Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

sport auto-Perfektionstraining 2015

Sicher und schnell über die Nordschleife

Perfektionstraining 2015, Nordschleife Foto: Rossen Gargolov 13 Bilder

Das gibt es selten: strahlender Sonnenschein und sengende Hitze am Nürburgring – eine ungewöhnliche Herausforderung für Fahrer und Fahrzeuge. Wir geben Ihnen Einblicke in eines der sport auto-Perfektionstrainings 2015.

29.10.2015 Roman Domes Powered by

Der Porsche 911 GT3 ist schon so ein richtiger Fiesling. Um seine Verfolger abzuschütteln, bedient er sich ausgefeiltester Methoden. Das muss auch Alex "Sasha" Dukic aus Bosnien-Herzegowina gerade feststellen. "Jedes Mal, wenn ich hinter einem 911 herfahre, passiert das", flucht er im Cockpit seines schwarzen Nissan GT-R. Der bekommt nämlich nur noch GT3-Luft zum Atmen, heiße, verbrauchte, sauerstoffarme Luft. Der "Datsun" getaufte GT-R reduziert daraufhin automatisch den Ladedruck und damit auch die Leistung – zum Ärger von Sasha. Er und sein eigentlich austrainierter 550 PS starker japanischer Sportler sind Teilnehmer beim sport auto-Perfektionstraining am Nürburgring.

Per Funk teilt Sasha sein Problem Instruktor Christian Menzel mit, der mit dem fiesen Porsche vorausfährt. "Ich glaube, ich komme seit fünf Jahren zu diesem Event," sagt der 39-Jährige, als er sein Auto nach der immer noch außerordentlich schnellen Runde zum Kühlen in den Schatten auf der Döttinger Höhe stellt.

Perfektionstraining 2015: Stammgäste und Neulinge

Die Döttinger Höhe dient heute als Sammelpunkt und Slow-Zone, die jede Trainingsgruppe nur mit maximal 70 km/h durchfahren darf. Sasha gehört der ersten Gruppe an, der schnellsten von insgesamt 22, auf die sich die mehr als 100 Teilnehmer je nach Fahrkönnen verteilen. Doch nicht nur die 20,8 Kilometer lange Strecke fordert an diesen beiden Tagen im Juli alles von Fahrern und Fahrzeugen, sondern auch das Wetter. Als sich am Freitag um zwanzig nach acht Uhr die ersten auf und vor der Döttinger Höhe versammeln, flirrt der Asphalt bereits in der Morgensonne.

Die paar Schleierwölkchen, die noch am Himmel umherirren, verdampfen schneller, als man "CO₂-Emission" hätte sagen können. Das Thermometer soll an beiden Tagen auf 34 Grad klettern. Der Asphalt auf der Döttinger Höhe leidet enorm unter der untypisch intensiven Sonneneinstrahlung, an einigen Stellen werden 50 Grad gemessen.

"Parkt nicht länger als 15 Minuten auf der gleichen Stelle, sonst backen eure Autos fest", warnt DMSB-Chefinstruktor Paul Martin Dose beim Briefing. Bei den Teilnehmern steigt indes die Nervosität. Auf der Nordschleife waren sie aber fast alle schon mal, bei Touristenfahrten oder einem Trackday.

Bunt gemischtes Starterfeld auf der Nordschleife

Sam kennt die Nordschleife eigentlich auch schon ein bisschen. Ein paar Mal war er hier, ein paar Runden ist er schon gefahren. Zum Spaß, wie er sagt. Heute wird es ernst. "Langsam werde ich ein bisschen unruhig," sagt der Schweizer aus Bern, als er vor dem Start neben seinem schwarzen Renault Mgane R.S. steht und an seinem Helm herumtüfelt. Er ist zusammen mit seinem Vater Rolf angereist.

Der startet mit seiner Corvette Z06 der Baureihe C6 ein paar Reihen vor seinem Sohn – in einer schnelleren Gruppe. Ein Aufkleber auf der Heckscheibe eint die beiden Eidgenossen, unterschiedlichen Kennzeichen zum Trotz: "Team Wespe" – ein Hinweis auf den Nachnamen – steht in gelber Schrift auf der Corvette und auch auf dem leicht modifiziertem Mégane.

"Die Rücksitzbank habe ich erst vor Kurzem rausgeworfen. 16 Kilo weniger. Ging ganz schnell, waren nur drei Schrauben", erzählt Sam. Das tiefergelegte Fahrwerk seines Mégane entspricht nicht mehr ganz dem Serienzustand – genau wie auch der Motor. "Der hat jetzt gut 300 PS", sagt er. Außerdem steckt das Cup-Paket mit stärkeren Bremsen sowie einer Differenzialsperre unterm Blech.

Kontrollen zur Einhaltung des Tempos in den Slow Zones

Auch das Perfektionstraining stand unter dem Einfluss der Tempolimits. Auf die hat Instruktor Uwe Wächtler beim Abendessen tags zuvor ausdrücklich hingewiesen. Betroffen sind die Streckenabschnitte Schwedenkreuz, Flugplatz und Döttinger Höhe. "Bitte haltet euch daran, das gibt sonst richtig Ärger", sagt Wächtler ohne das typische Lächeln auf seinem Gesicht.

Kein Witz: An beiden Tagen überwachen Streckenposten, bewaffnet mit Radarpistolen, die genannten Teile des Rings. Doch geblitzt haben sie niemanden. Statt Strafzetteln gab es Plaudereien während der Pausen an der Piste – oder beim Mittagessen in der Pistenklause. Dort steht Rolf Wespe am Buffet und lacht, obwohl er Ärger bekommen hat: "Ich musste die Distanzscheiben von meiner Corvette abmontieren, in den engen Kurven haben die Reifen am Radhaus geschliffen", erzählt er. "Mein Hintermann hat nur noch Rauch gesehen. Ups."

Freies Fahren auf der Nordschleife

Zurück an der Strecke sucht die Crew von Alex Dukic unter einem Pavillon Schutz vor der Hitze. Sein Sohn Jovan spielt "Ridge Racer" auf seinem Nintendo 3DS, ein Rennspiel. "Er ist schon jetzt, mit sieben Jahren, ein richtiger Rennfahrer," sagt Vater Sasha stolz und trinkt einen Schluck Wasser.

Ab 15.30 Uhr beginnt das freie Fahren – ohne Instruktor, nicht in der Gruppe, sondern ganz allein. Für Sasha hat das noch einen Vorteil: Er kann endlich seinen Sohn in einem speziell präparierten Kindersitz mit auf die Strecke nehmen. "Jovan kann es gar nicht mehr erwarten", sagt Alex und schmunzelt, während hinter ihm ein wütend schnaubender Porsche die Boxengasse an der Döttinger Höhe in Richtung Tiergarten verlässt. "Ich warte lieber noch einen Moment", ruft Sasha durch die Seitenscheibe seines frischluftbedürftigen Nissan GT-R, bevor er Vollgas gibt.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige