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Pagani Zonda F und Lamborghini Reventón

Karbonbomber

Foto: Hans-Dieter Seufert 13 Bilder

Teuer und selten im Superlativ - der Pagani Zonda F und der Lamborghini Reventón. Für eine viel zu kurze Fahrt beglücken diese beiden V12-Titanen die italienische Erde, bevor sie wieder in ihre Parallelwelt entschwinden.

26.08.2008 Marcus Peters

Stunden der Vollkommenheit - in denen Phantasien und Obsessionen Realität werden. Stunden, in denen man im Lamborghini Reventón und im Pagani Zonda F durch Italien lustwandelt - diesen beiden lebensfernsten Autos aus dem Land der Tifosi. Schon auf Bildern haben die Kostbarkeiten eine berückende Gegenwart, Karbon geworden erzeugen sie nackte Begierde, eine Sitzprobe erwärmt die Lenden. Und beim Fahren? Da kocht das Rückenmark, so viele Reize fluten die Libido.

Provokanter Stier

Mit spröder Sachlichkeit ist diesem Faszinosum nicht beizukommen, mit Vernunft erst recht nicht: Der Pagani kostet mindestens 586.000 Euro, sein Jahreskontingent ist bereits vergriffen, den Lamborghini erhalten ohnehin nur 20 Kunden - gegen die Zahlung von mehr als dem Doppelten. Welcher Gegenwert erwartet die Auserwählten? Nüchtern betrachtet ein umkarossierter Murciélago LP 640. Auf dessen Rohrrahmen baut der Reventón auf, ist allerdings mit Kohlefaser-Tafeln komplett neu beplankt. Sie scheinen Zorros Klinge entsprungen und grobschlächtig zusammengefügt, verhöhnen Linien-Harmoniker, triezen das zusammengekniffene Auge, das rastlos innerhalb der Silhouette umherzuckt.

Die Unsymmetrie düpiert Sehgewohnheiten, provokative Details fügen sich in verstörender Konsequenz, lassen den Betrachter fassungslos und rätselnd zurück. Dabei hat er schlicht die Karbon gewordene Kernthese der Marke vor sich - so müsste ein Neuzeit-Countach aussehen. Die optische Brutalität verspricht nicht zu viel: Vor der Hinterachse sind zwölf Zylinder längs in V-Form aufgereiht. 6,5 Liter Hubraum, dröhnend voll mit 650 PS und 660 Nm. Da wirkt die Stealthbomber-Anmutung des in Natoolivgrün-inszenierten Innenraums keineswegs übertrieben.

Permanent im Landeanflug

Zwar gibt es statt Steuerknüppel tatsächlich noch ein Lenkrad, doch die Instrumente scheinen permanent einen Landeanflug darzustellen, haben mit Sportwagen-Chronometern nichts mehr gemein: Zwei farbige TFT-Bildschirme in Startbahn-Optik informieren über die Motordrehzahl, den gewählten Gang, die Geschwindigkeit und über die anliegenden Querkräfte. Bei 340 km/h liegt die Schallmauer des 1,2 Millionen Euro teuren Reventón, der erste Gang reicht bis über 100 km/h, ist schon nach etwa dreieinhalb Sekunden ausgedreht. Dann, nach einem kurzen Zug an der Lenkradwippe, knallt das Sechsganggetriebe den Zweiten in den allradgetriebenen Antriebsstrang und den Kopf der Passagiere gegen die Kopfstützen. Der unbeherrscht tobende Zwölfzylinder schüchtert durchgebeutelte Murciélago-Novizen zusätzlich ein.

Wie versöhnlich klingt dagegen das helle Heulen des Pagani. Der Zonda F röhrt eindeutig den Formel 1-Akzent aus der V12-Zeit von Jody Scheckter und Niki Lauda, als die Motoren noch keine Tinnitus-Sirenen waren. Der leichtfüßige Ton deutet auf kleine Kolben und geringe Schwungmasse hin. Doch weit gefehlt: Den Pagani treibt ein Zwölfzylinder im 7,3-Liter-Format an. Zwar leistet das Mercedes AMG-Triebwerk fast 50 PS weniger als der Lamborghini-Zwölfer, übertrifft diesen aber um 100 Nm. Und der Drehmomentgipfel ist schon bei 4.000 statt 6.000/min bestiegen.

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