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Paul Pietsch Classic 2014

Mit Oldtimern durch den Schwarzwald

Paul Pietsch Classic, Impression Foto: Arturo Rivas 16 Bilder

Zum dritten Mal fand die Paul Pietsch Classic zu Ehren des erfolgreichen Rennfahrers und Verlegers statt. Die 103 Teilnehmer konnten sich bei bestem Sommerwetter einmal mehr davon überzeugen, wie traumhaft schön der Schwarzwald, die Heimat des gebürtigen Freiburgers, ist.

18.07.2014 Birgit Priemer

Wenn eine Rallye zu Ehren einer Rennfahrer-Legende ausgetragen wird, dann dürfen Rennfahrer nicht fehlen. Walter Röhrl und Christian Geistdörfer, das Rallye-Dream-Team der 80er-Jahre, schwangen sich anlässlich der dritten Paul Pietsch Classic in einen Porsche 911 Carrera RS 2.7 und leisteten sich gleich am ersten Tag einen Fauxpas – zumindest aus Rennfahrersicht: Sie errangen den Sieg in einer Wertungsprüfung, in der es nicht um Geschwindigkeit, sondern Gleichmäßigkeit ging. Dabei wollte Röhrl alles, "nur nicht fürs Langsamfahren belohnt werden".

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Paul Pietsch Classic Auf der Sonnenseite
auto motor und sport 14/2014
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Einmal Rennfahrer, immer Rennfahrer, das ging auch Paul Pietsch so, der den Schwarzwald bis ins hohe Alter als seine persönliche Teststrecke nutzte – und seinen Kindern das schwere Erbe überließ, es ihm mit einem Bugatti T35 gleichzutun, mit dem er 1931 seine Motorsport-Karriere begann. Aber der blaue Vorkriegsrennwagen, der sich auf der Mille Miglia vor wenigen Wochen noch Blessuren einfing, trug Peter-Paul Pietsch und seine Schwester Patricia Scholten mit Bravour über die 453 Kilometer lange Strecke. Start war in Offenburg, von wo es durch den Kaiserstuhl und über die Schwarzwaldhochstraße mit traumhaften Aussichtspunkten über die Rheinebene ging. Dabei zog das Team Pietsch/Scholten als Startnummer eins eine ganze Reihe von Autos hinter sich her, die in dieser Konstellation so noch nirgendwo zu sehen waren.

Raritäten aus der VW-Autostadt

Die VW-Autostadt in Wolfsburg, mit dem ZeitHaus im Besitz des besucherstärksten Automuseums der Welt, hatte eine ganze Preziosen-Sammlung mitgebracht. Hand aufs Herz: Haben Sie schon einmal einen Ghia Aigle gesehen, einen kleinen, handgedengelten Sportwagenflitzer, 30 PS stark, der Mitte der 50er bei der gleichnamigen Firma in der Schweiz auf VW-Käfer-Basis entstanden ist? Oder ein VW Rometsch Cabrio mit der Zusatzbezeichnung Lawrence nach dem gleichnamigen US-Designer, der die Sonderkarosserie mit kleinen Heckflossen ausstattete und ihr dadurch die Anmutung einer Mini-Corvette verschaffte?

Gleich dahinter rollte ein Auto, das es US-Schauspielstars wie Audrey Hepburn und Gregory Peck genauso angetan hatte wie der unvergessenen Schauspielerin Brigitte Mira: das VW Rometsch Beeskow Cabrio mit 1,5-Liter-Motor aus dem Porsche 356, dem als weitere Rarität der VW Typ 14 folgte, der vom ehemaligen Kutschenwagenbauer Hebmüller als 2+2-sitziges Cabrio auf der Bodengruppe des Käfer gefertigt wurde. Wie auf einer Perlenkette aufgezogen rollten die eher schwach motorisierten 50er-Jahre-Schönheiten im ersten Teil des Starterfeldes und verschafften sich mit ihren liebevoll gestalteten Aufbauten auf Käfer-Technik den Respekt der dahinter lauernden Porsche-, Ferrari- und Jaguar-Fraktion, die auf das übliche Beutemachen in Form schneller Überholmanöver verzichtete.

