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Osterloh

Mit Luxusautos Geld verdienen

Foto: Volkwagen

Bernd Osterloh, Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats von VW, über Gewerkschaften, Flexibilität und die Modellpalette vom Billigauto bis zum Luxusgeschoss..

09.03.2007

Ist die Forderung nach 6,5 Prozentmehr Lohn, mit der die IG Metall in die anstehenden Tarifverhandlungen geht,wirklich angemessen?
Osterloh: Die IG Metall hat in den letztenJahren auf die Anforderungen des Marktes und der Unternehmen reagiert. Wirhaben Zurückhaltung geübt um Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen. Dashat sich nicht bezahlt gemacht. Wenn man sich jetzt die einzelnen Ergebnisseder einzelnen Automobilbauer anschaut, dann sind 6,5 Prozent mehr Lohn ausmeiner Sicht eine berechtigte Forderung. Dividenden werden erhöht, Vorstandsgehälterwerden erhöht und die Belegschaft will natürlich genauso profitieren. 

Die Höhe der Vorstandsbezüge hängt zu einemgroßen Teil vom Unternehmenserfolg ab. Können Sie sich vorstellen, dass auchdie Gehälter in Zukunft stärker an den Unternehmenserfolg geknüpft werden?

Osterloh: Manager haben einen vielgrößeren Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens. Für mich istwichtig, dass die Arbeitnehmer Planungssicherheit haben und das haben sie nurmit einem festen Gehalt. Darüber hinaus ist es natürlich begrüßenswert, dassUnternehmen ihre Mitarbeiter am Erfolg beteiligen. 

Verwehren Sie sich damit nicht derFlexibilität, die von Ihnen gefordert wird?

Osterloh: Alle rufen immer nach mehr Flexibilität.Wenn zu mir einer sagt "Herr Osterloh, wir brauchen mehr Flexibilität", dannfrage ich immer "Wo?" Wissen Sie was die dann antworten? "Das muss ich mir erstnoch überlegen." Die Belegschaft aus Wolfsburg arbeitet heute ohne Aufschlagbei Bedarf in Hannover, Braunschweig oder Salzgitter. Wir können zwischen 26und 33 Stunden arbeiten. Mehr Flexibilität gibt es in keinem anderenUnternehmen in Deutschland.  

Ein Billigauto aus deutschland kann keine Gewinn machen

Dennoch belasten die hohen Lohnkosten die Unternehmen. Bei teuren Premium-Modellen kann das verkraftet werden, aber können günstige Volumenmodelle überhaupt noch hier zu Lande wettbewerbsfähig produziert werden?

Osterloh: Ich bin fest davon überzeugt, dass wir zukünftig eine Modellpalette vom günstigen Kleinwagen bis zum Phaeton haben werden. Welches Auto an welchem Standort gebaut wird entscheidet sich nach Renditevorgaben. Der Unternehmenszweck ist es Geld zu verdienen. Und das ist auch für uns entscheidend, denn nur mit einem Unternehmen das Geld verdient können wir anständige Tarifverträge abschließen. Ein günstiges Auto zum Preis von unter 8.000 Euro werden wir am Standort Deutschland nicht mit Gewinn realisieren können.

Aber Sie haben zuletzt immer wieder gefordert, VW solle wieder günstigere, echte Volkwagen bauen. Wie passt das zusammen?

Osterloh: Ich bin schon der Meinung, dass unsere Autos im Vergleich zum Wettbewerb besser sind und ein gewisser Preisaufschlag daher gerechtfertigt ist. Aber die Differenz zum Wettbewerb war mir in den letzten Jahren zu hoch. Doch ich denke wir sind da jetzt auf dem richtigen Weg. Letzten Endes müssen alle Standorte und Modelle die Renditeziele erreichen, egal ob das der VW Fox aus Brasilien oder der Golf in Wolfsburg ist.

Bugatti hat die Rendite-Erwartungen bislang nicht erfüllt. Sollte VW das Projekt nach dem Veyron nicht zu den Akten legen?

Osterloh: Das sehe ich nicht so. Im nachhinein kann man sicher darüber diskutieren ob die Entscheidung richtig war. Aber das Projekt hat auch nicht mehr gekostet als zwei Formel 1-Jahre, und die 300 Veyron werden sicher verkauft. Außerdem beweist Bentley, dass man mit Luxusautos richtig Geld verdienen kann. Wenn man die Synergien im Konzern richtig nutzt, kann ich mir auch eine zweite Baureihe bei Bugatti vorstellen. Es muss aber klar sein, dass Bugatti damit zwölf oder 13 Prozent Rendite pro Fahrzeug verdient. 

"Wir haben den besten gekriegt, der zur Zeit am Markt war, und das ist Herr Winterkorn."

Der Phaeton war nicht gerade ein Kassenschlager. Sind Sie für einen Nachfolger?

