Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Pebble Beach Concours d'Elegance 2011

Die Schätze von Pebble Beach

Pebble Beach 2011, Concours d'Elegance Foto: Copyright © 2011 by Kimball Studios/Courtesy of the Pebble Beach Concours d’Elegance 34 Bilder

Der 61. Concours d’Elegance im kalifornischen Pebble Beach und seine Veranstaltungen im Umfeld schmetterten ein klares Signal in die Oldtimer-Welt: Von Krise keine Spur, Blue-Chip-Klassiker sind begehrter denn je, und Jaguar wird die Geschichte des E-Type fortschreiben.

22.08.2011 Malte Jürgens Powered by

Das wertvollste Stück westamerikanischer Küste - und wir meinen den großen Maßstab, von Alaska bis Feuerland -  lag am 21. August exakt vor der berühmten Lodge von Pebble Beach, ein paar Meilen südlich von San Francisco.  Zum 61. Concours d’Elegance am 18. Loch des Golf-Paradieses hatten sich auf vielleicht 150 Metern Strand nicht weniger als 22 Ferrari GTO versammelt, und setzt man den letzten bekannt gewordenen Verkaufspreis eines GTO als Durchschnitt an, rund 30 Millionen Dollar, kann jeder Grundschüler nun ausrechnen, dass ein Meter GTO-Strand hier an diesem Tag 4,4 Millionen Dollar wert war.

Geburtstagsfeier mit Paukenschlag - 50 Jahre Ferrari GTO

Selbst Experten wie dem amerikanischen Ferrari- Restaurierer Wayne Obry verschlug es da die Sprache: "So eine Phalanx von GTOs hat es meines Wissens auf der Welt noch nie gegeben, und wahrscheinlich läßt sich dieses Aufgebot auch sobald nicht wieder zusammenstellen."Um diesem einmaligen Rendezvous zum 50. Geburtstag des Dreiliter-Renncoupés auch noch die Krone aufzusetzen, traten acht der Preziosen am Sonnabend vor dem Concours zu einem Rennen in Laguna Seca an.

Aufgelockert präsentierte das Feld noch einige Ferrari 250 GT SWB, und dann wurde einfach furchtlos Gas gegeben. Die beiden schnellsten GTO hämmerten über die Start-Ziel-Gerade, dass rein akustisch die durch verantwortungsvolle Restaurierer empfohlene Drehzahlgrenze von vielleicht 7800/min in jedem Gang vorsätzlich weit überschritten wurde.

Rekordpreise bei Gooding & Company-und RM Auctions-Versteigerung

Zu den vielfältigen Satelliten-Events, die um den Pebble-Beach-Concours kreisen und die Woche vor dem großen Schaulaufen zu einem Wunderland für Klassiker-Fans machen, zählen neben den Rennen auch die Auktionen. Das Haus Gooding brachte am 14. und 15. August jede Menge Klassiker unter den Hammer, und die erzielten Preise ließen Normalverdiener schon ein wenig frieren:  Ein Lamborghini Miura S ging für  533.500 Dollar zuzüglich Aufgeld in neue Hände über, ein Ferrari 250 GT SWB brachte stolze sechs Millionen, wogegen der Mercedes-Benz 540 K für 2,1 Millionen geradezu günstig schien. Ein Alfa Romeo 8C Monza erlöste 6,7 Millionen Dollar, ein Ferrari 250 GT LWB California Spider gar 7,2 Millionen.

Den Vogel aber schoss, wenn man das so sagen darf, die folgende RM-Auktion ab: Ein grau lackierter Porsche 911S, einst gefahren vom Leinwand-Idol  Steve McQueen in dem Filmklassiker "Le Mans“, erzielte nicht etwa die 60.000 oder 80.000 Dollar wie andere, von Otto Normalverbraucher pilotierte  911S - der Zuschlag erfolgte tatsächlich erst bei 1,375 Millionen Dollar, plus Aufgeld. Damit dürfte eine neue Dimension in der Porsche-Szene erreicht sein, und 911S-Besitzer bekommen vermutlich ab sofort von ihrer Bank den doppelten Kredit-Rahmen auf Ihrem Giro-Konto.

Das Branchenbarometer zeigt nach oben

Wer sich in Pebble Beach unter den Oldie-Besitzern zum Thema drohende neue Wirtschaftskrise umhörte, bekam meist eine Antwort, die sich mit der Einschätzung des Jaguar XK-120-Spezialisten Bill Rooklidge deckte: "Hier glaubt keiner daran, dass die USA zahlungsunfähig werden und es einen großen Crash gibt. Wir gehen davon aus, dass Barack Obama das verhindert, obwohl hier eigentlich auch niemand mehr glaubt, dass er noch einmal gewählt wird. Es gibt aber eine neue Tendenz: Investoren ziehen ihr Geld immer öfter aus Börsengeschäften heraus und kaufen Oldtimer, weil ihnen da die Wertanlage sicherer  und interessanter erscheint."

Diese lange Vorrede zum Concours war nötig, da Pebble Beach seit Jahren auch als Branchen-Barometer gilt und zumindest mittelfristig einen Ausblick erlaubt auf die Frage: Wie geht’s denn der Szene so? Mit seinen 211 Edelklassikern, diesmal übrigens begleitet von 18 italienischen Renn- und Tourenmotorrädern, fiel die Antwort  auf dem Concours eindeutig aus: Der Szene geht es blendend, jedenfalls im Moment und in Pebble Beach.

Mercedes-Benz trumpfte vor Ort mit großem Aufgebot von rund 40 Klassikern auf. Schließlich gäbe es ohne die Erfindung des Automobils durch Gottlieb Daimler und Karl Benz auch den Concours nicht, was die Concours-Chefin Sandra Button milde stimmte und dem ersten Auto-Hersteller der Welt gleich sechs Klassen von insgesamt 28 im Wettbewerb sicherte: Die antike Mercedes-Benz Ära, die klassische Periode, Mercedes-Benz 380K bis 770K, konservierter Originalzustand,  Nachkriegszeit und die "White Knights"-  sieben Werksautomobile, vom 120-PS-GP-Rennwagen  1906 über den "Blitzen-Benz" von 1911 bis zum SSK Baujahr 1927.

Der schönste Sportwagen der Welt feiert seinen 50.

Ebenso spektakulär trat in diesem Jahr die Marke Jaguar auf. Die Engländer besinnen sich zunehmend auf ihr Erbe und feiern in diesem Jahr besonders den Jaguar E-Type, der ja vor einem halben Jahrhundert  für so etwas wie ein Erdbeben sorgte: Selbst Enzo Ferrari bezeichnete einst den 1961 in Genf präsentierten E-Type als den "schönsten Sportwagen der Welt".

Mehr als zwei Dutzend der faszinierenden Zweisitzer  lieferten sich bei einem Einladungsrennen in Laguna Seca ein sportliches Duell, was von dem Vater-Sohn-Gespann Art und Bob Hebert  klar gewonnen wurde.  Darüber hinaus zeigte Jaguar das Super-Hybridmodell C-X 75, der mit 800 PS den Weg in eine markengemäße Zukunft vorzeichnen soll: Ein Hochleistungs-Benzinmotor mit 500 PS sorgt für 300 elektrische Pferdestärken, mit denen dann co2-optimiert gefahren werden darf.

In seiner Geschichte stets besonders glücklich mit dem Entwurf faszinierender Coupés, wird Jaguar auch auf der kommenden IAA  für Aufsehen sorgen: Mit der  Konzeptstudie C-X 16 - so  benannt von Jaguars Design-Chef Ian Callum, weil es sein 16. Prototyp für die Marke ist - wird ein kleines, preiswertes, aberhöchst sportliches Coupé mit V6-Turbomotor Premiere feiern. In seinem Design-Entwurf wird Callum die Verwandschaft mit dem E-Typ aller Voraussicht nach nicht leugnen.

Ein Voisin gewinnt den Concours d'Elegance von Pebble Beach

Bei so vielen Nebenaktivitäten gerät der eigentliche Concours schon fast ins Hintertreffen. Dabei gehört er zu einer Sorte von Automobilveranstaltungen, die eigentlich längst überholt sind: Pebble Beach ist eine reine Eintages-Veranstaltung. Früh um sechs öffnen die Tore, und noch in der morgendlichen Dunkelheit rollen die ersten Concours-Teilnehmer auf das Grün am 18. Loch des Goldplatzes. Ab neun Uhr morgens wird juriert, von rund 100 Experten, die als Sachrichter ihre Stimme abgeben.  Bereits um 14 Uhr fahren die erwählten Klassiker vor zur Prämierung, und gegen halb fünf Uhr nachmittags kommt es zur feierlichen Enthüllung: Wer wird Best of Show, also der Sieger aller Klassensieger?

In diesem Jahr traf es den Voisin C-25 Aerodyne aus dem Jahr 1934 von Peter und Merle Mullin aus Los Angeles. Die Limousine mit dem Knight-Schiebermotor und den Tragflächenstreben zwischen Kühler und Kotflügeln zeigt klar, dass Firmenchef Gabriele Voisin zunächst Flugzeuge im Sinn hatte, deren Strukturen und Elemente er dann auf seine Automobile übertrug. Jeder fertiggestellte Voisin war im Grunde ein Einzelstück, in vielen Details dem Vorgänger gegenüber geändert und verbessert.

Neben dem prestigeträchtigen Gewinn des Titels "Best of Show"gibt es eine schiere Flut von Pokalen: 28 Klassensieger, dazu je nach Klasse auch noch Auszeichnungen für die zweiten und dritten Ränge, aufgefüllt durch Sonderpreise etwa für Design und Eleganz, angereichert durch Pokale der Oldtimer-Weltorganisation FIVA und des Fachmagazins Road&Track.

Das Programm 2011 in Pebble Beach umfaßte folgende Klassen: Antique bis 1915, American Classic open, American Classic closed, Stutz 1911 bis 1924, Stutz Classic 1924-1934, Stutz DV-32, Duesenberg; Rolls-Royce Silver Ghost, Rolls-Royce, Mercedes-Benz Antique, Mercedes-Benz Classic, MB 380 K - 770K, MB besterhaltener Originalzustand, MB Nachkrieg, MB White Knights, European Classic 1925-1931, European Classic 1932-1937, European Classic 1938-1939, Vorkriegs-Ford mit Spezialkarosserie, Vorkriegs-Originalzustand, Nachkriegs-Originalzustand, Ferrari GT, Ferrari GTO Anniversary, Vorkriegssportwagen offen, Vorkriegssportwagen geschlossen, Vorkrieg-Touring, Vorkriegs US-Chassis mit Spezialkarosserie, italienische Tourenmotorräder bis 1979, italienische Rennmaschinen bis 1979.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige