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Opel-Verkauf

Magna sieht Opel in Zukunft erfolgreich

Opel GM Logo Foto: dpa 144 Bilder

Der künftige Opel-Mehrheitseigner Magna will den deutschen Autobauer in eine erfolgreiche Zukunft führen. "Das Konsortium freut sich, dass sein Plan für Opel General Motors zufriedengestellt hat", sagte Magna-Vizechef Siegfried Wolf in einer gemeinsamen Erklärung des österreichisch-kanadischen Autozulieferers und der russischen Sberbank vom Donnerstag (10.9.).

11.09.2009

Sie würden gemeinsam mit den Opel-Händlern, den Mitarbeitern und GM hart an der Zukunft von Opel arbeiten.


Magna und die Sberbank bedankten sich bei sich bei der deutschen Regierung für ihre Unterstützung und bei GM für die "konstruktive Atmosphäre" während den Verhandlungen. Beide Unternehmen werden bei der Übernahme eines 55-Prozent-Anteils von Opel je die Hälfte halten.

Bochum steht am Freitag still

Nach der Entscheidung für den Zulieferer Magna werden an diesem Freitag bei Opel in Bochum die Bänder stillstehen. "Es wird nicht produziert, die Belegschaft hat frei", sagte der Betriebsratsvorsitzende bei Opel in Bochum, Rainer Einenkel, am Donnerstagabend der dpa und bestätigte damit einen Vorabbericht der "Bild"-Zeitung. Laut Einenkel arbeiten im Bochumer Opel-Werk 6.000 Beschäftigte.
 
Eigentlich sei geplant gewesen, dass Bochumer Opelaner an diesem Freitag zu einer Solidaritätskundgebung zu ihren Kollegen ins Opel-Werk Eisenach fahren. Nach der Nachricht über den Verkauf von Opel an Magna sei dies aber abgesagt worden. "Man kann nicht so kurzfristig alles wieder anlaufen lassen, deshalb bleibt es bei dem freien Tag", sagte Einenkel. Die Bochumer Opelaner könnten den freien Tag nutzen, um die Geschehnisse der letzten Tage zu ordnen.

IG Metall erwartet harte Verhandlungen

Die IG Metall erwartet unterdessen harte Verhandlungen mit dem designierten Opel-Käufer Magna. Dabei geht es um die angestrebten Sanierungsbeiträge der Beschäftigten des Autobauers. "Magna ist ein harter, kantiger Arbeitgeber angelsächsischer Prägung", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksvorsitzende und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild. "Die holen jetzt sofort die Motorsäge raus." Die Verhandlungen sollten voraussichtlich bereits in der kommenden Woche aufgenommen werden.
 
Die IG Metall will die eingeforderten Milliardenbeiträge nicht ohne Gegenleistung bringen. "Unsere Untergrenze ist der Flächentarifvertrag. Wir machen uns schließlich nicht selber Konkurrenz", sagte Schild. Man könne möglicherweise zeitweise vom Flächentarif abweichen. Von Beginn an klar sei gewesen, dass es bei "New Opel" keine betriebsbedingten Kündigungen und keine Werks- und Standortschließungen geben dürfe. Es sei auch keineswegs ausgemachte Sache, dass ein Arbeitnehmerbeitrag von 1,2 Milliarden Euro tatsächlich nur einem Unternehmensanteil von 10 Prozent entspreche.

Belegschaft will mehr Mitbestimmung


Die Belegschaft erwarte für ihre Beiträge eine Verbesserung der Mitbestimmung bei Opel und fordere eine zukunftsorientierte Unternehmensstrategie, sagte der Gewerkschafter. "Arbeitnehmer haben das stärkste Interesse am nachhaltigen Erfolg ihres Unternehmens."
 
Die künftigen Anteile der Belegschaft an "New Opel" sollten über eine Beteiligungsgesellschaft gehalten werden, erläuterte Schild. Die Arbeiter könnten so nicht individuell über ihre Anteile entscheiden. Zusätzliche Aufsichtsratssitze solle es für die Arbeitnehmer nicht geben. "Wir sind bereit, darauf zu verzichten, wenn bestimmte Regeln geändert werden", sagte der Metaller. Denkbar sei beispielsweise eine Regelung, die Standortschließungen an eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat binde. Werksschließungen könnten dann nicht gegen den Willen der Arbeitnehmer durchgesetzt werden.
 
