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Pirelli-Deutschland-Chef Fiocchi

"2009 erwarten wir ein Minus von acht Prozent"

Pirelli, Dr. Guglielmo Fiocchi Foto: Pirelli 8 Bilder

Pirelli-Deutschland-Chef Guglielmo Fiocchi erwartet für die Reifenbranche im laufenden Jahr ein Minus von sieben bis acht Prozent. Im Interview mit auto und sport-Redakteur Harald Hamprecht spricht er außerdem über aktuelle und kommende Reifen-Trends.

18.06.2009 Harald Hamprecht

Wie schätzen Sie den weltweiten Reifen-Markt ein?
Fiocchi: Im vergangenen Jahr belief sich das Volumen im weltweiten Reifen-Geschäft auf ca. 135 Milliarden Dollar. Das war ein schönes Hoch, denn seit 2001 ist das Volumen jedes Jahr zwischen sieben und acht Prozent gestiegen, vor allem durch das Wachstum in Emerging Markets. Dieses Jahr erwarten wir einen Verlust von sieben bis zehn Prozent weltweit, wobei der Consumer-Bereich um sieben Prozent sinken wird und das Lkw- und Landwirtschaftsgeschäft um zwölf Prozent. Für 2010 prognostizieren wir eine Bodenbildung und dann rechnen wir wieder mit einem Wachstum von bis zu sechs Prozent pro Jahr.

Wie sehr trifft die Flaute Pirelli?
Fiocchi: Pirelli ist spezialisierter als andere Wettbewerber. Im Wesentlichen sind wir ein sehr Performance- und High-End-orientierter Hersteller. Unser Segmentanteil beträgt hier deutlich über zehn Prozent, während unser Weltmarktanteil über alle Segmente hinweg nur knapp fünf Prozent beträgt. Daneben haben wir eigentlich nur noch ein Landwirtschaft-Geschäft, das rund 30 Prozent zu unserem Reifen-Umsatz beiträgt. Insgesamt gesehen sind wir weltweit der fünftgrößte Reifen-Anbieter - und diese Position werden wir halten. 
 
Werden Sie in der Weltrangliste weiter nach oben klettern können?
Fiocchi: Nein, die drei großen Anbieter haben einen zu komfortablen Vorsprung. Zudem messen wir uns lieber an der Rentabilität als am Volumen - und hier haben wir mit einer Profit-Marge von 6,2 Prozent im ersten Quartal 2009 ganz weit oben gelegen. Wir investieren nach meinem Wissen auch seit Jahren am meisten Geld in die Entwicklung - nämlich 3,5 bis vier Prozent unseres jährlichen Gesamtumsatzes. Unsere Kunden sind schließlich fast ausnahmslos Premiumhersteller wie Porsche, Ferrari, BMW, Mercedes, Audi - und diese fordern immer die neueste Technologie.
 
Aber gerade die Premiumhersteller müssen weltweit größere Rückgänge verbuchen als Volumenhersteller. Leiden Sie darunter nicht besonders?
Fiocchi: Die Premiumhersteller leiden nicht zuletzt durch die überproportionalen Rückgänge in den USA und auch dadurch, dass Regierungen mit ihren Abwrackprämien-Programmen vor allem Volumenherstellern unter die Arme greifen. Unser Vorteil ist dabei, dass der Anteil im Erstausrüstungsgeschäft bei uns weltweit bei 25 Prozent liegt und damit niedriger als bei den meisten Wettbewerbern. Nichtsdestotrotz mussten wir europaweit zuletzt auch Kurzarbeit fahren - so wie die meisten Wettbewerber auch. Von November bis Anfang Mai waren allein in unserem deutschen Werk Breuberg rund 400 Personen in Kurzarbeit; im Moment arbeitet niemand kurz und wir hoffen, dass dies so bleiben wird. Zudem haben wir ein Costcutting-Programm in ganz Europa gestartet: Von Mitte 2008 bis Mitte 2009 müssen 1.500 unserer 10.000 Beschäftigten das Unternehmen verlassen.
 
Wie stark ist Ihr Werk in Deutschland betroffen?
Fiocchi: Der Großteil der 1.500 Jobs wird nicht in Deutschland wegfallen. Logischweise laufen auch in Deutschland unsere normalen Effizienz und Produktivitätsprogramme, die alle möglichen Kosten betreffen. Temporäre Verträge und solche von Dienstleistern bauen wir rigoros ab, aber unsere gut trainierte Stammmanschaft wollen wir so weit wie möglich stabil halten.
 
Wie wird sich der Umsatz Ihres Deutschland-Geschäfts entwickeln?
Fiocchi: 2007 haben wir in Deutschland 850 Millionen Euro eingefahren, 2008 waren es leicht weniger.

Erwarten Sie große Fusionen oder Akquisitionen in der Branche?
Fiocchi: Ich kann nur für uns sprechen. Und wir sind nicht daran interessiert, sondern wollen organisch wachsen. Auch glaube ich - schon aus Antitrust Gründen - nicht, dass zwischen den Großen Fünf irgendwelche Zusammenschlüsse zu sehen sein werden. Aber vielleicht bei den kleineren Herstellern aus Asien.
 
Welche generellen Trends sehen Sie in der Branche?
Fiocchi: Umweltfreundlichkeit wird ganz groß geschrieben: Die technologischen Möglichkeiten haben sich parallel zur Klimaschutz-Diskussion verbessert. Gleichzeitig wird es die Kunst sein, die Performance nicht zu verlieren und das Thema Sicherheit weiter auszubauen. Deswegen lautet unser Motto "Green Performance": wir setzen auf umweltfreundliche Materialien, auf geräuscharme Leichtlaufräder. Auf die entsprechende Kennzeichnungspflicht in Europa ab 2011 sind wir gut vorbereitet.
 
Glauben Sie, dass Conti Staatshilfen bekommen wird?
Fiocchi: Ich weiß es natürlich nicht, aber ich glaube, dass die europäische Union als auch die Landes-Regierungen darauf achten, die Wettbewerbssituation nicht zu verändern.
 
Wie wird sich der Preiswettbewerb Ihrer Meinung nach entwickeln?
Fiocchi: Der ist sicher nicht so brutal wie in anderen Geschäften. Aber die Preise sind definitiv unter Druck.
 
Welche Investitionen wollen Sie dieses Jahr tätigen?
Fiocchi: Allein in Deutschland werden wir dieses Jahr planmäßig ca. 20 Millionen Euro in unser Geschäft investieren - vornehmlich in Technologie und Qualität.

Wie läuft das saisonale Geschäft mit Sommerreifen?
Fiocchi: Für Sommerreifen erwarten wir dieses Jahr für die gesamte Branche ein minus von sieben bis acht Prozent. Das können wir jetzt schon recht genau sagen, weil ein großer Teil der Saison schon gelaufen ist. Für das kommende Winterreifengeschäft erwarten wir eine bessere Entwicklung, da die Läger im Handel in der vergangenen Saison weitestgehend abgebaut wurden und durch die hohen Neuzulassungszahlen - bedingt durch die Abwrackprämie -, ein Winterreifenbedarf besteht. Im Flottenbereich ist das Sicherheitsbewusstsein im Bezug auf z.B. Winterreifen viel höher als im Privatkundenbereich. Gepaart mit dem aktuellen Trend, dass Flottenfahrzeuge länger genutzt werden, sollte auch hier ein Bedarf bestehen.  

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