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Opel-Sanierung

Immer noch kein entgültiges Rettungskonzept für Opel

GM Logo Foto: dpa 45 Bilder

Der Nervenkrieg um die Rettung des Autobauers Opel eskaliert. In den USA zeichnet sich immer mehr ab, dass der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) zum Monatsende in die Insolvenz geht.

15.05.2009

In Berlin schloss Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auch eine Insolvenz von Opel nicht aus, wenn mögliche Investoren für den europäischen GM-Konzernteil bis zum kommenden Mittwoch (20.5.) kein tragfähiges Konzept vorlegten.

Treuhand-Modell stößt in den USA auf Wiederstand

Bei den harten Verhandlungen um eine Lösung will nach Informationen der dpa das Kanzleramt nun die Zügel stärker in die Hand nehmen. Kommende Woche soll eine Delegation nach Washington reisen. Das von Guttenberg als Übergangslösung vorgeschlagene Treuhand-Modell findet zwar Unterstützer aus der deutschen Politik, stößt aber Medienberichten zufolge in den USA auf Widerstand. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält das Modell sogar für völlig unrealistisch. "Ich sehe null Chancen darauf, dass General Motors und die US- Regierung zustimmen", sagte Dudenhöffer.

Es werde verlangt, dass GM einen Teil seines Vermögens abtrete und Gläubiger im Falle der erwarteten GM-Insolvenz auf Mitspracherechte verzichteten, ohne einen Dollar dafür zu bekommen. Stattdessen solle der Bund General Motors besser einen Teil des Europa-Geschäfts für drei bis vier Milliarden Euro abkaufen, sagte Dudenhöffer. Dies sei eine einfachere und schnellere Lösung.

Die Bundesregierung wollte sich nicht zu angeblichen Vorbehalten der US-Regierung gegen das Treuhand-Modell äußern. Das Modell sei mit der US-Seite besprochen worden, sagte der Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. In der derzeit sensiblen Phase werde man aber keine Zwischenstände über Verhandlungen oder "spekulative Betrachtungen" abgeben. Auch ein GM-Konzernsprecher in Detroit wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Die Bundesregierung will Opel mit dem Treuhand-Modell mehr Zeit für Verhandlungen mit Investoren geben - vorausgesetzt, mindestens ein Interessent legt bis zum 20. Mai ein tragfähiges Konzept vor.

Unterstützung aus der US-Regierung fehlt

Die "Financial Times Deutschland" schrieb, die US-Regierung lehne das Modell ab. "Die Haltung der USA ist ein Problem", zitierte die Zeitung aus Regierungskreisen in Berlin. Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, es fehle an Unterstützung der US-Regierung. Die erwartete Insolvenz von GM werde die Bundesregierung daher in ein Dilemma stürzen. GM hatte erklärt, im Fall einer Insolvenz einen ähnlichen Weg wie der Wettbewerber Chrysler zu gehen. Die Opel-Mutter würde dann überlebensfähigen Teile an ein neu zu gründendes Unternehmen verkaufen. Dieses solle das Insolvenzverfahren möglichst rasch wieder verlassen.

Opel-Händler wollen helfen

Die europäischen Opel-Händler wollen unterdessen nach Angaben des der Vizepräsidenten der Händlervereinigung Euroda, Albert Still, zur Rettung von Opel einen Firmenanteil von 10 bis 15 Prozent erwerben. Sprecher des Verbandes der rund 4.000 Opel- und Vauxhall-Händler bekräftigten, dass sie mit Hilfe einer Abgabe von 150 Euro je verkauftem Wagen in den kommenden drei Jahren bis zu 500 Millionen Euro aufbringen könnten, um Opel vor der Pleite zu retten. Dafür fordern sie Mitspracherechte und einen Sitz im Opel-Aufsichtsrat.

Landesbank Hessen-Thüringen würde Zwischenfinanzierung übernehemen
 
In der Branche wird spekuliert, dass bei einer Treuhand-Lösung die staatliche KfW-Bankengruppe gemeinsam mit mehreren Landesbanken Opel helfen könnte. Nach Angaben von GM-Europachef Carl-Peter Forster benötigt Opel dann einen Überbrückungskredit von mehr als einer Milliarde Euro. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zeigte sich grundsätzlich bereit zu einer Zwischenfinanzierung, bis ein Investor gefunden werde. Als Kandidaten für eine dauerhafte Lösung gelten der italienische Autobauer Fiat, der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna und Finanzinvestoren.
 
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) warb für die Treuhand-Übergangslösung. Er sagte im rbb-"Inforadio", alle europäischen GM-Aktivitäten müssten in eine Hand gebracht werden. Außerdem stelle eine Treuhand-Lösung sicher, dass Opel in den kommenden Wochen ungestört arbeiten könne. Opel mit Hauptsitz im hessischen Rüsselsheim und weiteren Werken in Kaiserslautern, Bochum und Eisenach beschäftigt in Deutschland rund 25.000 Menschen.

Lohnkürzungen für GM-Schichtarbeiter

Unterdessen steht General Motors einem Zeitungsbericht zufolge vor einer Einigung mit der Gewerkschaft. Nach den Plänen sollen die Lohnkosten für GM-Schichtarbeiter in den USA um mehr als eine Milliarde Dollar pro Jahr gekürzt werden, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Verhandlungskreise. Eine noch größere Hürde ist für GM der ungelöste Streit mit Tausenden von Gläubigern, bei denen GM mit rund 27 Milliarden Dollar in der Kreide steht. Ein Ultimatum von US-Präsident Barack Obama läuft Ende Mai ab.

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