Er setze große Hoffnungen auf die Managementqualitäten von Magna, sagte Schild. Als Zulieferer sei Magna einen viel rabiateren Kostendruck gewohnt als die Autohersteller, könnten Technologien schnell zwischen den Standorten transferieren und Produkte besser entwickeln als General Motors. Wichtig sei zudem die Öffnung neuer Märkte in Russland oder den nordafrikanischen Staaten.

Zwei Treuhänder stimmten gegen Magna

Ausgerechnet zwei Vertreter Deutschlands haben im Beirat der Opel-Treuhandgesellschaft einen Verkauf des Autobauers an Magna nicht mitgetragen. Der bei Conti als Sanierer bekanntgewordene Manager Manfred Wennemer stimmte dagegen, der Insolvenzexperte Dirk Pfeil als Vertreter der Länder mit Opel-Standorten enthielt sich.
 
In seiner Begründung ließ es Wennemer an Deutlichkeit und scharfer Kritik nicht fehlen. Er bezweifelte, dass sich Opel am Ende am Markt durchsetzen und wettbewerbsfähig sein werde. Mit 1,5 Millionen Autos produziere das neue Opel-Unternehmen im Jahr 2012/13 "viel zu wenig, um effizient zu sein". Opel verkaufe 90 Prozent seiner Produkte am europäischen Markt. "Ich habe nach den letzten Entwicklungen in Russland meine großen Zweifel, ob die Blütenträume (...) wirklich aufgehen werden", sagte Wennemer.
 
Mit Blick auf die Kosten sagte er, Opel werde 2012/13 schwächer dastehen als der Wettbewerb. Der Opel Insignia sei ein schönes Auto: Er kenne aber keinen Test, den der Insignia gewonnen hätte. Auch trage Magna gerade einmal 10 Prozent Eigenkapital bei. Inzwischen sei damit aber offensichtlich ein Unternehmen wie Opel zu kaufen. Würde das aktuell geltende Insolvenzrecht angewandt, dann hätte der Vorstand von Opel im Jahr 2010/11 nur eine Möglichkeit: zum Insolvenzrichter gehen, sagte er. Auch sei GM sei nicht bereit, auf Lizenzzahlungen zu verzichten. "Das gesamte Risiko liegt auf den Schultern der Steuerzahler."
 
Pfeil - nach eigenen Angaben im Hauptberuf Insolvenzverwalter - sagte, es sei sicher ein Erfolg der Politik, dass Magna inzwischen 450 Millionen Euro beisteuern wolle. Das Konzept des zweiten Bieters RHJ International sei "europafreundlicher" gewesen, sagte Pfeil. Zwar wären dann mehr Stellen in Deutschland weggefallen, aber weniger in Europa. Er habe sich am Ende aber nur enthalten, um die Diskussion nicht weiter zu verlängern. Zwei Stimmen hätten gereicht für die Mehrheit im Beirat der Opel-Treuhand-Gesellschaft.

Proteste aus Belgien

Der vereinbarte Verkauf des Autobauers Opel an den Zulieferer Magna und russische Investoren führt in Belgien zu Unruhe und Verärgerung. Der liberale Finanzminister und Vize-Premierminister Didier Reynders sagte am Freitag laut Nachrichtenagentur Belga, es sollte auf europäischer Ebene eine Untersuchung über möglichen Protektionismus in Deutschland geben. Der belgische Opel-Standort Antwerpen gilt als gefährdet.
 
Arbeitsministerin Joëlle Milquet beklagte, dass es bei der Opel- Krise an europäischem Zusammenhalt mangele. "Alle Werke von Opel müssen weitergeführt werden", sagte sie. Der Bürgermeister von Antwerpen, Patrick Janssens, verlangte, dass so schnell wie möglich Klarheit geschaffen wird über die Zukunft des Autowerks in seiner Stadt.

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