Osterloh: Eine Oberklasse-Strategie funktioniert nicht von heute auf morgen. Nur weil man sich zu Beginn in den Stückzahlen verkalkuliert hat, darf man nicht das gesamte Projekt infrage stellen. Mal davon abgesehen, dass wir noch lange nicht alle Synergieeffekte im Konzern ausgenutzt haben. In Zukunft wird es leichter, auch mit Oberklasse-Fahrzeugen schneller und mit weniger Stückzahlen Geld zu verdienen. Ich stehe zur Oberklasse-Strategie von VW. Man muss das eben nur so erfolgreich machen wie Audi.

Früher galt Volkwagen als die Marke mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis. Heute hat Skoda diese Rolle übernommen. Macht Ihnen das nicht Sorgen?

Osterloh: Nein, Sorgen macht mir das nicht. Ich weiß dass die Kunden für den Preis den sie für einen Volkswagen zahlen einen vernünftigen Gegenwert bekommen. Wir müssen nur eine Menge Käufer wieder davon überzeugen. Das ist Aufgabe des Marketings.

Wie sollte denn die Marke Ihrer Ansicht nach in Zukunft denn positioniert werden?
Osterloh: Wir müssen das Thema Qualitätsführerschaft stärker in den Vordergrund stellen. Und wir bewerben unseren technischen Highlights wie etwa das DSG-Getriebe oder den TSI-Motor zu wenig.

Aber 2006 stach vor allem das Rund-um-Sorglos-Paket von VW heraus. Bewirbt VW die Marke zu sehr über den Preis?

Osterloh: Nein, denn das war so intelligent gemacht, dass es die Wettbewerber jetzt alle kopieren. Klar hat das Geld gekostet, aber wesentlich weniger als die Rabatte der Konkurrenz. Klar ist aber auch, dass wir die Marke wieder höher positionieren müssen. Wir brauchen tolle Vorzeige-Produkte wie etwa den GTI oder auch den sparsamen Polo Blue Motion damit die Marke insgesamt weiterhin hohe Begehrlichkeiten weckt.

Mit dem Weggang von Wolfgang Bernhard fürchten viele, dass bei VW der Druck wieder nachlässt. Haben Sie keine Sorge, das etwa bei der Verbesserung der Qualität und Produktivität der Schwung verloren geht?
Osterloh: Herr Bernhard war sicher wichtig für VW, hat sich aber anders entschieden. Aber Sorgen mache ich mir deshalb sicher keine. Wir haben den besten gekriegt, der zur Zeit am Markt war, und das ist Herr Winterkorn. Er hat Audi von 2002 bis 2006 in eine ganz hervorragende Position gebracht - auch was die Qualität angeht.

Das große Sorgenkind im Konzern ist derzeit Seat. Stellt sich angesichts der anhaltenden Erfolglosigkeit nicht die Frage, wofür man Seat eigentlich braucht?

Osterloh: Es gibt auch andere, noch viel größere Marken wo momentan darüber diskutiert wird, wofür man die eigentlich braucht. Da ist Seat noch eine Größe, die beherrschbar ist. Natürlich erfüllt die Marke nicht die Erwartungen, doch wenn ich den Erfolg anderer mit jungen Marke sehe, dann müssen wir uns da etwas überlegen. Der Aufsichtsrat hat deshalb beschlossen, die Marke zu repositionieren. Wir brauchen vor allem ein weiteres Produktprogramm und das muss sich ohne große Investitionen realisieren lassen, Basis dafür müssen die vorhandenen Plattformen und Modelle im Konzern sein.

In der Finanzwelt wird angesichts des strammen Wachstums darüber spekuliert, ob ein Teil von Audi in näherer Zukunft an die Börse gebracht werden könnte. Was halten Sie davon? Osterloh: Die finanzielle Situation des VW-Konzerns ist momentan so gut, dass ein solcher Schritt überhaupt nicht notwendig ist. Gehen Sie davon aus, dass wir als Arbeitnehmer das nicht mitmachen werden.

Was Sie auch nicht mitmachen wollen ist die Rente mit 67. Wie wollen Sie denn sonst das demografische Problem lösen?
Osterloh: Keiner macht sich dabei Gedanken über die Menschen, die mit 67 die Arbeit in der Produktion gar nicht mehr schaffen. Da hätte ich mir mehr Flexibilität von den Menschen erwartet, die immer nach Flexibilität rufen. Das Problem können die Unternehmen nicht alleine lösen. Wir können nicht alle jenseits der 58 Jahre vom Band wegholen und ihnen einen anderen Job im Unternehmen anbieten. Das Ergebnis in der Realität ist doch klar: Die Leute gehen vor 67 und bekommen weniger Rente. Gesetzgeber und Industrie müssen da gemeinsam eine andere Lösung finden, etwa die Altersteilzeit für bestimmte Berufsgruppen erhalten.

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