Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Opel-Übernahme

Gemischte Reaktionen auf geplanten Opel-Verkauf

Opel Logo Foto: dpa 144 Bilder

Der vereinbarte Verkauf von Opel an den Zulieferer Magna hat gemischte Reaktionen hervorgerufen. Die Einen sprechen von einer Rettung für Opel, die Anderen sehen eine mögliche Insolvenz von Opel noch lange nicht ausgeräumt.

11.09.2009

Autofachmann Willi Diez beurteilt den Verkauf an Magna keineswegs als beste Lösung, der Experte Wolfgang Meinig hält sogar eine Insolvenz von Opel in den kommenden Jahren für möglich.

Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sieht dagegen eine gute Zukunft für Opel: "Das Unternehmen wird unabhängig. Und diese Unabhängigkeit zeigt sich, davon bin ich absolut überzeugt, im wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens", sagte er dem Sender N24 am Freitag.

Britische Werke sollen sicher sein

Derweil sieht Großbritanniens Wirtschaftsminister Peter Mandelson die Zukunft der britischen Vauxhall-Werke nicht gefährdet. Mandelson bestritt zudem, dass Magna eher britische als deutsche Arbeitsplätze abbauen werde. Vielmehr stehe die gesamte Belegschaft von Vauxhall und der Schwestermarke Opel in Europa fraglos vor Umstrukturierungen, sagte er am Donnerstagabend dem britischen Sender BBC. "Aber wenn Sie mich fragen, ob die Zukunft der beiden britischen Werke sicher ist, da habe ich die Zusicherung von Magna erhalten."

Unmut in Belgien

In Belgien führte die Entscheidung dagegen zu Unruhe und Verärgerung. Der liberale Finanzminister und Vize-Premierminister Didier Reynders sagte laut der Nachrichtenagentur Belga, es sollte auf europäischer Ebene eine Untersuchung über möglichen Protektionismus in Deutschland geben. Der belgische Opel-Standort Antwerpen gilt als gefährdet. Arbeitsministerin Joëlle Milquet beklagte, dass es bei der Opel-Krise an europäischem Zusammenhalt mangele.

Opel braucht zwei, drei Jahre
 
"In spätestens zwei bis drei Jahren werden wir wissen, ob Opel wettbewerbsfähig ist", sagte Diez MDR Info. Magna sei keine schlechte Wahl, doch um am Weltmarkt bestehen zu können, muss Opel nach Einschätzung des Leiters des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen den Absatz von 1,5 auf etwa 3 Millionen Autos verdoppeln. Die Hoffnungen von Opel auf die russischen Magna-Partner Gaz und Sberbank bewertete Diez verhalten: Derzeit liege dort das Autogeschäft mit Rückgängen um 50 Prozent in den ersten Monaten völlig am Boden. "Es wird sicher einige Jahre dauern, bis der russische Markt das Volumen hat, dass Opel davon echt profitiert."

Autoexperte Meinig sagte im Bayerischen Rundfunk: "Das Thema Insolvenz wird uns in den nächsten Jahren jeden Tag, jede Woche begleiten." Ob Opel weiter bestehen werde, hänge davon ab, ob der Autobauer Fahrzeuge entwickele, die angenommen werden. Außerdem sei Opel nach wie vor von General Motors abhängig, bislang habe GM selbst keine guten Ideen gehabt.

IG Metall mit Erleichterung
 
IG-Metall-Chef Berthold Huber sagte im ZDF-Morgenmagazin, man sei "erleichtert" über die Entscheidung: "Hoffentlich trägt sie und bleibt stabil." Die Verhandlungen mit Magna über Arbeitsplätze und Standortsicherungen stünden bevor. Huber betonte, man sei bereit, bei Lohnerhöhungen und Sonderleistungen Opfer zu bringen. "Aber wir wollen den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen, es gibt andere Lösungsmöglichkeiten. Und wir wollen, dass die Standorte sicher bleiben."

Gutes Signal für Beziehungen mit Russland
 
Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) nannte den Einstieg von Magna die einzig tragfähige Lösung. Nur so könne Opel selbstständig und zugleich in einer hohen Loyalität mit dem bisherigen Mutterkonzern General Motors (GM) verbunden bleiben, sagte er im Deutschlandradio Kultur. "Nur Magna gewährleistet von seinem Unternehmenskonzept her genau diesen Weg."

Der angestrebte Opel-Verkauf an Magna und dessen russische Partner ist aus Sicht der deutschen Wirtschaft ein wichtiges Signal für die Handelsbeziehungen mit Russland. Ein erfolgreiches russisches Engagement bei Opel könne weitere russische Investoren ermutigen, nach Deutschland zu kommen, sagte der Chef des Ost-Ausschusses der Wirtschaft, Klaus Mangold, am Freitag in Berlin.
 
