlungen bereits eine Annäherung gegeben.    

Die vier Bundesländer mit Opel-Standorten sprachen sich erneut dafür aus, zügig mit dem Interessenten Magna zu verhandeln. Nach Einschätzung des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Hendrik Hering (SPD) könnten GM und Magna in den nächsten Tagen "bei gutem Willen" eine abschließende Einigung erzielen. "Es gibt nur noch ganz wenige Punkte, wo man auseinander ist", sagte Hering. Er verwies auch darauf, dass die Länder mit Opel-Standorten nur mit Geld helfen, wenn es zu einem Abschluss mit Magna kommt. Dies bekräftigte auch der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers (CDU).    

Dudenhöffer: "GM spielt auf Zeit"

Nach Überzeugung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer spielt GM auf Zeit und will Opel in die Insolvenz treiben. Dann könne GM sich ohne große Sozialleistungen der Opel-Standorte Antwerpen, Bochum, Kaiserslautern und Ellesmere Port "entledigen", schreibt der Experte für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen in einer der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegenden Analyse. "Man gewinnt den Eindruck, GM spielt mit den Werken Monopoly", kritisiert Dudenhöffer. GM rechne damit, dass die Bundesländer im Fall eines Verkaufs an RHJI die staatlichen Bürgschaften kündigten. "Damit bliebe nur die Insolvenz. Dies ist mit Sicherheit ein Szenario, das bei GM genau geprüft wird", schreibt Dudenhöffer.

Auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte das Thema Insolvenz mehrfach als Option ins Spiel gebracht. Der Opel-Betriebsrat lehnt dies aber ab - auch aus Angst, mögliche Opel-Käufer zu verschrecken. Am Steuer von GM sitzt aber nach schnell durchgezogener Insolvenz die US-Regierung als neuer Mehrheitsaktionär des US-Autobauers. Eine offizielle Empfehlung werde GM erst dann abgeben, wenn der Verwaltungsrat sowie das US-Finanzministerium diese abgesegnet haben, hieß es zuletzt in US-Unternehmenskreisen.

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