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Opel-Übernahme

BMW und VW drohen Magna

Opel Logo Foto: dpa 9 Bilder

Die geplante Opel-Übernahme durch Magna stößt bei den Kunden des Zulieferers auf Widerstand. Sowohl VW als auch BMW wollen ihre Zusammenarbeit überdenken.

16.09.2009

Sie drohen aus Angst vor dem Abfluss technologischen Wissens mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehungen. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch brachte die Bedenken der Hersteller am Dienstag (15.9.) auf der IAA in Frankfurt auf den Punkt: "Wir als Konzern mögen es nicht, wenn aus unseren Zulieferern unsere Konkurrenten werden."

 

Madrid steuert kein Geld zur Opel-Rettung bei

Die Bundesregierung rückt wegen ihrer Verhandlungen bei der Opel-Rettung immer mehr in den Fokus internationaler Kritik. Der spanische Industrieminister Miguel Sebastian bemängelte fehlende Informationen zur Opel-Übernahme durch das Konsortium Magna/Sberbank. Madrid werde nach jetzigem Stand kein Geld zur Opel-Rettung beisteuern. "Heute sind wir aufgefordert worden, die Rechnung zu bezahlen, ohne die Speisekarte gesehen zu haben", sagte Sebastian am Dienstag in Berlin nach Beratungen der Bundesregierung mit anderen europäischen Opel-Ländern und der EU-Kommission. Auch Belgien hatte Berlin heftig kritisiert.

Opel-Betriebsrat will gegen Schließung des Werks Antwerpen vorgehen

Derweil wollen die Opel-Betriebsräte europaweit gegen die angekündigte Schließung des Werks in Antwerpen mobil machen. "Wir werden gegen die Schließung kämpfen", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz am Dienstag auf der IAA in Frankfurt. BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner sagte: "Wir hatten bisher eine sehr gute Zusammenarbeit mit Magna, aber da hat sich die Strategie geändert." Eichiner fügte hinzu: "Insofern müssen wir schon darüber nachdenken, welche Technologie wollen wir in die Hände eines Konkurrenten geben. Das muss jetzt sicher überdacht werden."

Nur Daimler hat kein Problem mit der Opel-Übernahme

Entschieden sei aber noch nichts. Magna produziert für BMW derzeit unter  anderem den kleinen Geländewagen BMW X3 und Komponenten. Gegenwind kommt auch von Europas größtem Autobauer VW. VW-Chef Martin Winterkorn bekräftigte, Volkswagen werde sein Geschäftsmodell mit Magna überprüfen: "Wo laufen wir Gefahr, dass wir bestimmte Informationen an die Konkurrenz geben?" VW gehört zu den großen Kunden von Magna. Hingegen hält der Daimler-Konzern an der Zusammenarbeit mit dem Zulieferer fest. Die Beziehung zu dem österreichisch-kanadischen Unternehmen werde nicht infrage gestellt, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche am Dienstag auf der IAA in Frankfurt. Er glaube, dass es auch nach der geplanten Übernahme von Opel eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Magna geben werde. Die beiden Unternehmen arbeiten bei der Mercedes-Benz G-Klasse zusammen.

Magna wird das Komponentengeschäft strikt vom Autogeschäft trennen

Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf hatte sich in der Debatte zuletzt gelassen gezeigt. Jeder Kunde werde es sich gut überlegen, bevor er auf die wettbewerbsfähigen Produkte verzichtet. "Magna hat bis heute keinen einzigen Auftrag in einem Schönheitswettbewerb gewonnen, sondern weil wir im Thema Qualität, Technologie und Preis wettbewerbsfähig sind." Außerdem werde Magna das Komponentengeschäft strikt vom Autogeschäft trennen. "Es wird keine organisatorischen oder personellen Überschneidungen geben", versprach Wolf. Bei einem Treffen am Dienstag in Berlin haben sich Deutschland und die anderen europäischen Opel-Länder noch nicht auf eine Verteilung der Milliarden-Staatshilfen für den Autobauer einigen können.

Vauxhallwird weiterhin gestützt

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte aber mit, alle teilnehmenden Länder bemühten sich, zügig die Grundlage für eine gemeinsame Finanzierung zu legen. Nach Belgien fordert jetzt auch Spanien eine genaue Prüfung der deutschen Opel-Hilfen durch die EU-Kommission. Die Opel-Sanierung müsse als europäische Lösung angelegt sein. Der britische Premierminister Gordon Brown hat der Opel-Schwester Vauxhall hingegen weitere staatliche Hilfen für den Erhalt von Arbeitsplätzen zugesichert. "Wir werden weiterhin die finanzielle Unterstützung leisten, die den Astra ermöglichte", sagte der Regierungschef am Dienstag in Ellesmere Port, während Opel auf der IAA  in Frankfurt die fünfte Astra-Generation präsentierte. "Wir werden die Refinanzierung der Firma unterstützen, um zu ermöglichen, dass Autos hier für viele weitere Jahre produziert werden." Magna will europaweit rund 10.500 Stellen streichen. In Großbritannien ist vor allem das Werk in Luton, wo Kleintransporter produziert werden, vom Stellenabbau bedroht.

Die Betriebsräte und Gewerkschaften wollen Franz zufolge bei einem Treffen in der belgischen Hafenstadt am 23. September ihr weiteres Vorgehen beraten. Gleichzeitig seien erste Protestaktionen geplant. Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf hatte am Montag bestätigt, dass Antwerpen als einziges europäisches Werk geschlossen werden soll. Allerdings will Magna alternative Formen der Zusammenarbeit prüfen. "Vielleicht ergibt sich im Bereich von Auftragsfertigung  eine Möglichkeit. Wir werden das sehr genau prüfen und jede Unterstützung anbieten", hatte Wolf versprochen. Opel baut in Antwerpen mit zuletzt 2.580 Mitarbeitern den Opel Astra.

10.500 Entlassungen sind Planzahlen

Franz betonte, dass die Arbeitnehmervertreter bei den Verhandlungen mit Magna Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen ablehnen werden. Gleichzeitig forderte er, dass die Lasten gerecht zwischen den europäischen Standorten verteilt werden. Auch die von dem neuen Eigentümer angekündigte Streichung von 10.500 Stellen in Europa und gut 4.000 in Deutschland sei noch nicht in Stein gemeißelt: "Das sind Planzahlen. Was als Ergebnis rauskommt, werden wir sehen."

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