Alles über Classic Days Schloss Dyck
Paulussen Beradino bei den Classic Days Schloss Dyck 22 Bilder Zoom

Paulussen beradino bei den Classic Days: in 50 Jahren zum Supersportler

Dieser Traumwagen entstand in 50 Jahren: Johannes P. Paulussen begann 1961 ein Sportwagen-Projekt - 2011 schmückt sein beradino den Concours d'Elegance der Classic Days.

Viele der Besucher des sehr passend "Jewels in the park" genannten Concours d'Elegance auf der Orangeriehalbinsel direkt vor Schloss Dyck schlendert, bleiben an einer feuerroten Flunder stehen. "Was ist denn das", "der sieht aber heiß aus", "ist das ein GTO" oder einfach nur "Wahnsinns-Teil" - die spontanen Respektsbekundungen gelten dem Paulussen beradino. Kennen Sie nicht? Macht nichts, denn den Paulussen gibt es nur ein Mal.

Mit 17 hat man noch Träume - und mit 66 auch!

Erträumt, erdacht, gezeichnet, konstruiert, geformt und gebaut hat ihn ein Student der Kraftfahrzeug-Technik  und späterer Berufsschullehrer. Johannes P. Paulussen hatte 1961 einen Traum, den von einem Supersportwagen wie Lamborghini Miura, Ferrari GTO oder Ford GT40. Doch leider hatte er sonst nichts, zumindest kein Geld für einen der Traumwagen der 1960er. Sein Vater, ein Schreinermeister, hatte irgendwann offenbar genug von den Schwärmereien und beendete irgendwann die Diskussion mit den Worten: "Wenn du unbedingt so ein Auto haben willst, dann musst du es dir schon selbst bauen."

Bei tausenden Jugendlichen war damit tatsächlich Ende der Spinnerei, doch Paulussen ließ sein Traum nicht los. Er fing während seines Studiums der Kraftfahrzeug-Technik  an zu zeichnen und brachte Linien zu Papier, die zahlreiche Anleihen an den Supersportlern seiner Zeit nahmen, doch insgesamt ergeben sie ein eigenständiges, sehr stimmiges Bild.

Echte Handarbeit - Auto-Entwicklung ohne Computer und CAD-Programm

Die Jahre vergingen, der Traum - und die Arbeit blieb. Der begeisterte Student fertigte ein 1:10-Gips-Modell, später baute er eine 1:1 Positivform aus Holz und fünf Zentnern  Gips, nahm von dieser eine GFK-Negativform ab und schließlich laminierte Paulussen tagelang die Rohkarosse mit Glasfasermatten und Polyesterharz. Auf die Idee mit dem Werkstoff GFK kam der Neusser Autobauer übrigens durch einen heute berühmten Designer. "Luigi Colani war der erste, der GFK für eine Karosserie verwendet hat. Damals hieß er aber noch Lutz", sagt Paulussen, der in den 1960ern einen Artikel in der Zeitschrift Hobby über das Thema gelesen hatte.

Nebenbei kümmerte sich der Student Paulussen natürlich auch um Chassis, Antrieb und Anbauteile. Er stand in ständigem Kontakt mit dem TÜV-Gutachter. "Ohne geht das natürlich nicht. Und als ich mit meinen Vorstellungen von dem geeignetem Triebwerk kam, bremste mich der Prüfer ein. Immerhin durfte ich den kleinsten Sechszylinder-Boxermotor von Porsche einbauen. Damit hat der beradino 110 PS", freut sich der Konstrukteur.

Das Fahrwerk besteht aus Elementen von Porsche und VW-Käfer: "Bremsen, Lenkung und die Elektrik stammen von Porsche. Die Vorderachse vom 356, dann noch einiges vom VW-Porsche, unter anderem die Getriebegabel." Den Rahmen fertigte Paulussen aus 40x100 Millimeter-Vierkantrohr mit drei Millimeter Wandstärke. Sehr stabil, wie auch der Prüfer bescheinigte. Doch er forderte noch einen zusätzlichen Hilfsrahmen für den Porsche-Motor – kein Problem für Paulussen. Was sich so einfach anhört, dauerte allerdings Jahre. Rund 7.000 Arbeitsstunden steckte der angehende Berufsschullehrer in seinen beradino.

Der Lohn der jahrelangen Mühen - problemlose Zulassung

Doch  1974 war es dann soweit, der beradino hatte seinen ersten großen Auftritt bei einer Ausstellung im Audimax der Technischen Hochschule Aachen. Ein Jahr später wurde der Sportwagen erhielt der Sportwagen problemlos seine Zulassung - in den Papieren steht unter Hersteller: Paulussen, unter Typ und Ausführung: beradino Hardtop.

In den folgenden 15 Jahren fuhr Johannes P. Paulussen rund 8.500 Kilometer, bevor er den leicht maladen Wagen mit starkem Ölverlust abstellte. "Der beradino verfiel in einen Dornröschenschlaf", gibt Paulussen zu. Bis 2009 stand sich der beradino seine Reifen eckig. Doch mit seiner Pensionierung kam der Funke zurück. Paulussen legte sich wieder mächtig ins Zeug und beute seinen Traumwagen neu auf. Und wieder mit Herzblut und von früh bis spät. "3.000 Stunden hat es diesmal gedauert", sagt Paulussen. Dabei hielten auch neue Technologien Einzug. "Die Scheinwerfer stammen von dem New Mini, die Spiegel von einem Cup-Porsche, verfeinert mit den Zusatzblinkern vom Golf VI" – kein Wunder, dass Paulussen seinem Wagen den Beinamen "living project" gab.

Bei seinem ersten Auftritt nach der Restaurierung- und Neulackierung in dem RAL-Farbton 3000 - Feuerrot - gewann der beradino auf dem Neusser Autosalon übrigens den "Preis für das attraktivste Highlight".

Über den beradino gibt es noch so viel zu erzählen, etwa die Geschichte von der Windschutzscheibe, die bei Sigla als Sonderanfertigung entstand, oder von einem Pelzmantel, den Paulussen für seine Mutter kaufen sollte - und aus dem dann ein Satz Kreuzspeichenfelgen wurde. Oder von der  verchromten, gravierten und lackierten Schwellerverblendung und von den Kommentare seiner Frau vor fünf Jahren oder warum der Wagen nach dem Schauspieler John Beradino benannt wurde ... Doch fragen Sie ihn doch lieber selbst, es macht Spaß, dem begeisterten Petrol-Head zuzuhören. Zu finden ist er auf der Orangeriehalbinsel - sein Paulussen beradino ist nicht zu übersehen.

Kai Klauder

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Kai Klauder

Datum

6. August 2011
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