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Passione Engadina

Teilnehmer der Rallye im Portrait

Passione Engadina, St. Moritz, Concours d'Élégance Foto: Michael Orth 14 Bilder

Der Name sagt es schon: Es geht durchs Engadin, und das mit Leidenschaft. Womit aber längst nicht alles zur Passione Engadina gesagt ist. Denn die dreitägige Rallye für italienische Klassiker lebt von der innigen Beziehung der Teilnehmer zu ihren Fahrzeugen mindestens ebenso wie von der gekonnten Organisation.

30.08.2014 Michael Orth Powered by

Jan Klingele, Ferrari 275 GTS, 1965

"Was ich fuhr, war immer offen, und meistens rot-schwarz. So wie dieser Ferrari 275 GTS. 1997 muss es gewesen sein, da habe ich den 275 von Sophia Loren im Automuseum von Genf gesehen. Ich war begeistert. Außerdem fuhr meine Mutter früher einen 124er Spider, und ich selbst hatte einen während des Studiums. Vielleicht hat mich das ja geprägt. Formal ist der Fiat dem Ferrari doch ein bisschen ähnlich.

Zwei Jahre habe ich gesucht, bis ich in den USA einen Ferrari 275 GTS fand. Der Besitzer stellte sich als Aufsichtsratsvorsitzender einer amerikanischen Großbank vor, der mit 80 einen Teil seiner Oldtimer-Sammlung aufgebe. Wir trafen uns in Pebble Beach, und er lud mich ein, ihn in seinem Privat-Jet nach La Jolla zu begleiten, um den Ferrari anzusehen. Das räumte anfängliche Zweifel aus."

Ronnie Kessel, Alfa Romeo GTA, 1965

"Zwischen Formel-1- und GT-Rennen ist dieser Alfa Romeo GTA das Auto, das mein Vater Loris am liebsten fuhr. Wenn er alles hätte verkaufen müssen – diesen Wagen nie. Dieser Wagen ist das Erbe meines Vaters. Schon als Kind war er ein großer Alfa-Fan gewesen, und mit 18 kaufte er sich seinen ersten. Er modifizierte ihn, denn er wollte damit Bergrennen fahren. Aber man ließ ihn nicht, sondern sagte, er müsse mit seinem Auto wegen der Umbauten bei den Prototypen starten.

Er gewann das Rennen im Regen. Einer der Zuschauer stellte später einen Kontakt zur Formel 1 her, wo mein Vater einige Rennen fuhr. Alles aber fing mit seinem ersten Alfa Romeo an. Der GTA war ein Traum, den mein Vater sich schließlich erfüllte, und indem ich den Wagen heute fahre, halte ich nicht nur diesen Traum am Leben."

Paul Auf der Maur, Fiat Topolino 500 C, 1951

"Es ist mit dem Fiat Topolino 500 C wie mit einem kleinen Hund. Den finden alle gleich süß. Nun ja. Ich habe den Fiat Topolino 500 C vor 30 Jahren gekauft, da war er mehr Schrott als Auto. 20 Jahre lang habe ich gebraucht, bis er wieder heil war. Als Kinder sind wir zu dritt auf der Rückbank im Auto des Nachbarn gefahren, saßen eng zusammen und schauten durchs offene Dach. Aber die Erinnerung allein wäre nicht genug. Der Topolino macht ruhig und gemütlich, und das tut gut. Er sagt, was er kann und was nicht. Daran muss ich mich halten. Die Pässe hoch geht er im Zweiten, runter passt der Dritte. Das kühle Wetter mag er, der zu Hause in der warmen Stube steht, nicht. Auf dem Bernina hatte er eine Vergaservereisung, und dann muss man ihm die Zeit lassen, bis der Motor den Vergaser wieder gewärmt hat."

