Opel: Wieder gewinnbringend

Der Autobauer Opel hat nach jahrelanger Holperstrecke endlich wieder festen Boden unter den Rädern. Erstmals seit sieben Jahren hat die Marke mit dem Blitz 2006 einen operativen Gewinn erzielt. Ein dreistelliger Millionenbetrag wurde eingefahren, und 2007soll das Ergebnis noch besser ausfallen. 

Zwar werden die Zahlen für das Europageschäft mit der Tochter Opel noch nicht wie ursprünglich geplant am Dienstag vom amerikanischen Mutterkonzern General Motors (GM) bekannt gegeben, doch der Konzern äußerte sich schon vorab positiv über den weltweiten Geschäftsverlauf.

Der Optimismus von Firmenleitung und Belegschaft bei Opel gründet sich darauf, dass das Unternehmen erstmals seit 30 Jahren mit dem Modell Astra wieder Autos in großem Stil in die USA exportiert. Daneben soll mit GM- Europa-Chef Carl-Peter Forster noch ein Opel-Mann in den Vorstand des US-Konzerns wechseln und die Interessen der Marke vertreten.

Weg vom Sorgenkind-Image

"Opel ist gut unterwegs und hat sich vom Sorgenkind zur stabilen Säule des GM-Konzerns gewandelt", sagt Analyst Frank Biller von der Landesbank Baden-Württemberg. Zuletzt hatte GM 1999 in Europa einen Jahresgewinn erzielt, danach türmten sich im Europageschäft - das zu 80 Prozent von der Marke Opel getragen wird - Milliardenverluste auf. Mit einem drastischen Sparprogramm und dem Abbau von 9.500 Stellen bei Opel zog GM 2004 die Notbremse. "Wir ernten nun die Früchte dieser harten Restrukturierung", sagt Europa-Chef Forster. Mit der Sanierung sind die Kosten drastisch gesunken, jedes Jahr werden 500 Millionen Euro eingespart.

"Modelle wie der Astra und der neue Kleinwagen Corsa kommen mit pfiffigem Design und guter Qualität an", sagt Experte Biller. 2006 hat GM in Europa zum ersten Mal mehr als zwei Millionen Autos verkauft - allerdings sank der Absatz von Opel und seiner Schwestermarke Vauxhall um 2,3 Prozent auf 1,56 Millionen Autos. Der Autobauer nahm dieses Minus bewusst hin, weil man auf wenig profitable Flottengeschäfte und allzu hohe Rabatte verzichtete. Der Sparkurs ging weiter: Zum Jahresende 2006 hat Opel trotz massiver Proteste der Arbeitnehmer in ganz Europa seine Fabrik im portugiesischen Azambuja mit 1.100 Mitarbeitern geschlossen.

Hemmschuh Vectra/Signum

Ungeachtet der verbesserten Finanzsituation bleiben noch immer handfeste Probleme zu lösen. Im Massensegment gibt es nach wie vor Überkapazitäten und der Druck der Konkurrenz ist riesig. "Opel hat einen Klotz am Bein, das sind die Modelle Vectra und Signum, die nicht so ankommen wie erhofft", sagt Autoexperte Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight. Das Stammwerk in Rüsselsheim, wo diese Mittelklasse produziert wird, ist nur zu 60 Prozent ausgelastet. Freischichten und mehr Werbung sollen in diesem Jahr die Not lindern. Ab 2008 wird nach den Vorgaben des Sanierungsplans in Rüsselsheim die gesamte europäische Mittelklasse von GM gebaut, also auch Modelle der schwedischen Marke Saab.

"Die Saab-Modelle werden es aber nicht rausreißen, Rüsselsheim wird auch dann nicht profitabel sein", erwartet Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der FH Gelsenkirchen. Ebenso wie andere Experten rechnet er damit, dass Opel spätestens 2008 wieder stärker unter Druck gerät, wenn der Erzrivale VW mit dem neuen Astra-Konkurrenten Golf ins Rennen geht. Der Astra kommt wohl erst 2009 auf den Markt. Dudenhöffer sagt dem wichtigsten Opel-Modell Astra einen Absatzeinbruch voraus. "Opel ist mit einem Werk zu viel unterwegs."

In diesem Jahr geht das konzerninterne Rennen um die Produktion der neuen Astra-Generation in die heiße Phase. Bis Mitte des Jahres wird die Wahl unter fünf Werken, darunter Bochum, getroffen. Die Zukunft der unterlegenen Standorte ist offen, die GM-Führung hat immer wieder mögliche Werksschließungen angedeutet.

Die größten Hoffnungen ruhen auf dem Automanager Carl-Peter Forster, der Opel maßgeblich mitsaniert hat und laut Medienberichten 2008 in den US-Konzernvorstand wechseln soll. "Forster hat die Opel-Belange im Auge und kann seine eigenen Erfahrungen und sein Marktwissen besser in der GM-Organisation einbringen", sagt Experte Stürmer. Der Opel-Betriebsrat hofft zudem auf den Export weiterer Modelle in die USA, weil die Amerikaner zunehmend Gefallen an sparsamen deutschen Modellen finden. Zwar hat das die Konzernführung bislang abgelehnt. "In dieser Sache ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen", gibt sich Opel-Gesamtbetriebsrat Klaus Franz zuversichtlich.

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dpa

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