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Piëch und Porsche 909

Treffen der Extreme

11 Bilder

Ferdinand Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender von VW, trifft den Porsche Bergspyder 909 aus dem Jahr 1968. Ein Auto so extrem wie der Piëch selbst, der Dienstag (17. April) seinen 70. Geburtstag feiert.

17.04.2007 Bernd Ostmann

Die Bergeuropameisterschaft galt Ende der 60er Jahre quasi als Olymp des Motorsports. War der Gipfelsturm vorbei an Felswänden oder Abgründen schon nichts für schwache Nerven, so waren die Renngeräte von einst, gemessen an heutigen
Sicherheitsnormen, der blanke Wahnsinn.


Für den technischen Gipfel der Bergrennwagen sorgte Ende der Saison 1968 Ferdinand Piëch, damals Entwicklungsleiter bei
Porsche. Seine Geheimwaffe nannte sich 909. Und die Erfolgsformel war denkbar einfach: wenig Gewicht – und das perfekt verteilt.

Nur zwei Männer kannten das Geheimnis. Wenn Piëch und sein Sachbearbeiter Helmut Bott, der später Entwicklungschef wurde, den flachen Spyder in der Werkstatt auf die Waage schoben, dann mussten Fahrer und Mechaniker draußen bleiben. Klar, dass Piëch das Gewicht seines Babys noch heute parat hat: "375 Kilogramm trocken.“

Piëchs Baby wog 375 Kilo trocken

Zum Vergleich: Der 910 Bergspyder wog 420 Kilogramm.
Und auch da war schon jede Menge extrem leichtes Aluminium
verbaut. Beispielsweise beim Fahrwerk. Bei einem der ersten Rennen der Saison 1968 kollabierte am Auto von Gerhard Mitter ein Lenkhebel. "Für die Belastungen und Schläge, die auftreten, wenn man sich in den Kurven mit dem Vorderrad im Graben einhängt, waren die nicht berechnet“, erklärt Piëch. Zusammen mit seinen Mechanikern feilte er dann in einer Nachtschicht aus einer Lastwagen-Kardanwelle sechs Lenkhebel aus Stahl. Folge der Nachtschicht für Piëch: "Mein erster Bandscheibenvorfall.“


45 Kilogramm Gewichtsunterschied zwischen 910 und 909 waren jedenfalls eine Welt im Rennsport. Dafür hatte der junge Renningenieur Piëch auch ganz tief in die Trickkiste gegriffen. Die Basis für den Bergspyder bildete ein filigraner Aluminium-
Rahmen. Die Karosserie war so dünn, "dass sich kein Mechaniker draufsetzen durfte“, erinnert sich der heutige VW-Aufsichtsratschef. Wenn die Autos nach dem Rennen gewaschen wurden, ging die Farbe ab, so hauchdünn war damals die Lackschicht aufgespritzt.

Federn aus Titan, Kabel aus Silber

Für den 909 war kein noch so teures oder exotisches Material tabu. Die Kabel waren nicht aus Kupfer, sondern aus Silber. Die Widerstände der Zündanlage lagen auf Balsaholz, und die Federn waren aus Titan. Das Spektakulärste am 909: die Bremsscheiben und ein Kugeltank. Die Bremsscheiben aus Beryllium waren sehr leicht und außerdem extrem standfest. Weil Beryllium hochgiftig ist, ließ Piëch die Scheiben verchromen. "Das war ein Wahnsinn“, verrät er, "die haben mehr gekostet als der Rest des Autos.“ Deshalb gab es auch nur fünf Scheiben für zwei Autos. Die Beryllium-Scheiben bekam der schnellere Pilot.


Das zweite Technik-Highlight war ein 14 Liter fassender Kugeltank. Er wurde aus zwei Titan-Hälften zusammengeschweißt und auf 0,8 Millimeter Wandstärke abgeätzt. Der Trick: Im Inneren steckte eine Fußballblase. Am Start wurde die Spritblase im Kugeltank mit zehn bar unter Druck gesetzt. Genug, um sich für den Gipfelsturm die 1,7 Kilogramm schwere Benzinpumpe zu sparen.

Um eine möglichst ideale Gewichtsbalance hinzubekommen, hatte Piëch das Differenzial am Getriebeende platziert. So rutschte nicht nur der Achtzylinder weit nach vorn, sondern auch der Fahrer. Die Pedalerie saß vor der Vorderachse, nur geschützt durch die hauchdünne Kunststoff-Karosse. Was übrigens auch für die Füße des Fahrers galt. Pilotiert wurde der 909 von Gerhard Mitter und Rolf Stommelen. Das Auto war kaum getestet worden, und Mitter beurteilte den kurzen Spyder beim Gaisbergrennen nach dem Training als "unberechenbar
im Grenzbereich“. Während Stommelen den neuen Rennwagen bevorzugte, fuhr Mitter am Gaisberg und am Mont Ventoux
den bewährten 910. Mitter gewann beide Rennen, Stommelen kam mit Motorproblemen nur auf einen dritten und einen zweiten
Rang. Damit war die Karriere des Extremsportlers auch schon
beendet. Porsche hatte mit Mitter die Europameisterschaft gewonnen und BMW geschlagen.

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