Federica und Eugenio, Alfa Romeo Montreal, 1970

"Der Wagen ist gar nicht unserer. Wir haben ihn von Kessel Classic geliehen. Eigentlich waren wir bei Ronnie Kessel, um vielleicht einen neuen Wagen zu kaufen. Jetzt nach der Passione Engadina im Montreal sieht die Sache anders aus. Wir schauen nicht zuerst nach dem neuen Auto, wir wollen jetzt einen Oldtimer. Unsere Rallye-Premiere hat uns so gefallen, dass wir im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein wollen, und dann mit einem eigenen Auto. Vielleicht nehmen wir sogar diesen grünen Montreal. Auch weil er eine schöne Geschichte hat: Der erste Besitzer hat mit dem Wagen seine erste Freundin ausgeführt, der letzte Vorbesitzer seine spätere Frau. Vielleicht wird es aber auch ein Maserati, mal sehen. Mit so einem Auto durch so eine Gegend zu fahren, das hat etwas vom Eintauchen in eine andere Atmosphäre."

Roberto und Renato Milici, De Tomaso Pantera GTS, 1973

"Als ich gerade 14 Jahre alt war, habe ich das erste Mal ein Foto vom De Tomaso Pantera GTS in einem Magazin gesehen, nur ein Foto. Mehr kannte ich von dem Wagen nicht, 24 Jahre lang, bis mein Bruder und ich diesen hier gekauft haben. Aber ich wusste immer, dass ich so einen mal haben wollte. Dieser rote ist der erste, den wir uns vor zehn Jahren gemeinsam angesehen haben, der erste, den ich in Wirklichkeit sah. Und hörte. Das war es. Es ist das Geräusch. Wenn man ihn hört, gibt es keinen Zweifel mehr. Der Motor ist simpel, ein Ami-V8, ja, aber für mich klingt er wie ein Orchester. Irgendwann kommt vielleicht ein Lamborghini Countach dazu, aber niemals wird er den Pantera ersetzen. Der nicht umsonst so heißt: Er ist ein wildes Tier, und so fährt er auch."

Björn und Annekatrin Schmidt-Liedl, Ferrari Daytona Spider

"Seit ich 1985 auf der IAA den silbernen Testarossa sah, bin ich Ferrari-Fan und -Freak. Das Showcar ließ mich nicht mehr los. Aber: Der 365 ist eben das Nonplusultra des klassischen Frontmotor-Ferrari. Es gibt kein maskulineres Auto, und auch wenn es sich platt anhört – der 365 hat einfach Sex-Appeal. Es ist wie Rodeoreiten, und ab 4.000 Umdrehungen ist der Gaul richtig wild. Andererseits ist der Daytona auch auf langen Strecken super zu fahren. Von dieser Euro-Version sollen nur 26 gebaut worden sein, nicht mehr als sechs Rechtslenker. Ich besitze den Wagen erst seit März, und was mich gleich besonders faszinierte, war, dass er noch gar nicht überarbeitet ist. Er trägt die Spuren der Jahre, und so soll er aussehen. Eine Restaurierung würde dem Auto das Leben nehmen."

Ed Goedert, Fiat 131 Abarth Rally Stradale, 1976

"Ich bin mein Leben lang in der Autobranche. Aber mit alten Autos hatte ich lange nichts am Hut. Das änderte sich mit Fiat 131 Abarth Rally Stradale. Vor drei Jahren sah ich den 131 in einer Ausstellung und kaufte ihn. Es war der Beginn einer Lovestory. Natürlich gefällt mir das Auto. Ich finde es viril, männlich. Natürlich spielt auch die Geschichte eine Rolle. Bertone baute den 131 als Homologationswagen für die Gruppe-4-Rallye-Autos. 1978 wurde Markku Alén Weltmeister mit dem 131, Walter Röhrl zwei Jahre später. Ich fühle mich in dem Auto 35 Jahre jünger, fühle mich zurückversetzt, mit allem, was das heißt. Man erlebt jeden Kilometer so intensiv und findet immer wieder eine Geschichte am Straßenrand. Das ist ein richtiges Glück. Was ich gerne tun würde: alle echten 131 Rally Stradale zusammenbringen. Wer hat noch einen? Bitte melden unter ed.goedert@autopolis.lu."

