Opel: Sicherung für Rüsselsheim

Der Autobauer Opel will sein schlecht ausgelastetes Stammwerk in Rüsselsheim 2007 mit Freischichten und mehr Werbung für die dort produzierten Modelle sichern. Trotz des erwarteten Nachfragerückgangs nach den Modellen Vectra und Signum sei
kein weiterer Stellenabbau geplant.

"Von 2008 an hat Rüsselsheim eine neue Modellgeneration und braucht eine gut trainierte Mannschaft", sagte Opel-Chef Hans Demant. "Die Zwischenzeit bis dahin müssen wir überbrücken." Ab Mitte 2008 wird in Rüsselsheim die gesamte europäische Mittelklasse der Mutter General Motors (GM) gebaut. Das Werk mit rund 4.000 Mitarbeitern soll dann mit zusätzlichen Einheiten für die Marken Saab und Vauxhall zum Dreischichtbetrieb zurückkehren.

Nach Angaben des Betriebsrates besteht bis dahin ein Überhang von 600 bis 800 Jobs. "Der 2005 im Zukunftsvertrag vereinbarte Abbau von 9.500 Stellen wird 2007 abgeschlossen - darüber hinaus ist nichts geplant", unterstrich Demant. Die Auslastung des Rüsselsheimer Werks, das als das modernste der Mutter General Motors in Europa gilt, liegt derzeit nur bei 60 Prozent. "Das Mittelklasse-Segment wird kleiner und unsere Modelle sind am Ende ihres Lebenszyklus", sagte Demant.

In diesem Jahr laufen rund 142.000 Vectras und Signums in Rüsselsheim vom Band, obwohl das Werk derzeit auf eine Kapazität von 180.000 Fahrzeugen ausgelegt ist. Im nächsten Jahr werde die Zahl weiter sinken, die Auslastung aber entgegen anders lautender Studien über 50 Prozent bleiben. Opel verkauft 2006 in Deutschland voraussichtlich rund 34.000 Vectra und Signum, was einen Tiefstand bedeutet. "Wir werden einiges tun, um die Modelle zu beleben, zum Beispiel werden wir unsere Werbebudgets im nächsten Jahr für Vectra und Signum deutlich erhöhen", kündigte der Opel-Chef an. In diesem Jahr habe sich das Marketing auf den neu eingeführten Kleinwagen Corsa konzentriert.

US-Marktstart soll Absatz sichern

Der Absatz der Mittelklassewagen könnte auch durch Verkäufe in die USA gestärkt werden. "Der Nachfolger des Vectra wird bei uns in Rüsselsheim entwickelt und sowohl für Europa als auch für die USA ausgelegt", sagte Demant. Grundsätzlich sei es die Strategie des Unternehmens, die Fahrzeuge in den jeweiligen Märkten zu bauen. Er schloss jedoch nicht aus, dass bestimmte Varianten auch in Europa gebaut und exportiert werden können. Opel hatte vor kurzem beschlossen, den erfolgreichen Kompaktwagen Astra unter der Schwestermarke Saturn von Ende 2007 an in die USA zu exportieren. "Das Design kommt in den USA unheimlich gut an." Momentan gebe es keine Pläne, in Rüsselsheim den Kompaktwagen Astra zu bauen und damit die Auslastung zu steigern. "Grundsätzlich sollen alle Werke alles bauen können - so weit werden wir aber erst nach 2010 sein."

Wo das Nachfolgemodell des Astra produziert werde, entscheide sich frühestens Mitte 2007. Europaweit konkurrieren fünf Werke um die Vergabe. Der deutsche Standort Bochum hat laut Demant gute Chancen. "Bochum ist eines der Astra-Werke, das produktiv ist." Opel will 2006 sein Ziel erreichen, nach jahrelangen Verlusten wieder in die schwarzen Zahlen zurückzukommen. "Wir sind guter Hoffnung, dass wir dieses Ziel erreichen", sagte der Opel-Chef.

An einem Oberklassemodell oberhalb des Vectra und Signum werde gearbeitet, es gebe aber noch keine Produktionsentscheidung. Beobachter rechnen damit, dass ein solches Fahrzeug 2009 auf den Markt kommen könnte. "Wir denken hier nicht nur einfach an eine Limousine, sondern eher an ein Cross-Over-Modell." Für einen Kleinwagen unterhalb des gewachsenen Corsa, der größer als seine Vorgänger ist, sieht Demant keinen Platz. "Da haben wir den Agila und darunter die GM-Marke Chevrolet." Das untere Preissegment dürfe nicht mit der Marke Opel abgedeckt werden, weil sie sonst an Wert verliere.

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dpa

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