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Peugeot-Treffen Finnland

Große Löwennummer im hohen Norden

Foto: Ulrich Bethscheider-Kieser 21 Bilder

Nur selten ergeben sich für Mitteleuropäer Gelegenheiten zu einer Oldtimer-Tour nach Skandinavien. Kein Wunder, dass auch viele Deutsche das Treff en von L’Aventure Peugeot zu einer Reise nach Finnland nutzten.

02.12.2008 Ulrich Bethscheider-Kieser Powered by

1974er Erste Hand, 370.000 km

Vor dem riesigen Schlund von Amorella sind sie alle gleich. Ob 40-Tonnen- Lastwagen, braver Familien-Van oder Motorradfahrer - wer in Stockholm an Bord der Fähre Amorella zur Überfahrt nach Finnland will, muss sich in einer langen Reihe anstellen und viel Geduld mitbringen. Doch an diesem Tag ist Abwechslung in der Warteschlange angesagt. In den Stau des Alltagsblechs mischen sich Oldtimer der verschiedensten Generationen.

Was sie eint, ist der Löwe am Kühlergrill und das Ziel, die südfinnische Hafenstadt Turku. Nur ein paar Kilometer weiter, im Küstenstädtchen Naantali, findet das Internationale Treffen von L’Aventure Peugeot statt. Die von der Familie Peugeot gegründete Dachorganisation für die Clubs und Liebhaber der Löwenmarke lädt ihre Mitglieder einmal im Jahr in wechselnden Ländern zu einer Ausfahrt ein.

Die mitunter weite Anreise nach Skandinavien bedeutet indes für viele Teilnehmer keine unüberwindbare Hürde. Vielmehr ist Pragmatismus gefragt. "Wir haben zuhause eine schöne 504 Limousine von 1974 im Erstbesitz mit 370.000 Kilometern auf dem Tacho", erzählt Rosemarie Beck aus Colmar im Hafen-Stau. Die langjährige Vorsitzende des französischen 504-Clubs hat für die Tour nach Finnland jedoch gemeinsam mit ihrem Gatten im Fond eines 504 von Freunden Platz genommen - zu viert macht die lange Anreise aus dem Elsass schließlich mehr Spaß.

Gäste aus dem Rallyesport: Grönholm, Salonen, Rovanperä

Dass das diesjährige Treffen in Finnland stattfindet, hat auch einen lokalen Grund. Der finnische Peugeot-Club, immerhin gut 400 Mitglieder stark, notiert 2008 sein 20-jähriges Jubiläum - und das feiern die Finnen gern im großen Kreis.

Zudem besteht zwischen Peugeot und Finnland eine erfolgreiche Motorsport-Tradition: Viele finnische Rallyefahrer waren in den vergangenen Jahrzehnten als Peugeot-Werksfahrer in der Rallye-Weltmeisterschaft unterwegs. Heute sind sie allesamt Ehrenmitglieder im finnischen Club und kommen auch zum L’Aventure-Treffen - obwohl sie nicht immer ein enges Verhältnis zum Thema Oldtimer haben.

"Ich bin doch selbst schon ein Oldtimer und brauche deshalb kein altes Auto", meint beispielsweise Timo Salonen, der 1985 mit dem Peugeot 205 Turbo 16 die Rallye-Weltmeisterschaft gewann. Dagegen besitzt Ex-Rallye-Profi Harri Rovanperä, 2001 bei seinem ersten Einsatz im Peugeot 206 WRC Sieger der Rallye Schweden, zuhause immerhin einen Triumph Herald.

Und Marcus Grönholm, Weltmeister in den Jahren 2000 und 2002, bringt seinen 206 WRC mit zum L’Aventure-Treffen - diesem Auto kann man fast schon Youngtimer-Status zugestehen. Da liegt die Frage nahe, wann Grönholm denn bei historischen Rallyes an den Start geht. "Dazu habe ich derzeit keine Zeit", meint er, "aber ich kann mir das in Zukunft gut vorstellen." Welche Marke der Finne dann fahren würde, steht jedenfalls schon fest: "Peugeot liegt mir einfach am Herzen." Immerhin hat Grönholm am heimischen Bauernhof auch einen 404 Pickup deponiert.

Längste Anreise: Familie Davies von Down-Under

Während die Finnen den Heimvorteil der kurzen Anreise nutzen, scheuen andere keinen Aufwand. Richard Davies und sein Sohn William beispielsweise leben im australischen Melbourne und kommen mit Lucy nach Naantali. Lucy ist ein grauer 203 Commerciale mit französischer Zulassung. "Wir haben das Auto permanent bei Freunden in der Nähe von Dijon deponiert", erzählt Davies, der in Australien etwa zehn klassische Peugeot sein Eigen nennt.

Lucy ist zwar nicht mehr die Jüngste, aber durchaus langstreckentauglich: Mit dem 203 reisen Vater und Sohn auf Achse von Frankreich bis nach Finnland und wieder zurück. "Wir haben auf der vier Tage dauernden Anfahrt Tagesetappen von bis zu 800 Kilometer hinter uns gebracht", sagt Davies. Für seinen Sohn lohnt sich der weite Weg auch in anderer Hinsicht: Er will ein Heavy-Metal-Konzert besuchen, das am Wochenende in Turku stattfindet.

Nicht ganz so weit hatte es Anders Pettersson. Der Schwede sorgt bereits akustisch für Aufsehen, denn unter der Motorhaube seines 403 nagelt ein Diesel. Aufgewachsen im Norden Schwedens, weiß Andersson auch, wie man diese urigen Selbstzünder in frostigen Wintern betrieb, als es noch keinen kältesicheren Dieselkraftstoff gab. "Man hat im Oktober den Motor gestartet und erst im April wieder ausgemacht", grinst er.

Vorkriegsklassiker im Alltagseinsatz aus Deutschland

Unter den rund 140 an dem Treffen teilnehmenden Klassikern ist der Diesel ein ähnlicher Exot wie die Vorkriegsfahrzeuge der Marke. Ausgerechnet die mit 18 Fahrzeugen stark vertretene Gruppe der deutschen L’Aventure-Mitglieder setzt einen Höhepunkt: Neben einer 402 Limousine zieht ein 402 Cabriolet die Blicke auf sich. Besitzer Egon Gothmann erhält den Preis für das schönste Fahrzeug des Treffens. Nebenbei dürfte der 402 auch zu den Klassikern mit intensiver Nutzung gehören: "Ich fahre mit diesem Auto 4.000 bis 5.000 Kilometer im Jahr", erzählt Gothmann, der den Wagen bereits seit 29 Jahren besitzt.

Etwa die Hälfte der rund 40 Mitglieder starken Gruppe der deutschen Peugeot-Fahrer kommt mit 504 Coupé und Cabrio nach Naantali - inklusive eines gehörigen Umwegs. Zur Feier des 25-jähriges Bestehens des 504-Coupé-Cabrio-Clubs machten sich diese Oldtimer-Liebhaber zunächst auf zu einer Marathon-Fahrt ins russische St. Petersburg. Von dort aus ging es direkt nach Naantali - noch mit dem Staub der russischen Pisten auf den formschönen Karosserien. In Finnland kommt noch etwas Staub dazu, denn die gemeinsame Ausfahrt führt teilweise über unbefestigte Wege. Andere Verkehrsteilnehmer kreuzen in der finnischen Provinz nur selten den Weg.

Thierry Peugeot gibt sich die Ehre

Ein Teilnehmer trägt sogar den Namen der Autos. Thierry Peugeot beeinflusst als Aufsichtsratsvorsitzender nicht nur die Geschicke von Frankreichs größtem Autobauer PSA Peugeot Citroën, sondern ist auch der Historie der Marke mit dem Löwen eng verbunden. Als Präsident von L’Aventure Peugeot ist der 51-Jährige gewissermaßen der oberste Konservator der Markengeschichte.

In dieser Funktion ist seine Teilnahme selbstverständlich, und Thierry Peugeot scheut keine Mühe. Nach einem Termin in China trifft er verspätet in Finnland ein, um wenigstens einen Teil der Ausfahrt im Vorkriegs-601 aus dem Fundus des Peugeot-Museums zu bestreiten. Wobei die große Vorkriegs-Limousine nicht unbedingt zu seinen Favoriten gehört.

"Ich mag vor allem die Modelle, die direkt vor oder nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden", erzählt Peugeot bei einem Zwischenstopp freimütig. "Mein Lieblingsmodell ist das 203 Cabriolet, das ich selbst als Student gefahren habe. Diese Nachkriegsautos kann man sehr gut im Alltag fahren." Da darf man schon gespannt sein, welchen Typ Peugeot beim nächsten L’Aventure- Treffen fahren wird. Das findet 2009 in Belgien statt - für die meisten Teilnehmer dann wohl auch ohne lästige Stau-Erfahrung im Fährhafen.

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