Alexander Wiesner, Iso Rivolta Grifo Can-Am, 1971

"Es ist nicht mein einziger Oldtimer, aber er ist mir einer der liebsten. Genau begründen lässt sich das nicht. Und gerade das macht die Faszination aus. Als ich den Iso Rivolta Grifo Can-Am vor zwölf Jahren kaufte, war er 30 Jahre in der Hand einer Schweizer Familie gewesen, die sich den Wagen kurz vor Weihnachten geleistet hatte. Wie ein Geschenk vielleicht. Mich fasziniert am Iso Rivolta Grifo Can-Am vor allem der Motor. 670 Newtonmeter, das war damals eine Sensation, und das ist es noch heute. Das Fünfganggetriebe ist im Grunde vollkommen unerheblich, denn egal in welchem Gang, der geht voran. Außerdem finde ich den Can-Am einfach sehr schön, er gefällt mir mit dem sogenannten Penthouse auf der Haube. Immer wieder kommen von irgendwoher Geräusche, aber immer verschwinden sie auch wieder. Scheint zu ihm zu gehören, das mit den Geräuschen."

Sandra Veltmann, Fiat 500 110F, 1969

"Ich liebe den 500er Fiat, seit ich das erste Auto als Kind gesehen habe. Jedes Mal, wenn man so einen sieht, will man ihn doch in den Arm nehmen und beschützen, oder nicht? Er ist so klein und doch so tapfer. Selbst hier in den Bergen hält er klaglos durch. Wenn man ihn nicht zu sehr fordert, natürlich. Aber das ist es nicht allein, was dieses Auto für mich so besonders macht. Ich war letztes Jahr schwer krank, und mein Partner hat mir den Fiat 500 110F zum 42. Geburtstag geschenkt. Es ist mein erster Oldtimer, und zugleich ist es die Erfüllung eines Traums, dass wir jetzt alle gemeinsam die erste große Ausfahrt machen. Und so fühlt es sich für mich an, hier dabei zu sein: traumhaft. Eines Tages möchte ich mit ihm nach Rom reisen und vor dem Trevi-Brunnen eine Runde drehen."

Helmut Wanke, Fiat 1500 Ghia Coupé, 1963

"Wie es halt so ist: Es lässt einem ja keine Ruhe mit den Autos. Und so bin ich 2010 wieder mal nach Padua. Da wurde ein Fiat 1500 Ghia Coupé versteigert. Ich kannte das Auto bis dahin gar nicht. Er ist ja nicht wie ein Porsche oder ein Ferrari, den alle kennen. Dieses Auto hat nicht mal einen richtigen Markt, so selten ist es. Ich habe lange gesucht, bis ich einen fand, den ein älterer italienischer Herr verkaufen wollte. Es war vieles an dem Wagen zu machen: Motor, Bremsen, Auspuff. Allein nach dem richtigen Lenkrad habe ich zwei Tage auf einer Messe gesucht. Man muss wohl auch begeistert und ein bisschen verrückt sein, sonst würde man sich die Mühe nicht so gern machen. Wo immer man mit dem Auto auftaucht, ist der Effekt ein großes Ah und Oh. Das macht mich natürlich froh und auch stolz."

Thomas Suter, Alfa Romeo 1900 C Sprint Touring, 1953

"Frag mich, ob ich den je verkaufen würde, dann frage ich: Hast du 'nen Knall? Das Auto ist ein Jugendtraum und für mich einer der schönsten Alfa überhaupt. Wie von Hand das Alu-Blech über die Rohre geformt ist, das hat doch etwas von Kunst. Als Student bin ich nach Monza zu den Rennen gefahren. Neben dem billigen Hotel, in dem ich schlief, stand der Alfa Romeo 1900 C Sprint Touring bei einem Händler. Ich drückte mir am Fenster die Nase platt und träumte, denn das Herz war da, aber nicht die Kohle. Vor acht Jahren schließlich zeigte ein Kollege vom Schweizerischen Alfa-Club mir einen Kalender. Ein Blatt mit dem Alfa Romeo 1900 C. Mein Auto!, sagte ich da. Und er: Ich weiß einen, der einen verkauft. 30 Jahre hatte der Wagen in einer Halle gestanden, als ich ihn bekam. Wir haben das Öl gewechselt und die Kerzen, den Motor durchgedreht, und dann lief er. Nach 30 Jahren!"

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