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Panzerlimousinen

Rollende Festungen

Es gibt Autokäufer, die auf der Straße weniger die Risiken eines Unfalls fürchten als die Bedrohung durch kriminelle Zeitgenossen. Einige Autohersteller bieten daher Sonderversionen ihrer Serien-Limousinen mit besonders harter und schützender "Schale" an.

11.09.2002

Es gibt Autokäufer, die auf der Straße weniger die Risiken eines Unfalls fürchten als die Bedrohung durch kriminelle Zeitgenossen. Einige Autohersteller bieten daher Sonderversionen ihrer Serien-Limousinen mit besonders harter und schützender "Schale" an.

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Diese so genannten Sonderschutzfahrzeuge sind mit speziellen Einlagen und zentimeterdickem Spezialglas gegen Schüsse oder Explosionen gewappnet oder können dank spezieller Notlaufreifen auch mit durchschossenen Pneus entkommen.

Bislang war das Geschäft mit den mobilen Trutzburgen, das VW-Sprecher Hartmuth Hoffmann in Wolfsburg jährlich auf etwa 4.000 Fahrzeuge schätzt, vor allem den süddeutschen Marken vorbehalten.

Gepanzert wird seit 1930

Nachdem Mercedes in Stuttgart schon 1930 eine gepanzerte Limousine für den japanischen Kaiser Hirohito auf die Räder gestellt hatte und heute mit entsprechenden Versionen für E-Klasse, S-Klasse und G-Modell das breiteste Spektrum abdeckt, haben sich auch BMW und Audi schon vor Jahren in dieser Nische engagiert. BMW bietet deshalb nach Angaben aus München den 540i Protection an und stellt mittelfristig auch eine gepanzerte Version des aktuellen 7ers in Aussicht. Von Audi aus Ingolstadt kommen laut Sprecher Werner Röser beschussfeste Varianten von A6 und A8.

Seit einigen Monaten hat das Trio der Premium-Marken Konkurrenz bekommen - und zwar nicht nur von dem halben Dutzend Spezialunternehmen, die Serienfahrzeuge nachträglich umrüsten. Vielmehr bietet jetzt auch VW seinen Kunden mit dem Passat Protect und demnächst wohl auch mit einem Phaeton Protect Schutz. Als Alternative für kostenbewusste Ämter und Behörden gibt es aus dem gleichen Konzern nach Angaben der Presseabteilung einen gepanzerten Skoda Ocatvia. Wer auch abseits befestigter Straßen kein Risiko eingehen will, dem bietet Land Rover in Schwalbach/Taunus den neuen Range Rover als rollende Festung an.

Schutz gegen Kugeln und Granaten

Den gewünschten Schutz bieten diese Fahrzeuge, weil sie von Grund auf verstärkt werden: So wird die Fahrgastzelle nach Angaben von Mercedes mit dicken Stahlplatten und hochfesten Kunststoffgeweben ausgekleidet. Konventionelle Scheiben werden laut Land-Rover-Sprecher Paul Entwistle durch bis zu vier Zentimeter dickes Spezialglas ersetzt, und gegen Sprengladungen von unten schützt ein verstärkter Wagenboden.

Die Hersteller versprechen, dass die Panzerung je nach Schutzklasse sogar Schnellfeuergewehren und Granatwerfern Stand hält. Dabei berufen sie sich auf das offizielle Siegel der bundesdeutschen Beschussämter, die jeden neuen Fahrzeugtyp auf dem Schießstand ins Visier nehmen und die harte Schale zu knacken versuchen.

Verstärkte Bauteile und starke Motoren

Doch mit der Panzerung allein ist es nicht getan. Weil die Stahlplatten und Spezialglas das Gewicht der Fahrzeuge in die Höhe treiben, bedarf es häufig neu abgestimmter Fahrwerke und vieler Änderungen im Detail. So verbaut Mercedes für die so genannten Guard-Modelle der S-Klasse neue Türscharniere, weil jede Tür nach der Panzerung bis zu 100 Kilo auf die Waage bringt. Außerdem schränkt das hohe Gewicht die Auswahl der Motoren ein - weil in der Regel nur die stärksten Aggregate auch im Notfall genügend Agilität garantieren.

Je nach Bedarf bietet man der Kundschaft neben der reinen Panzerung noch eine lange Liste von Sonderzubehör, das man in gewöhnlichen Limousinen vergeblich suchen wird. Notlaufreifen sind dabei nahezu Standard, und über Feuerlöscher oder Gefahrenalarmsysteme mit Sirene, Blaulicht und Wechselsprechanlage wird sich niemand ernsthaft wundern. Doch für alle Fälle führen die Kataloge mancher Hersteller auch fernbediente Zündanlagen, spezielle Sauerstoffsysteme oder Notrufeinrichtungen, die ein mögliches Entführungsopfer sogar vom Kofferraum aus bedienen kann.

Sonderausbildung für die Fahrer

Auch der Fahrer wird entsprechend trainiert. Deshalb gibt es bei allen Anbietern nicht nur eine individuelle Gefahrenanalyse, sondern spätestens bei der Auslieferung ein spezielles Sicherheitstraining, das nur wenig mit den Schleuderkursen der Privatfahrer gemein hat.

Schutz ist teuer

Das Gefühl größtmöglicher Sicherheit hat natürlich seinen Preis. Dabei ist der Skoda Octavia mit einem Panzerungsaufschlag von 33.100 Euro noch vergleichsweise günstig. VW verlangt für den Passat Protect nach Werksangaben ein Aufgeld von 50.750 Euro, der gepanzerte Range-Rover ist ab 260.000 Euro zu haben. Mercedes oder BMW bitten die Kundschaft ebenfalls zur Kasse: So steht der 540i Protection bei den Bayern mit 93.700 Euro in der Liste, und für eine S-Klasse aus der Guard-Familie muss man deutlich über 100.000 Euro einplanen.

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