So macht Rallyefahren Spaß. Zumal bei den Einzelstücken alles wie am Schnürchen lief: "Das ist nicht selbstverständlich, denn das sind ja keine Serienautos", erzählt Otto Ferdinand Wachs, der als Sprecher der Geschäftsführung der VW-Autostadt permanent auf der "Suche nach Meilensteinen für den Konzern" ist. "Wir kaufen fünf bis acht Autos pro Jahr, in unserer Sammlung haben wir mittlerweile 54 Marken." Da gibt es also alles zu sehen, nicht nur Modelle des VW-Konzerns, sondern auch der Konkurrenz.

Die wiederum schlief nicht – jedenfalls nicht auf der Paul-Pietsch-Rallye. Da schlich sich ein imposanter Opel Admiral V8 am ersten Tag auf Rang eins, pilotiert von Hanns-Werner Wirth und GM-Classic-Spezialist Uwe Mertin und räumte an Tag zwei das Steuer für seinen Chef, den Opel-Vorstandsvorsitzenden Karl-Thomas Neumann. Start von Rang eins? "Das bin ich bei Opel gar nicht gewohnt", scherzte der gut gelaunt. "Normalerweise muss ich das Feld von hinten aufrollen." Was für seine Qualitäten als Krisenmanager spricht: Er hat den ersten Platz gehalten und mit Hanns-Werner Wirth den Sieg nach Hause gefahren. Le-Mans-Sieger Joachim Winkelhock im Kapitän rundete mit Platz 15 das gute Opel-Ergebnis bei der Paul Pietsch Classic ab.

Dabei taten sich die Fahrer ausladender Karosserien im engen Schwarzwald schwer. Dort, wo es in einem engen Winkel rechts weg in Richtung Baden-Baden ging, hatten speziell Piloten der Autos vom Schlage eines Vorkriegs-Bentley oder eines seltenen Rally AZ von 1924 zu kämpfen.

Harte Tour für Vorkriegsautos

Einmal einschlagen und dann mit Elan ums Eck, wie es Hans-Joachim Stuck in seinem Porsche 911 Speedster souverän vormachte, ging nicht. Die Fahrer mussten ihre dinosaurierartigen Schwergewichte abbremsen, ohne Servolenkung zurücksetzen und dann erneut versuchen, die Kurve zu knacken. Hasso und Ulla Nauck, seit Jahren auf Oldtimer-Rallyes mit ihrem Bentley 4 ½ Litre Open Tourer unterwegs, hissten am Ende der Veranstaltung quasi die weiße Fahne – Mensch und Maschine waren erschöpft, was auch an den tropischen Temperaturen lag.

Schwarzwald-Anrainer kennen diese Strapazen: "Ich bin hier als junger Kerl mit dem Bentley 3 Litre meines Vaters gefahren", erzählt Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern. "Da hat mir abends im Bett jeder Knochen wehgetan." Zu Ehren von Paul Pietsch wählten er und sein Bruder Albrecht ein Porsche 356 SC Cabrio und nahmen erstmals an einer Rallye teil, an der erwachsene Menschen sich gelegentlich an Zehntel- oder Hundertstelsekunden zerstreiten, weil sie zu früh oder zu spät in eine Wertungsprüfung hineinfahren. Seine Hoheit kam zu der Erkenntnis, dass "Trödeln nicht funktioniert". Motor Presse-Geschäftsführer Volker Breid kamen auf den engen Weinbergstrecken ganz andere Zweifel: "Wollte Paul Pietsch wirklich, dass man sich mit einem wertvollen Bugatti T35 durch diese engen Straßen schlängelt und, falls was passiert wäre, das Erbe des Vaters gefährdet?" Wer Paul Pietsch gekannt hat, der weiß die Antwort: Er wollte – unbedingt sogar.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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