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Sonderschichten für Insignia

Foto: dpa 26 Bilder

Opel-Betriebsratschef und Aufsichtsratsvize Klaus Franz spricht im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über den Anlauf des Opel Insignia und die Reaktionen auf die Finanzkrise.

01.11.2008 Harald Hamprecht

Herr Franz, Opel soll ein Abfindungsprogramm für seine deutschen Standorte planen. Wie sehen die Details aus?
Franz: Ein Abfindungsprogramm ist nur für Opel Bochum im  Gespräch, nicht für die Standorte Rüsselsheim, Eisenach oder Kaiserslautern. Betroffen wären in Bochum höchstens 150 der insgesamt 5.000 Opel- und GM Powertrain-Mitarbeiter am Standort, deswegen kann man auch nicht wirklich von einem Programm reden. Ich gehe aber davon aus, dass GM auch für Bochumer Abfindungen kein Geld ausgeben wird. Finanzielle Liquidität ist gerade das oberste Gebot. Außerdem sind wir personell schon sehr schlank aufgestellt. Deswegen starten wir sogar wieder mit einem verstärkten Insourcing.

Wo und wie?
Franz: Damit will die Geschäftsführung die vertraglich zugesicherte Beschäftigungsgröße garantieren. Ins Haus geholt haben wir bereits die Cockpit-Montage für den Insignia in Rüsselsheim, die 180 Arbeitsplätze sichert. Daneben durchleuchten wir gerade weitere Produktions- und Dienstleistungsbereiche, wie etwa Konstruktionsaufträge, die noch bei Entwicklungsdienstleistern liegen oder Material-Vorsequenzierungen, die Zulieferer für uns übernehmen. Ich stelle mit Freude fest, dass die Konzernführung von ihren fast schon dogmatischen Outsourcing-Primat abgekommen ist. Wir werden mit Insourcing 2008 und 2009 mehrere hundert Arbeitsplätze sichern können, die ansonsten aufgrund der Produktivitätssteigerungen weggefallen wären.

Wie läuft die Insignia-Produktion an?
Franz: Hervorragend. Pünktlich zum 22. November wird unser neues Modell im Handel an den Start gehen. Wir fahren schon heute - bei allen strengen Qualitätsvorgaben - eine sehr steile Anlaufkurve. Doch reicht die bisher nicht aus, um die Nachfrage und Händler zu befriedigen. Deswegen haben wir vergangenen Samstag bereits eine Sonderschicht gefahren und werden für 8. November auch die zweite Sonderschicht genehmigen.

Deswegen gibt es in Rüsselsheim auch keine Produktionskürzungen oder Betriebsruhen, wie in fast jedem anderen westeuropäischen Opel-Werk?
Franz: Richtig. Wir spüren aber gerade wieder einen leichten Anstieg bei den Auftragseingängen - nicht nur beim Insignia. Deswegen sind dieses Jahr europaweit keine weiteren Maßnahmen notwendig, als unsere flexiblen Arbeitszeitmodelle zu nutzen. 2009 erwarten wir aber sicher keine einfachere Marktsituation, deswegen verhandeln wir schon jetzt mit der Konzernführung über mögliche Maßnahmen, um unsere Flexibilität zu erhöhen. Ergebnisse dazu kann ich Ihnen erst in drei, vier Wochen nennen. Ein gutes Beispiel ist aber schon jetzt unser Werk Zaragossa: Von den insgesamt 8.500 Mitarbeitern am spanischen Standort beurlauben wir übers gesamte Jahr 2009 hinweg 600 Stellen. Mitarbeiter können sich hier aussuchen, ob sie auf freiwilliger Basis für einen oder für zwölf Monate beurlaubt werden wollen - mit Zahlungen der Arbeitsverwaltung und des Unternehmens. Und ich kann Ihnen sagen, die Zahl der Freiwilligen ist gerade größer als die der Plätze, die wir vergeben können. Mit solchen Maßnahmen können wir uns auf die drohende Durststrecke im Markt einstellen und betriebsbedingte Kündigungen verhindern. Das ist unser oberstes Ziel.

Ihr Mutterkonzern General Motors steht unter enormen Kostendruck. Wird das Auswirkungen auf die Investitionsplanung haben?
Franz: Im April 2008 haben wir ein großes Investitionsprogramm verkündet: Wir wollen bis 2012 insgesamt neun Milliarden Euro in Opel investieren, wovon 6,5 Milliarden Euro allein in die Entwicklung neuer Automodelle und neuer Antriebssysteme fließen. Daran halten wir fest - trotz der neuen Herausforderungen, welche die komplette Industrie überrascht haben, ich nenne nur die rasant gestiegenen Rohstoffpreise oder negativen Wechselkurs-Entwicklungen. Verschiebungen bestimmter Investitionen innerhalb dieses Zeitraums von fünf Jahren sind dabei aber nicht ausgeschlossen. Jeder Konzern muss sich bei einer solchen Situation wie heute überlegen, welches Geld er jetzt ausgibt und was er später investieren kann, da sind wir keine Ausnahme. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Trotzdem werden wir gemeinsam mit dem Management die gesamte Wertschöpfungskette nach Einsparpotenzialen analysieren, um gemeinsam erfolgreich im Wettbewerb zu behaupten.

Abschlussfrage: Was erwarten Sie von den anstehenden Tarifverhandlungen?
Franz: Dass die IG Metall und Arbeitgeber sich schnell ohne Rituale einigen und ein Zeichen setzen, die Binnennachfrage zu stärken und damit den Kunden Kaufanreize geben.

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