Für deutsche Autokonzerne und Zulieferer gehe es darum, sich auf dem russischen Markt eine gute Ausgangsposition für die Zeit nach der Krise zu sichern. "Der erste Schritt ist jetzt gemacht. Auf alle Beteiligten wartet aber in jedem Fall noch ein großes Stück Arbeit, bis Opel wieder zu einer Erfolgsgeschichte wird", sagte Ex-Daimler-Manager Mangold.

Österreich übt sich in Zurückhaltung

Der Wunsch Deutschlands nach einer finanziellen Beteiligung anderer Länder mit Opel-Standorten an der Rettung des Autobauers ist in Österreich zurückhaltend aufgenommen worden. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehn sagte der österreichischen Nachrichtenagentur APA am Freitag, er sei "sehr abwartend defensiv", wenn es darum gehe, Geldspritzen zu geben. Österreich habe auch nie etwas in diese Richtung versprochen. Im GM-Werk in Wien-Aspern werden unter anderem Motoren für Opel-Fahrzeuge hergestellt.
 
In der ORF-Nachrichtensendung "ZiB2" hatte sein deutscher Kollege Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) laut APA am Vorabend gesagt: "Wir erwarten Geld von jenen, die sich letztlich auch in ein langfristiges Konzept mit eingebunden sehen. Ich glaube, in der Umkehrung wäre es auch kaum in Österreich zu vermitteln, dass man Steuergelder für andere Länder und deren Standorte in Anspruch nimmt." Details nannte Guttenberg jedoch nicht.
 
Mitterlehn schlug vor, den für November erwarteten endgültigen Vertragsabschluss abzuwarten. Dann werde Österreich "nach Abstimmung auf EU-Ebene" vorgehen. Er verwies auf die Möglichkeit, im Zuge des bereits beschlossenen Konjunkturpaketes mit Haftungen einzuspringen.

Kritik aus Spanien

Der vereinbarte Verkauf stößt in Spanien auf Kritik. Die Gewerkschaften kündigten Proteste an, sollte es in dem Opel-Standort im nordostspanischen Figueruelas zu einem massiven Stellenabbau kommen. In dem Werk nahe Saragossa gelten rund 1.650 der insgesamt 7.500 Jobs als gefährdet. Ein Sprecher der Gewerkschaft UGT kündigte nach Rundfunkberichten vom Freitag für diesen Fall "massiven Widerstand" an. Die Gewerkschaften in Spanien hatten einen Verkauf von Opel an den belgischen Finanzinvestor RHJI befürwortet, weil dessen Pläne weniger Stellenstreichungen in ihrem Land vorsahen.
 
Der Vorsitzende des Betriebsrates in Figueruelas, José Juan Arcéiz, rief Magna auf, sich nach wirtschaftlichen und nicht nach politischen Gesichtspunkten zu richten. Das spanische Werk, wo die Modelle Corsa und Meriva montiert werden, sei das rentabelste und produktivste des Konzerns in Europa. Die Zukunftspläne für Opel müssten dies berücksichtigen, forderte auch die spanische Wirtschaftsministerin Elena Salgado. Ihrer Ansicht nach sind die Arbeitsplätze in Figueruelas zumindest im Augenblick aber nicht in Gefahr.

Scharfe Kritik vom Bund der Steuerzahler

Der Bund der Steuerzahler hat die Entscheidung zum Verkauf der Mehrheit von Opel an Magna scharf kritisiert. Opel sei mit dieser Entscheidung bei weitem nicht gerettet, sagte Verbandsgeschäftsführer Reiner Holznagel am Freitag im Gespräch mit "Handelsblatt.com". Er forderte die Bundesregierung auf, alle Vorverhandlungsunterlagen offenzulegen. Die Politik müsse die Risiken für Opel, aber vor allem auch für die Steuerzahler klar und nüchtern benennen. Die Steuerzahler müssten wissen, was auf sie zukommen könne, sagte er.
 
Nach Holznagels Einschätzung spielten bei der Entscheidung weniger wirtschaftliche Gesichtspunkte und Risikoabwägung eine Rolle, sondern der politische Wille. Private Investoren hätten sich zum Kauf entschlossen, damit müssten sie auch alle Konsequenzen und Risiken tragen, sagte er. "Die Bundesregierung sollte sich davor hüten, weitere Zugeständnisse an die neuen Investoren abzugeben".

GM hatte am Donnerstag mitgeteilt, 55 Prozent der Opel-Anteile an den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna und dessen Partner Sberbank verkaufen zu wollen. Deutschland will die Übernahme mit Milliardenbeträgen unterstützen.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden