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Picos de Europa

Pico bello

Foto: Pugmeister, Azumendi 10 Bilder

Vom Atlantik her steigen Wolken auf zu den Gipfeln der Picos de Europa im Norden Spaniens. Hinter ihnen verbergen sich steile Felsgrate, grüne Weiden und herrliche Reviere für Offroader. 

31.01.2007 Yörn Pugmeister

"Hier erheben sich wunderbare Kalksteinwände, geformt von Wind, Eis und Einsamkeit.“ Pedro Pidal, der Marqués de Villaviciosa, sprach’s und erstieg 1904 als Erster den eindrucksvollsten Gipfel, den Naranjo de Bulnes, in den Picos de Europa. Er war es auch, der dieses kühle Gebiet im Norden Spaniens samt seiner Geschichte, seinen Menschen und seinen drei mächtigen Bergmassiven derart in das Bewusstsein seiner Landsleute hämmerte, dass 1918 ein Teil der Region zum Nationalpark von Covadonga erklärt wurde. 77 Jahre später wurde der Park um ein größeres Areal erweitert.

Die Wiege der Spanier - sagen die Picos


"Hier wurde Spanien geboren“, behaupten die Picos in ihrem rumpelnden Dialekt, weil ihre Vorfahren die maurischen Besatzer bei Covadonga schlugen und die Wiedereroberung Spaniens von den Mohammedanern einleiteten.


Aus heldischer Vergangenheit her rührt die Aufsässigkeit der Bewohner gegenüber Obrigkeiten und Verordnungen: Wie in jedem Nationalpark gilt – zum Leidwesen der Einheimischen – heute auch in den Picos die einst freie Jagd als Wilderei, das freie Fischen auf Lachs und Forelle als Fischwilderei. Den Wölfen, die man bis 1964 per Treibjagd dezimierte, darf gar nicht mehr nachgestellt werden.


Die rund 15 000 Picos-Bewohner haben neues "Wild" entdeckt: Touristen. Zumindest in den Sommermonaten Juli und August werden die gejagt und manchmal ausgenommen. Orte wie Potes, mit seinen riesigen Bus-Parkplätzen, oder Cangas de Onis, mit seinen Boutiquen, sind Zentren neuer, sehr erfolgreicher Überlebenskunst der Lokalbevölkerung. Käse aus den Bergen und Wanderstöcke, Cidra aus Asturien und süßsaure Wurst aus den umliegenden Provinzen León und Kastilien werden verhökert. "Canyoning“ in den Schluchten des Cares und der Deva sind beliebte Freizeitangebote, geführte Wanderungen sowieso. Natürlich stehen auch Tages-Abenteuer per Offroader in den Bergen zur Wahl: Gerne werden neun Passagiere in einen Santana 110 gepackt, um hernach  über ausgelatschte Pisten rings um Espinama oder von Covadonga aus in die Nähe der Seen von Enol und La Ercina.

Am Ende von Hummer-Land

Für Crossroader gibt es Besseres: von La Hermida hinüber nach Sotres zum Beispiel. Eine lässig geteerte Piste führt am Corvera-Bach bergauf zum Weiler Beges. Hier endet Hummer-Land abrupt: Kein großspuriges Ami-Gerät schafft die Windungen zwischen den Häusern. In Serpentinen geht es westwärts hoch bis zur Weggabelung an der Wolfskreuzung, der Fuente de Los Lobos. Eine Piste führt südlich, ein wenig bergab – sie ist für breiter gebaute Allradler zu empfehlen. Auf der nördlichen Strecke endet bald auch Touareg- und Pajero-Land: Die Piste am Monte de la Lama ist so ausgesetzt und eng, dass man sich sogar im Land Rover Defender zu breit vorkommt. An Ausweichen im Fall eines Entgegenkommers ist nie zu denken – links schrappt man an Felsen, rechts kippen Berghänge Hunderte von Metern steil ab. Während die südlichere Piste bis zur Schutzhütte Caseton de Andara und eine Abzweigung sogar zu den alten Erzminen von Providencia führt, erreicht man auf der Nordroute die Teerstraße bei Jito de Escarandi schneller. Aber: nicht gleich nach Süden abbiegen, Richtung Zivilisation. Der Umweg gen Norden, nach Tresviso, lohnt. Denn: An der Cueva Gobia kann man ins Sobra-Tal hinunter stechen und dann zwischen richtig hohen Wänden statt auf Asphalt ins malerische Dorf hoppeln. Während es in Tresviso kaum Tourismus gibt, hat sich Sotres zu einem Ausgangspunkt für Bergwanderer gemausert.

Auf Schotter Richtung Süden

Wer dort nicht nächtigen will, wer auch verschwiegenem Zelten in der Einsamkeit der Berge ringsum völlig ohne Wolf oder Schlange nicht traut, der sollte sich zu Kneipen und Pensionen in Espinama im Deva-Tal aufmachen. Auf Schotter natürlich. Südlich von Sotres biegt die Route vom Asphalt der Straße nach Tielves ab. Es geht das Tal des Duje-Flusses aufwärts, vorbei an den Winterställen von Vegas del Toro. Die Steinhäuser mit ihren roten Dächern wachsen aus hellgrauen Felswänden, in denen tie- fe Höhlen zusätzlichen Stallraum für Schafe schaffen.

Wenige Kilometer südlich führt der Weg auf dem Grat einer Moräne aus der Eiszeit entlang: Links und rechts der Piste hoch oben auf dem Wall gehen steile Wiesenhänge in sattgrüne Hochweiden über. Im Westen tauchen die Dächer des Hotels und der Aliva-Schutzhütte sowie die glänzenden Scheiben des königlichen Berg-Chalets unter der Peña Vieja auf, im Osten stehen die dunklen Grate der Cumbres Avenas. Es lohnt, auch dorthin zu fahren, zum Puerto de Pembes, zur Peña Oviedo, wo Archäologen erfolgreich nach Spuren der ersten Picos-Bewohner graben. Aber meist belagern Kuhherden den schnellsten Zugang dorthin, eine Eisenpforte vor der Piste, die an der Fuente de Asturianos abzweigt. Auch mit Geschrei und einem Defender als Ramme ließ sich häufig keine Durchfahrt erzwingen. Bleibt dann nur der Weg ins Deva-Tal, von dort aus ein erneuter Anstieg über Pembes oder Llaves.

Schöner, aber schwieriger zu finden ist der Weg über Mogrovejo mit seinem eindrucksvollen, alten Wehrturm. Nur im Sommer ziehen Wanderer über Weiden und Bergflanken, bollern Abenteurer in Offroad-Trupps durch den Staub bekannter Pisten. Im Herbst kehrt auch dort jene Ruhe ein, die Kenner schon mitten in der Saison finden. Selbst unten in den Flusstälern, die lange im Dieselqualm der Reisebusse stöhnten, wird es still. Zur Feria de Ganado treffen sich die Hirten an Allerheiligen in Potes. Im Liébana-Tal ringsum werden Trauben geerntet. Die Apfelernte wird eingebracht, zu Cidra vergoren oder zum Mörderschnaps Orujo gebrannt. Wenn der erste Schnee fällt, wirken jene Gipfel der Picos, von denen schon Pedro Pidal schwärmte, wie fein gepuderte, gewaltig helle Steinplastiken. Wie Leuchttürme sehen sie aus, sagten alte Seeleute, wenn sie vom Atlantik heransegelten, wie die Leuchttürme von Europa.

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